Mein Herz

742901_web_R_K_B_by_Brigitte Kreuzwirth_pixelio.de

Mein Herz hat Dich so lange schon vermisst.

Bin unendlich erleichtert, dass wir heute wieder reden konnten, nach dieser langen Zeit des Schweigens.

Kein Vorwurf, nicht von mir, nicht von Dir. Einfach nur Zuhören, dem Anderen, und Verstehen. Und Anerkennen und Wertschätzen. Und Dankbar sein. Vielleicht ist jetzt der Bann endlich gebrochen.

Vielleicht – das wünsche ich mir – können wir uns jetzt mit der Ehrlichkeit und dem Respekt begegnen, wie zwei Menschen, die sich lieb haben, und die sich eigentlich nahe sein wollen, aber den Mut nicht aufbringen können aus Angst vor weiteren Verletzungen.

Die Herze haben Risse bekommen, aber Risse heilen, da bin ich mir ganz sicher.

Man kann Pflaster aus Liebe, Toleranz und Akzeptanz drauf kleben und abwarten, was geschieht.

Vielleicht war die Auszeit genau das, was wir brauchten, um die Weichen neu zu stellen. Die Zeit wird es uns zeigen.

So geht dieses Jahr doch noch positiv zu Ende. Danke.

 

 

Bildquelle: Brigitte Kreuzwirth  / pixelio.de

Lernen

hands
Mit Der Zeit lernst Du, dass eine Hand zu halten nicht dasselbe ist, wie eine Seele zu fesseln.
Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet und Begleiten nicht Sicherheit.
Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind und Geschenke keine Versprechen.
Du beginnst Deine Niederlagen erhobenen Hauptes und offenen Auges hinzunehmen. Mit der Würde eines Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind.
Und Du lernst, all deine Straßen auf dem Heute zu bauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.
Mit der Zeit erkennst Du, dass sogar Sonnenschein brennt wenn du zu viel davon abbekommst.
Aber du lernst auch, dass dich die Sonne wärmt.
Du lernst, dass es Menschen gibt, die dich lieben.
Menschen, die verstehen was du sagst, ohne dass du sprichst – nur weil du fühlst.
Und bedenke, dass du wirklich standhalten kannst und wirklich stark bist und dass du deinen eigenen Wert hast, denn das ist Dein Leben und das lebst nur Du!
Carmen Rodriguez

Zuhause

5.6.2013 016

„Mensch, mach doch endlich mal was aus Deinem Leben“, sagt er zu mir am Telefon. „Du hast doch nur ein paar Möbel, was soll das denn. Geh doch endlich weg aus diesem blöden Deutschland und mach was aus Deinem Leben“.

Ich verstehe ihn nicht. Was will er bloß von mir? Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden. Ich will aus Deutschland nicht weg. Ich liebe mein Heimatland, ich bin hier gerne zu Hause. Damit meine ich nicht die Politik und viele äußerlichen, materiellen Aspekte. Ich meine dieses LAND. Meine Wurzeln sind hier, hier ist mein Zuhause, meine Menschen sind hier, mein Rudel. Warum sollte ich von hier fortgehen wollen?

Ich frage ihn: „Was meinst Du denn damit?“ Er ist gerade wieder über den Sommer hier in Deutschland und findet alles doof. Das Wetter (na ja, damit hat er nicht ganz Unrecht), die Menschen, die Regierung, das ganze System, einfach alles. Ich frage ihn, ob da, wo er sonst lebt, denn alles viel besser sei. Ja viel viel besser, antwortet er. Da scheint immer die Sonne, alle Menschen sind fröhlich und gut drauf, und dort ginge es ihm immer super gut. Nur wenn er nach Deutschland komme, dann ginge es ihm sofort schlecht. Auf meinen Einwand, er sei doch nur ein Gast in diesem Land, lebe in einer Kolonie aus Deutschen, Engländern und Schweizern, geht er gar nicht ein. So festgefahren ist er in seinen Äußerungen, dass ich diesen Menschen, der einmal mein bester Freund war, gar nicht mehr wiedererkenne.

Was sind denn schon Kinder und Enkelkinder, fragt er. Auf die kannst Du doch keine Rücksicht nehmen, die gehen doch ihre eigenen Wege, und am Ende des Tages bist Du ganz alleine. Und außerdem reicht es doch, wenn Du sie einmal im Jahr siehst.

Ähhhhm – mir nicht. Ich brauche mein „Rudel“, um mich wohl zu fühlen, möchte mit erleben, wie meine Enkelkinder groß werden, ohne dass sie der Mittelpunkt meines Lebens sind, aber immerhin ein sehr wichtiger Bestandteil. All dies kann er überhaupt nicht nachvollziehen und beendet das Gespräch dann ziemlich abrupt, und ich höre durch das Telefon, wie er den Kopf schüttelt über diese eigensinnige Frau, die unbedingt in diesem Deutschland bleiben will. Auf seine Aussage, wir können uns ja demnächst mal treffen, gehe ich gar nicht ein, denn ich weiß, er wird sich nicht mehr melden. Zu viel Missstimmung lag zwischen uns am Ende des Gespräches, und so fällt die Verabschiedung auch sehr kurz aus.

Schade. Leben und leben lassen, das ist meine Devise. Jeder soll aus seinem Leben das machen, was er meint, und sich selbst glücklich machen. Jeder soll seinen eigenen Weg gehen, etwas Anderes führt zu nichts, allenfalls in Krankheiten und andere Katastrophen. Wenn ich etwas gelernt habe, dann dies.

Menschen kommen und gehen in meinem Leben, da habe ich mich inzwischen dran gewöhnt. Ich vergleiche ja immer noch das Leben mit einer Bahnreise. Ich sitze mit vielen Menschen in einem Abteil. An jedem Bahnhof, wo der Zug hält, steigen Menschen zu, und es steigen Menschen aus. Irgendwann, am Ende der Reise, stehe ich dann selbst mit dem Koffer auf dem Bahnsteig, und sehe dem Zug hinterher, der mich bis an mein Ziel gebracht hat……

Der Weg des Herzens

 

 

 

 

 

 

Übermorgen ist der 12.12.12!!! Ist das nicht ein tolles Datum? Ich liebe solche Zahlen. In der nächsten Woche dann ist der lang ersehnte und auch gefürchtete 21.12.2012, das Ende des Maya-Kalenders. Vor wenigen Tagen meinte der Sprecher der Morgensendung im Radio: noch 7 Mal schlafen, dann ist Weltuntergang.

Nun ja, an den Untergang der Welt glaube ich schon seit vielen Jahren nicht. Ich glaube auch nicht daran, dass sich am 21.12.12 die Erde auftut und alle nicht „spirituellen“ Menschen hineinplumpsen und nie mehr gesehen werden. Und nur die „spirituellen“ Menschen bleiben hier und bauen eine neue, schönere und bessere Welt.So wird das mit Sicherheit nicht ablaufen.

Was habe ich für Diskussionen mit Menschen geführt, die sich 2012 auf ihre „spirituelle Fahne“ geschrieben haben. Ich bin für solche Dinge einfach viel zu bodenständig.

Trotz aller Bodenständigkeit, trotz meines Pragmatismus, Realismus und auch meines zeitweisen Pessimismus bin ich aber durchaus in der Lage, klar und deutlich die Veränderungen zu sehen da draußen. In meinem kleinen Kosmos und auch im großen.

Das letzte halbe Jahr war sehr anstrengend. Was bist Du mutig, haben viele zu mir gesagt und mir auch geschrieben. Und mich insgeheim bewundert oder aber nur den Kopf über mich geschüttelt so nach dem Motto, jetzt ist ihr gar nicht mehr zu helfen.

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Ostern 2012

Gestern war Karfreitag, das war ein guter Tag. Voller Stille irgendwie, im Innen und im Außen. Kaum ein Auto fährt durch das Dorf, alles ganz ruhig. Aber aufgrund des strahlendschönen Wetters, welches vom Wetterbericht übrigens gar nicht vorhergesagt wurde, waren viele Menschen draußen, die joggten, Fahrrad fuhren oder einfach nur spazieren gingen.

Gestern war ein guter Tag für Dankbarkeit, wie ich finde. Einfach mal hinschauen auf all das, was man so hat. Das ist wirklich genug, um sich wohl zu fühlen, zufrieden zu sein und in seiner Mitte zu ruhen. Sicherlich bedürfte es noch der einen oder anderen Verbesserung oder Steigerung, aber davon soll hier gar nicht die Rede sein. Eigentlich habe ich sogar noch mehr, als ich brauche.

Am vergangenen Donnerstag fand der zweite Wechsel unser polnischen Betreuerinnen meiner Mutter statt, Isabella ist wieder nach Polen gefahren, und Alina hat ihre zweite „Staffel“ begonnen. Mit Isabella habe ich mich sehr angefreundet, und ich habe in der Zeit, wo sie bei uns war meine Mutter öfter besucht, als ich es sonst tue.  Isabella ist Psychotherapeutin und hat, wie so viele Frauen – nicht nur in Polen – keine Möglichkeit, ihren erlernten Beruf auszuüben. Die vielen Gespräche und die Nähe zu diesen beiden Frauen während der letzten 3 Monate haben mir für vieles noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel gegeben. Vielleicht fühle ich mich deshalb so wohl und so gut. Ich habe absolute Hochachtung vor all den vielen Frauen, die unsere alten Menschen hierzulande pflegen. Ich könnte das nicht, ganz ehrlich, das ist ein 24-stündiger Knochenjob, für 40 Euro pro Tag.

Dieses Dankbarkeitsgefühl habe ich übrigens schon eine ganze Weile. Es gibt Tage, da könnte ich die ganze Welt umarmen. Ich halte mich fern von Menschen, die ständig auf höchstem Niveau jammern und das ganze Leben schrecklich finden. Klar habe ich auch mit den ganz normalen Alltagsproblemen zu kämpfen, ich finde auch die Benzinpreise horrend, die Politiker schrecklich, die Eurokrise demotivierend, aber irgendwie schaffe ich es dennoch, meinen Kopf hoch zu halten und den Blick geradeaus.

Ich weiß übrigens inzwischen, wie Loslassen geht. Früher habe ich das überhaupt nicht verstanden wenn jemand sagte, Du musst loslassen. Heute weiß ich das, und ich kann es. In dem Maße, wie ich gelernt habe, mich selbst zu akzeptieren so wie ich bin, hat mein Körper signalisiert, keine schädigenden Substanzen mehr zu brauchen, keine Ersatzbefriedigungen sind mehr notwendig, um mich wohl zu fühlen, und ich muss auch keinen Schutzpanzer mehr mit mir herumtragen. Vielleicht bin ich auch deshalb so dankbar, dass ich diesem Zustand sein darf, den ich mir übrigens mein ganzes Leben lang gewünscht habe, aber nie wußte, wie ich ihn erreichen soll.

Ich wünsche Dir ein schönes und frohes und friedliches Osterfest 2012. Auch wenn das Wetter vielleicht nicht so ist, wie wir uns das gewünscht hätten, die Sonne ist immer da, auch wenn wir sie oft nicht sehen können!

 

Seelenfreunde

Vor ein paar Tagen war ich in der Buchhandlung, ich wollte eine schöne Karte für eine mir sehr ans Herz gewachsene Bloggerin kaufen, und da fielen mir gleich so viele schöne Karten ins Auge, dass ich mehrere kaufte, und eine davon war diese hier. Über die Freunde.

Und diese Karte möchte ich gerne mit Euch teilen. Und gleich mal DANKE sagen für all die lieben Kommentare, die ich immer bekomme hier in meinem Blog, und für die netten Kontakte, die sich auch außerhalb des Blogs inzwischen ergeben haben.

Diese Karte gefällt mir so gut, dass ich sie auch gleich per E-Mail an mir liebgewordene Menschen versendet habe. Und dabei ist mir der Gedanke gekommen, dass es Menschen in meinem Leben gibt, die mich auf gar keinen Fall verlassen würden, egal was ich auch tue. Ich kann herumzicken, mich in mein Schneckenhaus zurückziehen, mich einfach nicht mehr melden, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt bin, no chance, diese Menschen kommen immer wieder auf mich zu, auch wenn wir manchmal eine etwas längere Pause haben. Ich glaube, das ist die wahre Freundschaft, die, die sich nicht beirren lässt.

So wie ein ganz starkes Seil, dass sich nicht durchtrennen lässt. Das ist Seelenverwandtschaft.

Mütter und Töchter

 

 

 

 

 

 

Die Modewelt beschert uns mal wieder einen neuen Trend – das wurde ja auch langsam mal wieder Zeit 🙂

Mütter und Töchter, die dasselbe Outfit tragen!

Da laufen magersüchtige Models ziemlich schlanke junge Mädchen mit ihren genauso sehr schlanken Müttern über die Laufstege dieser Welt und präsentieren Mode, die von beiden Generationen wunderbar getragen werden könnte kann. Wie immer ist alles Geschmacksache!

Die Mutter mutiert zur besten Freundin ihrer Tochter, sie gehen gemeinsam shoppen, und sehen auch gleich aus, besprechen alles miteinander, sind unzertrennlich.

Also: in meinem/unserem Fall sieht das ganz anders aus.

Meine Tochter und ich haben ein enges Verhältnis, worüber ich mich sehr freue. Mit meiner Mutter war das nicht so, aber das ist auch eine andere Generation. Meine „beste Freundin“ ist meine Tochter nicht, und ich bin auch nicht „ihre beste Freundin“.

Wir sind das, was wir sind. Mutter und Tochter.

Wir haben einen komplett unterschiedlichen Kleidungsstil. Ich bin zugegebenermaßen sehr gerne gestylt, das ist aber für mich etwas völlig Normales und kostet mich keinerlei Mühe, mich morgens so zurecht zu machen, dass ich mich wohlfühle.

Meine Tochter ist eher der „praktisch/sportliche Typ„, nicht nur wegen ihres eineinhalbjährigen Sohnes, sondern weil sie es so mag. Meine Tochter ist jetzt 33, trägt Jeans, Longsleeves, Sweatshirts, Sneakers, alles Dinge, die ich mir für mich überhaupt nicht vorstellen kann und niemals in Frage kämen, außer im Urlaub und in der Freizeit.  In ihrem Alter trug ich Kostümchen und Highheels, heute zwar nicht mehr, aber ich bin sehr gerne immer noch elegant gekleidet.

Ich habe auch nie das Aussehen und das Outfit MEINER Mutter kopiert, das hätte mir gar nicht gefallen, obwohl ich manchmal so insgeheim denke, die Mode der 50er Jahre hätte mir sicherlich auch sehr gut gestanden.

Ich rede viel mit meiner Tochter, und sie mit mir. Aber es gibt Themen, die würde ich niemals mit ihr besprechen, allerhöchstenfalls mit meiner besten Freundin. Und umgekehrt weiß ich, dass es genauso ist.

Ich bin der Ansicht, dass die Generationen nach wie vor getrennt sein sollten, mit viel Nähe, falls möglich, aber auch mit der nötigen Distanz.

Ich habe kein Problem damit, älter zu werden und bin nicht in Konkurrenz zu meiner Tochter. Wenn ich mit ihr unterwegs bin und ich sehe, wie so mancher Blick an ihr hängenbleibt 😉 dann lächele ich in mich hinein und bin stolz. Aber niemals neidisch oder eifersüchtig.  Denn wir sind, was wir sind:

Mutter und Tochter!

Bildquelle: Hans_Jürgen Kimpel / pixelio.de

 

Frau Anni und Alina

Frau Anni und Alina sind ein Herz und eine Seele 🙂 Nach nunmehr eineinhalb Wochen!

Frau Anni ist natürlich meine Mutter (sie wird jetzt so genannt), und Alina ist „unsere“ polnische Glücksfee!

Alina kam einen Tag vor meiner Mutter in deren Zuhause an, mit dem Bus aus Polen. Alleine diese Tatsache ist für mich schon kaum vorstellbar! Dass diese Frauen, die unsere alten Menschen hier in Deutschland pflegen, sich mal eben in den Bus in Warschau setzen und nach Düsseldorf reisen. Bei jeder neuen Aufgabe eine Fahrt ins Ungewisse. Sie wissen ja nicht, was sie dort – hier bei uns – erwartet. Sie wissen lediglich, dass sie einen alten Menschen pflegen werden.

Nun – Frau Anni wurde vom Krankentransport in der Rehaklinik abgeholt und nach Hause gebracht – Alina und der Rest der Familie erwarteten sie dort bereits. Gottseidank war es Liebe auf den ersten Blick. Von Frau Anni aus. Denn Frau Anni ist sehr sehr kritisch, und ihr Herz schenkt sie noch lange nicht jedem!

Frau Anni ist aufgeblüht, seit sie nach 3 Monaten Odyssee durch Krankenhaus und Reha-Klinik nun endlich wieder zu Hause angekommen ist. Sie wird betüddelt, rund um die Uhr, das tut ihr so gut. Sie ist schließlich 80 Jahre alt und hat ihr Leben gelebt. Das, was ihr da nun wiederfährt, das hat sie verdient. Darüber freut sie sich.

Sie bekommt ihr Lieblingsessen gekocht (nicht so eine schreckliche Kost wie in der Klinik, die sie zum Schluß nicht mehr angerührt, sondern schlichtweg verweigert hat – wodurch sie natürlich fürchterlich abbaute), nein all die leckeren Dinge, die sie immer schon so gerne gegessen hat. Sie wird in eine warme Decke gehüllt, wenn sie friert, und darf jeden Wunsch äußern.

Aber Frau Anni muss auch etwas tun. Sie muss Laufen üben, Tag für Tag, Physiotherapie und Ergotherapie machen, und abends ist sie redlich müde. Das darf sie auch sein. Dann will sie einfach nur noch in ihr Bett!

Mittags, wenn sie ihr Schläfchen macht, geht Alina in die Stadt – das sind 4 km hin, und 4 km zurück. Sie könnte das Fahrrad von Frau Anni nehmen, oder mein Bruder oder ich, wir könnten sie fahren, aber das möchte sie nicht. Sie hat zwei Stunden Freizeit am Tag (von 24 – ohne Worte), das ist die Zeit, wenn Frau Anni schläft, und in dieser Zeit möchte sie gehen, draussen sein, an der frischen Luft.

Alina ist anderes Wetter gewöhnt als das, was wir hier haben. Das hier ist für sie gar kein Wetter. Sie mag es gerne kalt, so wie in Polen der Winter ist, da fühlt sie sich wohl. Dieser Mischmasch hier ist nichts für sie. Aber sie macht das Beste daraus.

Innerhalb von nur einer Woche ist Alina Familienmitglied – fester Bestandteil – kaum denkbar, wie es ohne sie gehen sollte. Aber sie bleibt nur zwei Monate, das ist der Deal. Dann sind die Frauen aber auch „durch“, die Rundumbetreuung bei unseren alten und behinderten Menschen machen. Dann kommt die Ablösung. Hoffentlich ist sie genauso nett und liebevoll, und dann kann ein kontinuierlicher Wechsel stattfinden.

Frau Anni sieht aus wie das blühende Leben, sie bekommt viel Besuch, am liebsten hat sie, wenn ihre beiden Urenkel da sind, das ist dann noch einmal ein Highlight!

Was sind wir alle froh und dankbar und glücklich, dass sich diese Situation so zum Positiven entwickelt hat. Manchmal braucht es eben Zeit, bis alles wieder gut ist.

 

Ratz Fatz wie die Zeit vergeht

 

 

 

 

 

 

 

Ratz Fatz – 3 Monate sind vorbei, Du hast Dich kaum umgedreht!
Wie sich alles verändern kann in 3 Monaten – in einem Tag, einer Stunde, einem Monat, einer Sekunde! Das zeigt uns das Leben immer wieder!

Vor 3 Monaten kam meine Mutter ins Krankenhaus, anschließend in die Reha-Klinik, und jetzt ist es endlich so weit: am 4.1.2012 kommt sie nach Hause, heim! Sie hat wunderbare Fortschritte gemacht. Das Kurzzeitgedächtnis funktioniert überhaupt nicht mehr, was gestern war, ist „Schnee von gestern„. Das Langzeitgedächtnis ist tipptopp in Ordnung. Die Zeiten wirft sie durcheinander. Ich werde an Silvester nicht 57, sondern 38 (seufz – das wäre schön – nein, nicht wirklich, dann müsste ich all die letzten Jahre noch einmal erleben), meine Tochter und mein Sohn sind an manchen Tagen Kleinkinder, an anderen erwachsene Leute.

„Ich verstehe nicht, dass Papa nicht kommt“, sagt sie. „Der war doch immer für mich da, hat immer alles geregelt.“ Ich sage: „Papa kommt nicht mehr, hast Du das vergessen?“ Dann hält sie einen kurzen Moment inne, und sagt: „Ach ja, stimmt ja.“ Und dann denkt sie nach, sie hat vergessen, dass er im vorigen Jahr gestorben ist. „Und wo ist denn Dein Bruder? Den habe ich ja schon seit Wochen nicht gesehen!“ „Aber Mama, der war doch noch gestern da!“

So geht das die ganze Zeit. Summasummarum hat sich aber der körperliche und geistig/seelische Zustand meiner Mutter sehr gebessert. Die Ärzte und Therapeuten sind sehr zufrieden mit ihr, sie ist inzwischen auch wieder in der Lage, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Nur für die anderen Mitpatienten – die teilweise noch viel schlimmer dran sind als meine Ma, ist das schwer oder gar nicht zu verstehen, was sie so von sich gibt. Wir – die Familie – verstehen es indes sehr gut. Wir kennen uns ja auch unser Leben lang.

Gerade eben – in einem langen Telefonat – haben mein Bruder und ich festgestellt, dass wir uns ab der nächsten Woche – quasi ein neues „Hobby und Freizeitbeschäftigung“ suchen müssen 🙂 Quatsch, nein, jetzt kommt wirklich Ruhe und Frieden in die ganze „Angelegenheit“, und Anfang der nächsten Woche „landet“ auch gleich die polnische Pflegekraft, die rund um die Uhr für meine Mutter sorgen wird.

Es dauert manchmal eine Weile, bis alles wieder gut ist. Das durfte ich in meinem Leben immer wieder lernen. Und mal ganz klar: so ein paar Wochen in einer neurologischen Fachklinik tut jedem Ego gut. Das rückt mal wieder alles gerade, aufgrund der vielen Schicksale, die man dort so kennenlernt.

Ein ganz großes Lob möchte ich der Neurologischen Klinik St. Mauritius in Meerbusch-Osterath aussprechen: niemals zuvor habe ich so supertolle, engagierte, kompetente und empathische Menschen gesehen und kennengelernt wie dort, die die Patienten rund um die Uhr und mit viel viel Liebe betreuen. Hut ab, das ist wirklich einzigartig in meiner Erfahrung mit Krankenhäusern und Rehakliniken, und davon kenne ich aus eigener Erfahrung eine ganze Menge.

Bewegung und Wandel – das Jahr 2012 mit all seinen Herausforderungen steht bevor – ich hatte ein unglaublich tolles Jahr 2011! Es ist Frieden auf allen Ebenen.

Niemals nie nicht

Niemals nie nicht hätte ich geglaubt oder daran gedacht,
dass wir BEIDE noch einmal miteinander reden.

Zu viel war geschehen, die DISTANZ unüberbrückbar.

Die erste Annäherung, noch ganz vorsichtig.
Niemand will sich zeigen, zu viel aus sich herauslassen,
eine ANGRIFFSFLÄCHE bieten.

Immer kürzer wird die Distanz,
immer näher die Gespräche.

Jetzt können wir schon wieder miteinander lachen,
uns in den Arm nehmen,
einen Kuss auf die Wange geben.

Wir sind nicht mehr allein,
wir sind wieder das,
was wir von Anfang an waren.

Bruder und Schwester.