Die „Blaue Stunde“

Blaue Stunde ist heute vor allem ein poetischer Begriff für die Zeit der Dämmerung zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit sowie für die Zeit kurz vor Sonnenaufgang. Während dieser Zeit besitzt der tiefblaue Himmel in etwa dieselbe Helligkeit wie das künstliche Licht von Gebäude- und Straßenbeleuchtungen. Das Blau des Himmels hat aber auch eine andere physikalische Ursache als bei Tage und hat damit auch eine andere spektrale Zusammensetzung.

23. Oktober 2012 – 18:45 Uhr – die blaue Stunde!

Ich sitze hier, streichele meinen Hund, und schaue hinaus. Dieses blaugraue Licht – die sogenannte blaue Stunde – hat mich schon immer fasziniert – und berührt. Der Tag geht langsam über in die Nacht, alles ist in blaugraues Licht getaucht, alles sieht irgendwie schön aus, und ich feiere Abschied.

Am Wochenende wird die Uhr wieder umgestellt, und all diejenigen, die mich hier schon länger kennen wissen, das ist dann nicht meine Zeit!

Der Baum vor meinem Fenster hat schon jede Menge Blätter abgeworfen, immerhin sind aber noch so viele dran, dass die Menschen aus dem Haus vis-à-vis noch nicht hineinschauen können, in mein Wohnzimmer.

Ich hatte einen sehr schönen Tag. Der Dienstag ist mein einziger freier Tag, ich habe keinerlei Termine, arbeite nichts, und ich kann ihn so gestalten, wie ich es möchte. Diesen Luxus kann ich mir gönnten, und es ist zugegebenermaßen auch einer der ganz wenigen Vorteile der Arbeitslosigkeit, in der ich mich ja immer noch befinde.

Ich war heute sehr viel draußen, habe die letzten schönen Oktobersonnenstrahlen und meine Spaziergänge mit Mila genossen. Seit die Mila bei mir ist (seit dem 9.7.12) gehe ich noch lieber raus als zuvor. Allerdings nicht mehr mit meinen Nordic Walking Stöcken, davor hat sie nämlich riesengroße Angst.

Vor ein paar Tagen kam uns beim Spaziergang eine Familie entgegen. Der Vater und die beiden Kinder hatten Stöcke in der Hand und „kämpften“ irgendwie miteineinder. Die Mila ist sofort unter das nächste parkende Auton geflüchtet und wollte nie wieder hervor kommen. Die Leuten waren so unsensibel und haben sich über meinen Hund „schlapp gelacht“. Aber sie können ja nicht wissen, dass dieser Hund bereits ein Vorleben hatte, auf den Straßen Spaniens, und nicht nur gute Erfahrungen gemacht hat, eher das Gegenteil.

Ich kann mir immer weniger vorstellen, Urlaub in Ländern zu machen, wo Tiere mißhandelt werden. Bislang war ich nie „aktiver“ Tierschützer. Aber seit die Ludmila bei mir ist, ändert sich meine Sichtweise auf so vieles.

Menschen, die Tiere nicht respektieren, können definitiv nicht mehr in meinem Leben sein!

Ich esse kaum noch Fleisch, mir bleibt einfach oftmals der Bissen im Halse stecken bei dem Gedanken, was die Tiere in unseren ach so zivilisierten Ländern erleben müssen.

Ein Vegetarier werde ich wohl nicht werden, aber ich überlege immer öfter, ob ich aus moralisch-ethischen Gründen ein Stück von einem toten Tier verzehren möchte.

So ist das bei mir, in der blauen Stunde. Mein College-Block auf den Knien, den Kopf dieser Wahnsinns-Hündin auf meinem Oberschenkel, und ich schreibe schreibe schreibe schreibe. Oft für Euch hier, aber noch öfter für mich!

In diesem Sinne – seid BEWUSST – Eure Dori 🙂

16 Gedanken zu „Die „Blaue Stunde“

  1. Sie gestaltet sich oft nachdenklich , die blaue Stunde … vor allem, wenn man, so wie du , sehr sensibel auf den Wechsel der Jahreszeit reagiert. Genieße sie – genieße die Stunden in der Herbstnatur mit deinem Hund – der sicher sehr dankbar ist, bei dir so ein liebevolles Zuhause gefunden zu haben!

    liebe Grüße von Ellen

    • Liebe Ellen – wie schön, Dich zu lesen!
      Ja, ich liebe die Blaue Stunde.
      Nein, ich mag jetzt gar nicht, dass am kommenden Wochenende die Winterzeit beginnt 😉
      Ja – ich könnte mir vorstellen, aus diesem Grunde auszuwandern.
      Aber: meine Wurzeln sind hier!
      Liebe Grüße von Dori

  2. Du sprichst mir aus dem Herzen, liebe Dori ! Seit genau dem gleichen Tag, dem 9. Juli, ist unser Ben der Mittelpunkt in unserem Leben geworden und zeigt uns auf seine Art einen neuen Blickwinkel auf manche Dinge.
    Ich freue mich, dass Du für Dich und auch für uns schreibst. Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Carina

    • Das glaube ich Dir sofort, liebe Carina. Bei mir war es übrigens auch der 9.7., fällt mir gerade auf! An dem Tag haben wir die Mila geholt. Meine Tochter sagt „doppeltes Lottchen“ zu uns 😀
      Ich bin soo froh, dass sie zurück ist, für mich ist das immer noch wie ein Wunder.

      Liebe Grüße an Euch alle von Dori

  3. Hi Dori,

    betreffs Mila kann ich Dir nur zustimmen. Hatte selbst mal einen Mischling von einer Arbeitskollegin. Meine Frau wollte ihn zuerst nicht. Aber dann, er durfte überall mit zum Wandern, zum Einkaufen etc. Dadurch haben wir sehr viel von dem Hund gelernt. 16 Jahre gehörte er dann zur Familie. Möchte diese Zeit nicht mehr missen.
    Weiterhin viel Spass mit Mila 🙂

    • Lieber Artur wow, 16 Jahre!!!!!! Was für eine tolle Zeit. Ich wünsche mir noch ganz viel Zeit mit meinem Hund, der mich täglich neue Dinge lehrt. Und mir neue Blickwinkel aufzeigt 😉
      Sie darf auch (fast) überall mit hin. Diese Hunde nennt man „Begleithunde“, was ich zuvor auch noch nicht wusste 😉
      Ich wünsche Dir einen schönen Tag, hier scheint noch die Sonne, aber heute morgen ist es schon wesentlich kälter als noch gestern um die gleiche Zeit.
      Liebe Grüße, Dori

  4. Schön beschreibst du deine Gedanken zur blauen Stunde und dein Glück mit Mila.
    Auch ich hatte ja 16 Jahre lang einen Hund und werde ihn nie vergessen. Menschen, die keine Tiere mögen, mögen auch keine Menschen.

    • Liebe Ute – auch solch eine lange Zeit mit Deinem Hund – genau wie der Artur. 16 Jahre ist eine sehr lange Zeit wie ich finde. Sicherlich vermisst Du Deinen Hund sehr nach dieser langen Zeit.
      Schön, dass Du hier warst. Liebe Grüße von Dori

  5. Liebe Dori – weisst Du, auch hier werden Hunde mißhandelt – und nicht nur Hunde. Deswegen kann man Länder nicht meiden. Plätze schon!
    Gestern abend, haben mein Mann und ich noch einen kleinen Spaziergang gemacht – auf einen kleinen Hügel, mit Blick über sanft abfallendes Tal. Die feuchte Luft hatte ihre sanften Schleier über die Landschaft gelegt. Und am Horizont ging die Sonne feuerrot als Ball unter. „Die blaue Stunde“. Wir saßen auf einer Bank – schweigend, und betrachteten dieses Schauspiel.
    Erinnerungen, Momente die in solchen bezaubernden Lichtverhältnissen von uns, mit allen Sinnen aufgenommen werden. Diese Augenblicke, bleiben einem im Leben in der Erinnerung tief verankert.
    Herzliche Grüsse von Mia

    • Liebe Mia,
      das hast Du wunderschön formuliert. Ich habe die Wahrnehmung, dass der Aufenthalt in den Bergen etwas ausgelöst hat bei Dir. Eine neue Sanftmut irgendwie. Dieses trotzige ich stampf mit dem Fuß auf den Boden ist fort. Kann es sein, dass da etwas passiert ist?
      Ich wünsche Dir einen traumhaft schönen und sonnigen Sonntag.
      Liebe Grüße von Dori

      • Liebe Dori,
        ja – irgendetwas ist geschehen. Nur was? 🙂
        Schön dass Du mir das bestätigst. So ganz genau weiss ich es selbst nicht… irgendwie fühle ich mich besser bei MIR angekommen, mehr in-mir-wohnend-zuhause. Das hat viel mit der emotionalen Arbeit zu tun, die ich mit mir mache –
        Der Urlaub hat einen Teil dazu beigetragen. Eine Wellness-Massage, die Wanderungen, viel frische Luft, ein Hotel mit einem gesunden Ernährungskonzept. Ich weiss nicht wie diese Dinge einfach so zu mir/uns finden. Wenn man es zulässt…..
        Dann kann auch ich endlich mehr In-Mir-Sein. Und das fühlt sich einfach so GUT an.

        • Das Gefühl kenne ich gut – man müsste es konservieren können. Du machst mir auf mich den Eindruck, als kämest Du langsam zurück – zu Dir!
          Liebe Grüße von Dori

  6. Liebe Dori,

    Vegetarier könnte ich auch nicht werden, obwohl wir immer weniger Fleisch essen und das auch gut ist.
    Aber als Hundemutter denkt man plötzlich über vieles nach und sieht es aus einem anderen Blickwinkel.

    Ich wünsche dir einen schönen Übergang in die Winterzeit,
    Anna-Lena

    • Liebe Anna-Lena,
      genauso ist es. Zur Zeit klopfe ich mir immer auf die Finger, wenn ich über einen „Kumpel“ für die Mila nachdenke. Lach. Die Zeiten haben sich komplett gewandelt 🙂
      Ich wünsche Dir einen guten Start in die Winterzeit und einen schönen Sonntag.
      Liebe Grüße von Dori

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