Zuhause

5.6.2013 016

„Mensch, mach doch endlich mal was aus Deinem Leben“, sagt er zu mir am Telefon. „Du hast doch nur ein paar Möbel, was soll das denn. Geh doch endlich weg aus diesem blöden Deutschland und mach was aus Deinem Leben“.

Ich verstehe ihn nicht. Was will er bloß von mir? Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden. Ich will aus Deutschland nicht weg. Ich liebe mein Heimatland, ich bin hier gerne zu Hause. Damit meine ich nicht die Politik und viele äußerlichen, materiellen Aspekte. Ich meine dieses LAND. Meine Wurzeln sind hier, hier ist mein Zuhause, meine Menschen sind hier, mein Rudel. Warum sollte ich von hier fortgehen wollen?

Ich frage ihn: „Was meinst Du denn damit?“ Er ist gerade wieder über den Sommer hier in Deutschland und findet alles doof. Das Wetter (na ja, damit hat er nicht ganz Unrecht), die Menschen, die Regierung, das ganze System, einfach alles. Ich frage ihn, ob da, wo er sonst lebt, denn alles viel besser sei. Ja viel viel besser, antwortet er. Da scheint immer die Sonne, alle Menschen sind fröhlich und gut drauf, und dort ginge es ihm immer super gut. Nur wenn er nach Deutschland komme, dann ginge es ihm sofort schlecht. Auf meinen Einwand, er sei doch nur ein Gast in diesem Land, lebe in einer Kolonie aus Deutschen, Engländern und Schweizern, geht er gar nicht ein. So festgefahren ist er in seinen Äußerungen, dass ich diesen Menschen, der einmal mein bester Freund war, gar nicht mehr wiedererkenne.

Was sind denn schon Kinder und Enkelkinder, fragt er. Auf die kannst Du doch keine Rücksicht nehmen, die gehen doch ihre eigenen Wege, und am Ende des Tages bist Du ganz alleine. Und außerdem reicht es doch, wenn Du sie einmal im Jahr siehst.

Ähhhhm – mir nicht. Ich brauche mein „Rudel“, um mich wohl zu fühlen, möchte mit erleben, wie meine Enkelkinder groß werden, ohne dass sie der Mittelpunkt meines Lebens sind, aber immerhin ein sehr wichtiger Bestandteil. All dies kann er überhaupt nicht nachvollziehen und beendet das Gespräch dann ziemlich abrupt, und ich höre durch das Telefon, wie er den Kopf schüttelt über diese eigensinnige Frau, die unbedingt in diesem Deutschland bleiben will. Auf seine Aussage, wir können uns ja demnächst mal treffen, gehe ich gar nicht ein, denn ich weiß, er wird sich nicht mehr melden. Zu viel Missstimmung lag zwischen uns am Ende des Gespräches, und so fällt die Verabschiedung auch sehr kurz aus.

Schade. Leben und leben lassen, das ist meine Devise. Jeder soll aus seinem Leben das machen, was er meint, und sich selbst glücklich machen. Jeder soll seinen eigenen Weg gehen, etwas Anderes führt zu nichts, allenfalls in Krankheiten und andere Katastrophen. Wenn ich etwas gelernt habe, dann dies.

Menschen kommen und gehen in meinem Leben, da habe ich mich inzwischen dran gewöhnt. Ich vergleiche ja immer noch das Leben mit einer Bahnreise. Ich sitze mit vielen Menschen in einem Abteil. An jedem Bahnhof, wo der Zug hält, steigen Menschen zu, und es steigen Menschen aus. Irgendwann, am Ende der Reise, stehe ich dann selbst mit dem Koffer auf dem Bahnsteig, und sehe dem Zug hinterher, der mich bis an mein Ziel gebracht hat……

Die Dritte „im Bunde“

Ortsvereine

 

 

 

 

 

 

 

 

„Er“ ist wieder da, sagt sie mit erstickter Stimme am Telefon. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Diese Nachricht macht mich sprachlos, betroffen, nachdenklich und auch ein wenig ängstlich.

Ich versuche, ihr Mut zu machen. Aber wie geht das, wenn man in solch einem Augenblick selbst keinen hat?

Wir hatten „ihn“ beide vor 6 Jahren. Während sie damals noch viele Monate kämpfen musste, dass „er“ endlich abhaut, war ich ziemlich schnell wieder frei von „ihm“.

Seither habe ich Schritt für Schritt mein Leben radikal verändert. Wie ich finde, immer noch nicht genug, ich könnte noch viel mehr für mich tun, aber man wird mit der Zeit ein bisschen nachlässig im Verändern von alten Mustern. Es läuft ja gut und alles ist superschön und in Ordnung.

Sie nicht, ganz im Gegenteil. Sie hat noch eins oben drauf gesetzt. Sie hat sich noch einmal richtig ins Zeug gelegt, sie hat alles gegeben, und Karriere gemacht (wie sie meint). Sie verdient inzwischen utopisch viel Geld, arbeitet oft abends bis 21 Uhr, und wenn wir uns dann in ihrer knapp bemessenen Zeit endlich mal wieder gesehen hatten, habe ich immer nur gesagt: Pass auf Dich auf. Vergiss nicht, dass da mal etwas war.

Ja ja, hat sie dann immer nur gelacht. Nur noch ein paar Jahre, und dann habe ich so viel Geld zusammen, dass ich kürzer treten kann. Nur noch ein paar Jahre…..

Und dann kommt dieser Anruf von ihr. Am vergangenen Freitag. Und ich bin wieder mittendrin in diesem Film. Das böse K-Wort, vor dem alle Menschen Angst haben. Ich bin sehr nachdenklich. Zumal die Dritte in „unserem Bunde“ vor einem halben Jahr diesen Planeten verlassen musste. Da war „er“ auch nach 6 Jahren zurückgekehrt.

Bleibe dann ja wohl nur noch ich von uns 3 Mädels. Und ich wünsche mir, Kraft genug zu haben, sie durch diese Zeit zu begleiten.

Neue Wege gehen

09.06.2013 008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „Leistungsideologie“ ist berufen, Leistungsbereitschaft und Hebung der Arbeitsmoral zu fördern, insbesondere indem Hoffnungen auf sozialen Aufstieg wach gehalten werden – Wikipedia 

Machen Sie sich doch einmal von Ihrer Leistungsideologie frei, sagt der alte Herr, und schaut mich mit schief gelegtem Kopf stirnrunzelnd an. Sie müssen nicht ständig etwas „leisten“.

Schon wieder eine Aufgabe, an der ich zu knacken habe. Wieso soll ich jetzt auf einmal nichts mehr leisten müssen? Bisher war das doch immer so. Glaubte ich zumindest.

Kaum saß ich einmal mit einem Buch auf dem Sofa, hatte ich sogleich ein schlechtes Gewissen und mir fielen tausend Dinge ein, die es eigentlich dringend zu erledigen galt. Und schon sprang ich wieder auf um etwas zu „tun“. Kein Wunder, dass ich Anfang des Jahres an einem Punkt angekommen war, wo im Prinzip kaum noch etwas ging. Hinzu kam die bedrückende Situation mit meiner Mutter, und abgesehen davon, dass ich überhaupt keine Zeit mehr hatte, etwas für mich zu tun – wobei sich die Frage stellt: wie tut man denn etwas für sich nach so vielen Jahren, wo man nichts für sich getan hat – fehlte mir auch jegliche Lebensfreude, weil es ja so kam, wie es kommen musste.

Nachdem ich alle „Verpflichtungen“ erst einmal gestoppt hatte und meine Mutter verstorben war, fiel ich in ein tiefes tiefes Loch. Es ging mir wirklich nicht gut, ich hatte keine Aufgaben mehr und verfiel sofort wieder in blinden Aktionismus, um die entstandenen Freiräume mit Dingen und im Außen zu füllen. Ich hatte das Gefühl, dringendst ein neues Projekt zu benötigen, damit ich mich wieder besser fühlte.

Und dann kam dieser Satz von einem alten Herrn, an dem ich mich beinahe verschluckt hätte, so unverdaulich erschien er mir, und der ganz langsam, Millimeter für Millimeter, in mein Unterbewusstes drang. Mich FREI machen von Leistungszwängen. Ich, die ich mir doch mein Leben lang Liebe und Anerkennung immer über die Leistung „erwirtschaftet“ hatte.

Es war und ist wirklich nicht einfach für mich, diese neue Herausforderung zu bewältigen. Dieses innere Gefühl der Nervosität, des nicht Wertvoll-seins, weil ich keiner „geregelten Arbeit“ mehr nachgehe, und die damit einhergehenden Schuldgefühle machen mir immer noch ziemlich zu schaffen.

Inzwischen geht es mir jedoch schon wieder viel besser. Ich habe angefangen, zu Fuß den Wald hier (Knechtstedener Wald) zu erkunden. Die Mila und ich laufen quer waldein, was wir sehr genießen – der Hund sowieso – und ich auch. Früh morgens sehen wir immer Rehe, die durch den Wald springen, oder einfach auch mal auf dem Weg stehen, und uns beobachten. Ganz zu schweigen von all den anderen Tieren (und auch Bäumen, Pflanzen und Sträuchern, die es zu entdecken gibt).

08.05.2013 016

Wir haben sogar ein Wasserloch gefunden, ganz versteckt, mitten im Wald, wo natürlich auch andere Hundebesitzer mit ihren Hunden anzutreffen sind, vor allem bei dem warmen Wetter der letzten Tage. Oft treffen wir unterwegs ganz viele nette Menschen, aber genauso oft sind wir auch mutterseelenallein und treffen niemanden.

Anfangs hatte ich noch die Befürchtung, mich zu verlaufen, was auch des Öfteren geschehen ist.

Aber das Schöne ist, man findet irgendwie immer wieder zurück, auch wenn man einen Umweg geht. Auch wenn man sich einmal verlaufen hat. 

Gesucht und gefunden

16.09.2012 015

M I L A

Du bist das treueste und liebevollste Wesen,
welches man sich in der Gestalt einer kleinen Hündin nur
denken kann.

Du hast die schönsten Augen und berührst mich mit Deiner
unvorstellbaren Sanftheit.

Du gewinnst die Herzen der Menschen im Nu. Sie bleiben stehen,
schauen Dir hinterher, wollen Dich unbedingt streicheln,
weil Du so „süß“ bist. Niemand kann Dir wirklich widerstehen.

Aber Du hast auch eine andere Seite, und die zeigst Du mir.

Du bist eigenwillig, freiheitsliebend, und immer auf dem Sprung,
Dich ins nächste Abenteuer zu stürzen.

Du entscheidest aus Deiner Seele: sympatisch oder nicht.
Dabei machst Du keinerlei Unterschiede zwischen
alt und jung, schön und nicht schön, groß und klein,
weiblich und männlich.

Du bist für mich der allertollste Hund!

Es interessiert mich nicht

Im August 2009 habe ich schon einmal diese Zeilen gepostet – auf meinem „alten“ Chakrablog. Seit ich das Buch von Oriah Mountain Dreamer 2006 gelesen habe, bin ich von diesen Worten tief berührt – es stellte sogar Parallelen zwischen ihrem und meinem Schicksal damals fest. Seither versuche ich, Menschen nicht mehr zu beWERTEN, wie ich das früher oft getan habe. Aber es gelingt mir nicht immer, das weiß ich.

Es wird immer bedeutsamer für mich, gerade im Hier und im Jetzt und Heute. Nicht beWERTET zu werden, und nicht zu beWERTEN.

Meine Freundin fragt mich: wie alt ist er? Weiß ich nicht.
Welches Auto fährt er? Ist mir doch egal.
Wie heißt die Firma, in der er arbeitet? Keine Ahnung.

Ist das alles wirklich so wichtig? Oder ist es vielmehr die Art und Weise, wie ich mich bei anderen Menschen fühle, die für mich ausschlaggebend ist?

Daher hier noch einmal:

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wovon Du Deinen Lebensunterhalt bestreitest.
Ich möchte wissen, wonach Du Dich sehnst und ob Du es wagst,
davon zu träumen, Deine Herzenswünsche zu erfüllen.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.
Ich möchte wissen, ob Du es riskieren wirst,
verrückt vor Liebe zu sein, vernarrt in Deine Träume,
in das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten in welcher Konstellation zu Deinem Mond stehen.
Ich möchte wissen, ob Du die Mitte Deines Leids berührt hast,
ob Du durch Verrat, den Du im Leben erfahren hast,
aufgebrochen und offen geworden
oder geschrumpft bist und Dich verschlossen hast vor Angst und weiterem Schmerz.

Ich möchte wissen, ob Du dasitzen kannst mit Schmerz
– meinem oder Deinem eigenen –
ohne irgendeine Bewegung der Ausflucht,
ohne den Schmerz zu verbergen, ohne ihn verschwinden zu lassen, ohne ihn festzuhalten.

Ich möchte wissen, ob Du mit Freude dasein kannst
– meiner oder Deiner eigenen –
ob Du mit Wildheit tanzen und zulassen kannst,
daß Ekstase Dich erfüllt bis in die Fingerspitzen und Zehen hinein,
ohne jene Vorsicht, in der du dich in acht nimmst,
realistisch bist und dich an die Begrenzung des Menschendaseins erinnerst.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist.
Ich möchte wissen, ob Du jemanden enttäuschen kannst, um zu Dir selbst ehrlich zu sein,
ob Du es erträgst, daß Dir deshalb jemand Vorwürfe macht
und Du trotzdem Deine eigene Seele nicht verrätst.
Ich möchte wissen, ob Du treu sein kannst und zuverlässig.

Ich möchte wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch dann, wenn es nicht jeden Tag schön ist
und ob Du in Deinem Leben einen göttlichen Funken spürst.
Ich möchte wissen, ob Du mit Mißerfolg leben kannst
– mit Deinem und meinem –
und immer noch am Ufer eines Sees stehen und “Ja“ zum Vollmond rufen kannst.

Es interessiert mich nicht, wo Du lebst oder wieviel Geld Du hast.
Ich möchte wissen, ob Du nach einer kummervollen Nacht voller Verzweiflung aufstehen kannst
–ausgelaugt und mit Schmerzen –
und trotzdem tust, was getan werden muß für Deine Kinder oder andere Menschen.

Es interessiert mich nicht, welche Schulausbildung Du hast oder wo und bei wem Du studiert hast.
Ich möchte wissen, ob Du mit mir in der Mitte des Feuers stehen und nicht zurückschrecken wirst.
Ich möchte wissen, was Dich von innen aufrecht erhält, wenn alles andere wegfällt.

Ich möchte wissen, ob Du mit Dir selbst alleine sein kannst
und ob Du wirklich die Leute magst, mit denen Du Dich in Zeiten der Leere umgibst.

Oriah Mountain Dreamer (im Mai 1994, http://www.oriahmountaindreamer.com)

Schwachstellen

Heute genau vor vier Wochen ist Fräulein Smilla bei mir eingezogen! So sehr ich mich auch gefreut habe, dass sich mein großer Wunsch aus Kindheitstagen nun endlich erfüllt hat, so überfordert war ich auch anfänglich mit diesem kleinen ängstlichen Hund, der weder ein Auto noch einen Fahrradfahrer kannte, Regen offensichtlich auch nicht, und der beim Anblick von anderen Hunden eine Panikattacke nach der anderen bekam.

Inzwischen hat sich vieles in „Wohlgefallen“ aufgelöst, nur das Zusammentreffen mit anderen Hunden ist immer noch stressig. Aber wir üben und üben und üben, und auch dieser Punkt wird immer besser und besser….

Drei Mal am Tag gehen Fräulein Smilla und ich unsere Runde durch das Feld hinter „meinem“ Haus.

Heute Abend haben wir gar niemanden getroffen, ach doch, ein netter Jogger, der beim Anblick von Fräulein Smillas neugierigem Blick lachen musste.

 

Kaum zu glauben, wie sich mein Leben in dieser kurzen Zeit verändert hat. Wir sind inzwischen bekannt im Dorf „wie ein bunter Hund“ und werden oft schon von Weitem begrüßt. Die meisten Menschen sind interessiert und schauen dabei zu, wie Fräulein Smilla täglich weitere Fortschritte macht. Aber es gibt auch andere, die, die ihre aggressiven Hunde ohne Leine durchs Feld laufen lassen, und die keinerlei Verständnis für einen kleinen Hund aufbringen, der Angst hat.

Bei unseren Spaziergängen am Rhein im Nachbarort haben wir schon viele Gleichgesinnte kennengelernt, lockere Verabredungen zum gemeinsamen Spazierengehen getroffen, Hundetrainer, Tierheilpraktiker und Hundesitter kennengelernt, Visitenkarten zugesteckt bekommen, es ist wirklich unglaublich, wie viele Kontakte ich in den letzten Wochen knüpfen durfte, und das ist ja erst der Anfang. Und ja, ich bin auch dankbar für jeden Tipp, den ich bekomme.

Am kommenden Freitag habe ich einen Qualifikationstest, um zur Ausbildung als Weight Watchers Coach zugelassen zu werden. Natürlich habe ich (wie immer eigentlich ärgere ich mich wieder mal sehr über mich selbst) viel zu spät mit dem Lernen begonnen, und jetzt bin ich unter Druck. Denn anhand der Übungstests kann ich ganz genau sehen, wo meine Schwachstellen sind, und das sind so einige. Ich habe noch viel zu lernen bis zum Wochenende und ich hoffe, dass ich die „Kurve jetzt doch noch kriege“ und dass alles reibungslos vonstatten geht.

Also: ich würd mich über Euer Daumendrücken sehr freuen :-)

Das soll Sommer sein?

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich – gestern Abend so gegen 21 Uhr – hat sich der Wind gelegt. Die letzten 3 Tage ist er hier regelrecht über die Felder getobt, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, aber er war so eiskalt, dass ich abend die Heizung anmachen musste und meine dicken gestrickten Socken wieder hervorgeholt habe.

An die Sommer meiner Kindheit habe ich ganz andere Erinnerungen. Die waren schön, und heiß damals, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Die kompletten Sommerferien verbrachten wir „auf der Straße“, von morgens bis abends waren wir draußen, und das Highlight dieser Sommer war, dass ich bis 9 Uhr abends mit den Nachbarskindern Federball spielen durfte. Einen Fernseher hatte wir auch noch nicht, meine Eltern und die anderen Leute aus der Nachbarschaft saßen in ihren Gärten oder vor den Häusern und schauten uns Kindern zu.

Jeden Sommer gab es auch den heftigsten Sonnenbrand, denn Sonnenschutzcreme mit Lichtfaktor 30+ gab es noch nicht, zumindest nicht in Europa, und ich erinnere mich an viele Nächte, wo ich mit kalten Quarktüchern auf dem Bauch liegend versucht habe zu schlafen, was aber schier unmöglich war, so heiß war mir und so hat der Rücken gebrannt. Hinterher pellte sich dann die Haut ab und ich durfte den Rest des Sommers nur noch vollständig bekleidet nach draußen, damit dies nicht noch einmal passierte, was ich als sehr ärgerlich empfand.

Und es gab so tolles Essen für uns Kinder. Jeden Abend aß ich mit großem Appetit Schwarzbrot mit Kräuterquark und dazu Tomaten aus dem Garten. Waren die köstlich. Überhaupt gab es ja nur im Sommer Tomaten, die waren etwas ganz Besonderes, weil man ein ganzes Jahr auf sie warten musste, wenn die Zeit vorbei war. Und es gab kalten Zitronentee, den hat meine Mutter nur im Sommer zubereitet, wenn wir abends völlig verschwitzt vom Spielen reinkamen, dann war er schon richtig schön kalt und ganz besonders köstlich. Ach ja, und sonntags gab es selbstgemachtes Eis, von Dr. Oetker, in den Geschmacksrichtungen Vanille, Schokolade und Erdbeere, das war jedes Mal ein Fest.

Auf den Feldern und an den Wegesrändern wuchsen Kornblumen, diese wunderschönen leuchtendblauen Blumen, die heute gänzlich verschwunden sind und nicht mehr wild wachsen.

Die Kornblume galt früher als Ackerunkraut und wurde als solches so erfolgreich bekämpft, dass sie fast ausgestorben ist. Daher steht sie inzwischen unter Naturschutz.

Ihre leuchtend blauen Blüten trifft man heutzutage eher in Gärten als in Kornfeldern an, denn viele naturverbundende Gartenbesitzer haben sich ihrer angenommen, um ihr eine Chance zum Überleben zu geben.

Die Kornblumen fand man meist usammen mit Klatschmohn und Kamille. Die Kamille haben wir in riesigen Sträußen gepflückt, zusammengebunden und auf dem Speicher zum Trocknen aufgehängt, um dann im Winter Kamillentee daraus zuzubereiten.

Übrigens wurde ich regelmässig beim Kirschenklauen erwischt, auf Nachbars Baum, der hatte die leckersten roten süßen Kirschen, die man sich nur denken kann. Und den Kirschkern habe ich immer mit verschluckt, weil ich nicht wusste, wohin damit, schließlich wollte ich ja keine Spuren hinterlassen. Am Abend hatte ich dann immer fürchterliche Bauchschmerzen, und meine Mutter meinte nur: Siehst Du, das kommt davon.

Das kommt davon – das war auch so ein geflügeltes Wort – irgendwie konnte man es auf jede Situation anwenden. Siehst Du, das kommt davon! Das taten die Erwachsenen schon damals gerne, und daran hat sich bis heute nichts geändert. So wird es jetzt auch dem Minister ergangen sein, der ohne zu verzollen einen Riesenteppich aus Afghanistan für sein Zuhause einfliegen ließ. Daran merkt man auch, dass Sommer ist – die letzten Tage waren die Medien voll mit diesen Schlagzeilen. Als hätten wir jetzt schon ein Sommerloch.

Gottseidank hat die EM begonnen, und so werden die wirklich wichtigen Themen in diesem Lande und auf dieser Welt erst mal wieder schön „unter den Teppich gekehrt“ – groß genug soll er ja sein. Siehst Du……

 

 

Der Rest ist nur Sand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Philosophieprofessor im US-Staat Massachusetts begann seine
Vorlesung auf sehr originelle Weise. Er hatte ein paar Dinge auf
einem Pult vor sich liegen. Als die Vorlesung begann, nahm er ein
großes Mayonnaiseglas und füllte es bis zum Rand mit großen
Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Glas voll
sei. Sie stimmten ihm zu.

Dann nahm er eine Schachtel mit Kieselsteinen, schüttete sie in das
Glas und schüttelte es leicht, so dass sich die Kieselsteine
zwischen die großen Steine schoben. Dann fragte er erneut, ob das
Glas jetzt voll sei. Alle stimmten zu. Leichtes Gelächter machte
sich breit.

Dann nahm der Lehrer eine Tüte mit Sand und schüttet ihn in das
Glas. Langsam rieselte der Sand zwischen die Steine und füllte so
das Glas.

„Nun“, sagte der Lehrer zu den Studenten, „was sagen sie
jetzt?“ Keiner sagte einen Ton. Alle waren alle gespannt darauf,
wie es nun weiter gehen würde.

„Ich möchte, dass sie erkennen“, sagte der Professor langsam und
eindringlich, „dass dieses Glas wie ihr Leben ist! Die Steine sind
die wichtigen Dinge im Leben: Ihre Familie, Ihre Freunde,
Ihre Gesundheit, Ihr Studium. Dinge, die – wenn alles
andere wegfiele und nur sie übrig blieben – Ihr Leben immer noch
sinnvoll wäre.

Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge, wie z.B. Ihr
Auto, Ihre Karriere, Ihre Reise, die Sie geplant haben, die neueste
Mode, das Fernsehprogramm heute Abend, das Baseball-Spiel.“

Alle hörten ihm fasziniert zu.

„Der Sand“, fuhr der Professor fort, „der symbolisiert die ganz
kleinen Dinge im Leben. Zum Beispiel ob Sie sich über die
Verkäuferin im Supermarkt ärgern, ob ihre Freundin zu spät kam, ihre
Blumen vor dem Haus gestohlen wurden. Wenn Sie den Sand zuerst in
das Glas füllen, bleibt kaum Raum für die Kieselsteine – geschweige
denn für die großen Steine.

So ist es auch in ihrem Leben. Wenn Sie zu viel Energie und Zeit
für die kleinen Dinge im Leben aufwenden, dann bleibt für die großen
Dinge nichts mehr übrig.

Achten Sie auf die wichtigen Dinge, nehmen Sie sich Zeit für ihre
Familie, ihr Studium, ihre Gesundheit.

Es wird noch genug Zeit für die weniger wichtigen Dinge geben.
Achten Sie zuerst auf die großen Steine; sie sind es, die wirklich
zählen. Der Rest ist nur Sand.“

Schon so oft gelesen – und doch immer wieder ein Impuls, nachzudenken und die Dinge nach Wichtigkeit zu sortieren.

Verfasser unbekannt

Ostern 2012

Gestern war Karfreitag, das war ein guter Tag. Voller Stille irgendwie, im Innen und im Außen. Kaum ein Auto fährt durch das Dorf, alles ganz ruhig. Aber aufgrund des strahlendschönen Wetters, welches vom Wetterbericht übrigens gar nicht vorhergesagt wurde, waren viele Menschen draußen, die joggten, Fahrrad fuhren oder einfach nur spazieren gingen.

Gestern war ein guter Tag für Dankbarkeit, wie ich finde. Einfach mal hinschauen auf all das, was man so hat. Das ist wirklich genug, um sich wohl zu fühlen, zufrieden zu sein und in seiner Mitte zu ruhen. Sicherlich bedürfte es noch der einen oder anderen Verbesserung oder Steigerung, aber davon soll hier gar nicht die Rede sein. Eigentlich habe ich sogar noch mehr, als ich brauche.

Am vergangenen Donnerstag fand der zweite Wechsel unser polnischen Betreuerinnen meiner Mutter statt, Isabella ist wieder nach Polen gefahren, und Alina hat ihre zweite „Staffel“ begonnen. Mit Isabella habe ich mich sehr angefreundet, und ich habe in der Zeit, wo sie bei uns war meine Mutter öfter besucht, als ich es sonst tue.  Isabella ist Psychotherapeutin und hat, wie so viele Frauen – nicht nur in Polen – keine Möglichkeit, ihren erlernten Beruf auszuüben. Die vielen Gespräche und die Nähe zu diesen beiden Frauen während der letzten 3 Monate haben mir für vieles noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel gegeben. Vielleicht fühle ich mich deshalb so wohl und so gut. Ich habe absolute Hochachtung vor all den vielen Frauen, die unsere alten Menschen hierzulande pflegen. Ich könnte das nicht, ganz ehrlich, das ist ein 24-stündiger Knochenjob, für 40 Euro pro Tag.

Dieses Dankbarkeitsgefühl habe ich übrigens schon eine ganze Weile. Es gibt Tage, da könnte ich die ganze Welt umarmen. Ich halte mich fern von Menschen, die ständig auf höchstem Niveau jammern und das ganze Leben schrecklich finden. Klar habe ich auch mit den ganz normalen Alltagsproblemen zu kämpfen, ich finde auch die Benzinpreise horrend, die Politiker schrecklich, die Eurokrise demotivierend, aber irgendwie schaffe ich es dennoch, meinen Kopf hoch zu halten und den Blick geradeaus.

Ich weiß übrigens inzwischen, wie Loslassen geht. Früher habe ich das überhaupt nicht verstanden wenn jemand sagte, Du musst loslassen. Heute weiß ich das, und ich kann es. In dem Maße, wie ich gelernt habe, mich selbst zu akzeptieren so wie ich bin, hat mein Körper signalisiert, keine schädigenden Substanzen mehr zu brauchen, keine Ersatzbefriedigungen sind mehr notwendig, um mich wohl zu fühlen, und ich muss auch keinen Schutzpanzer mehr mit mir herumtragen. Vielleicht bin ich auch deshalb so dankbar, dass ich diesem Zustand sein darf, den ich mir übrigens mein ganzes Leben lang gewünscht habe, aber nie wußte, wie ich ihn erreichen soll.

Ich wünsche Dir ein schönes und frohes und friedliches Osterfest 2012. Auch wenn das Wetter vielleicht nicht so ist, wie wir uns das gewünscht hätten, die Sonne ist immer da, auch wenn wir sie oft nicht sehen können!

 

Absichtserklärungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Also bei mir ist das so: wenn ich einen Gedanken habe, irgend etwas zu tun oder haben zu wollen, dann kann ich ziemlich sicher sein, dass irgend etwas passiert in meinem Leben.

Kürzlich hatte ich den Gedanken, dass ich zum 1. April wieder arbeiten möchte. Ich bin dann ein ganzes Jahr daheim gewesen (das hatte ich mir doch so sehr gewünscht), aber irgendwie reicht das jetzt, wie ich finde. Ich hatte genügend Zeit, alles zu tun, was ich tun möchte, konnte mich um Kinder, Enkelkinder und um meine Mutter kümmern, die Freunde kamen auch nicht zu kurz, aber jetzt möchte ich wieder in die „große weite Welt“ hinaus. Ich habe eine konkrete Vorstellung von dem, was ich gerne tun möchte und wo ich auch gerne sein möchte, das könnte die Sachen vereinfachen oder erschweren, je nachdem, wie man es betrachtet.

Ob das mit der Absichtserklärung klappt, werden wir sehen. Fakt ist aber, dass ich in der vorigen Woche drei Jobangebote hatte (wie aus heiterem Himmel), die mir jedoch alle nicht zusagten. Sei es von der Erreichbarkeit her oder vom Aufgabengebiet, da konnte ich gleich aus meinem tiefen Herzen sagen, „das möchte ich nicht“. In solchen Fällen verlasse ich mich ganz auf mein Bauchgefühl.

Ich bin selbst gespannt, wie es nun weitergeht mit mir, allerdings liegen meine Karten so etwas von gut, eigentlich kann da gar nichts mehr schiefgehen 😉

Die Tür ist wieder offen…