Eigentlich….

Niemals

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich hatte ich heute ganz andere Pläne – aber dann bin ich ganz spontan hingefahren. Ich hatte das Bedürfnis.

Eigentlich habe ich mich daran gewöhnt, bei ihrem Anblick in eine Art Depression zu geraten, wovon ich mich mindestens zwei Tage lang danach nicht befreien kann.

Eigentlich würde ich am liebsten überhaupt nicht hinfahren, nur um mir diesen Anblick zu ersparen. Aber das geht ja schlecht, ich bin ja immerhin ihre Tochter.

Eigentlich bin ich völlig hilflos und völlig machtlos und völlig planlos.  Eigentlich geht es meinem Bruder genauso und eigentlich wissen wir im Augenblick nicht, was wir  noch tun können.

Eigentlich hatte sie noch nie viel Lebensfreude, aber seit drei Jahren, seit ihr Mann tot ist, gar keine mehr.

Eigentlich möchte sie einfach nur noch sterben. Hätte sie nicht diese fürchterliche Angst vor dem Tod, hätte sie es auch längst getan.

Eigentlich hatte sie ein leichtes Leben (aus meiner Sicht) – sie hat es gehasst.

Eigentlich hatte ich ein schweres Leben (aus meiner Sicht) – ich  habe es immer geliebt – und ich werde es immer lieben. Ich durfte so unendlich viel lernen.

Eigentlich habe ich Angst davor, genauso zu sein oder zu werden wie sie.

Eigentlich glaube ich, das ist der eigentliche Grund, warum ich mit dieser Situation überhaupt nicht umgehen kann.