Dran bleiben

Ich wurde zu Disziplin und Ordnung erzogen! Und zum Durchhalten um jeden Preis.

„Was man einmal angefangen hat, muss man auch zu Ende führen“.

Ich stimme dem im Prinzip auch zu. Jedoch nicht (mehr) bedingungslos.

Es gibt auch Situationen, da „werfe ich ganz einfach mal das Handtuch“. OHNE SCHLECHTES GEWISSEN!

Sicherlich mache ich mir im Vorfeld die Entscheidung nicht leicht. So kann es passieren, dass ich wochenlang in einem Buch „rumlese“ und feststelle, dass dies nicht das ist, was ich mir darunter vorgestellt habe. Und da man ja zuerst das eine zu Ende bringen muss, bevor man etwas Neues anfängt, verstauben all die schönen Bücher, die ich noch lesen möchte, in der Zwischenzeit in einer Ecke.

Oder vor vielen vielen Jahren habe ich einmal einen Yoga-Kurs gemacht und fand die Yoga-Lehrerin so schrecklich unsympatisch und unmotiviert, aber ich bin weiter hingegangen, weil es nicht „schickt“, einen Kurs vorzeitig abzubrechen, schon gar nicht, wenn man dafür bezahlt hat! Immer schön diszipliniert sein. Aber letztendlich habe ich dann doch abgebrochen.

Diese sicherlich banalen Beispiele lassen sich natürlich auf jeden Deiner Lebensbereiche anwenden:

Steckst Du in einer Beziehung, von der Du weißt, dass sie für Dich nicht richtig ist?
Oder hast Du einen Job, den Du lustlos und missgelaunt jeden Tag antrittst, weil er nicht der richtige für Dich ist?
Oder ärgerst Du Dich über den Zustand Deiner Wohnung und kannst keine Entscheidung treffen, Dir etwas Anderes zu suchen und umzuziehen?

Ich gehe inzwischen mit den Dingen doch etwas anders um. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann und vor allem ich MÖCHTE eine Sache nicht zu Ende bringen, ganz einfach, weil ich mich total unwohl damit fühle und sich innerlich alles zusammenkrampft, wenn ich nur dran denke und ich bereits eine richtiggehende Abneigung entwickelt habe, dann lasse ich sie einfach sein.

Ohne schlechtes Gewissen.
Auch, wenn ich dafür „bezahlt“ habe 😉

Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

21 Gedanken zu „Dran bleiben

  1. Als erstes fällt mir dazu ein: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“

    Meine frühere Kollegin sagte gern, und das war belehrend gemeint, ich sei „wie das Fähnchen im Wind“. (Sie ist konservativ, hält an der Vergangenheit fest und sieht mein Wesen durch ihre Augen, es ist somit IHRE Geschichte und hat absolut nichts mit mir zu tun.)

    Was spricht gegen ein Fähnchen im Wind, flattert es nicht wunderbar fröhlich? Es ist doch so: Ich bin wandelbar, flexibel, anpassungsfähig, aber vor allem: ich entwickle mich weiter. Was heute noch für mich gilt, kann durch neue Erkenntnisse, die ich in diesem Moment gewinne, somit schon morgen der Vergangenheit angehören.

    Außerdem habe und nehme ich mir mein natürliches Recht, meine Meinung jederzeit zu ändern, und zwar, ohne mich rechtfertigen zu müssen. Warum sollte ich?

    Ich hantiere einen eigenen Spruch, den mein Ex-Mann zur Genüge kennt 😉
    „Ich macht’s wie ich’s wollte.“

    LG
    Babs

    • Liebste Babs,

      schön, Dein Kommentar – ich sitze hier schmunzelnd. WIE OFT in meinem Leben habe ich mir das schon anhören müssen?
      Dass ich ständig meine Meinung ändere, dass man(n) bei mir nie wisse, woran man(n) sei, ich bin konträr, wie ein Fähnchen im Wind (genauso wie bei Dir Deine Kollegin) usw.
      Dabei habe ich sooo viele verschiedene Interessen, und kürzlich – als jemand meinte, ich müsse mich ENDLICH mal für EINE SACHE entscheiden – da hab ich gefragt: WARUM? Und all das Andere, was dann auf der Strecke bleibt? Das geht doch gar nicht 🙁

      Aber weißt Du, wie dieses Post entstanden ist? Nachdem ich nun 3 Wochen völlig frustriert auf meinen beinahe fertigen Strickmantel geschaut habe, den ich im Augenblick nicht mehr sehen kann, und grummelnd an all die schönen Teile dachte, die ich in der Zeit schon hätte fertigen können, habe ich mir am Samstag wunderschöne Wolle für ein Strickkleid gekauft. Den Mantel werde ich bald fertig stellen, aber zuerst ist jetzt etwas Anderes an der Reihe. So – Lach!

      Hab einen schönen Wochenstart, alles Liebe,
      Dori

  2. Liebe Dori,
    ich nenne das Mut zur Lücke lach. Ich muss nicht alles zu Ende bringen, wenn es mir nichts bringt, oder ich einfach im Moment keine Lust mehr dazu habe. Das ist eine gesunde Lebenseinstellung gegen Tristesse.
    Ich war aber noch nie sehr diszipliniert in Dingen, an denen ich die Lust verloren habe.
    Von daher kann ich das leichtweg sagen. Jeder ist halt anders. Aber es gibt so viele schöne andere Sachen, die im Leben warten, wir wollen sie doch nicht unnötig warten lassen.
    Liebe Grüsse

    Anka

    • Liebe Anka,

      das denke ich dann auch immer. Wenn ich Dinge tue, die mir keine Freude (mehr) bereiten, dann denke
      ich automatisch darüber nach, was ich in DER ZEIT alles hätte tun können, WAS mir Freude bereitet.
      Eine gesunde Lebenseinstellung gegen Tristesse! Der Satz gefällt mir sehr gut.

      Liebe Grüße von Dori

  3. Liebste Dori, das geht mir genauso wie Du, auch ich bin zum Dranbleiben erzogen worden und ich habe auch selber den inneren Anspruch, Dinge zu Ende zu bringen. Bei Büchern ärgert es mich manchmal so sehr, dass ich die dann gleich weiterverschenken oder am Besten gleich wegwerfen muss, damit ich sie auch nicht mehr sehe:-)

    Mittlerweile bin ich da auch viel gelassener geworden und erlaube mir, meine Meinung zu ändern, wenn etwas nicht mehr passt; ein Buch nur bis dahin zu lesen, wie es mich interessiert (denn ich bin überzeugt, dass ich dann genau das gelesen habe, was ich lesen „sollte“, was wichtig für mich ist), einen Kurs abzubrechen, wenn er mir keine Freude macht; und mich dann wieder auf die Dinge zu konzentrieren, die mir gut tun, die mir Spass machen und die mich weiterbringen…
    Allerliebste gelassene Grüsse Andrea

    • Liebste Andrea,
      manchmal sind es so banale Dinge wie ein Mantel, den ich stricke, der mich dann zum Nachdenken bringt. Fast fertig – nur noch ein halber Ärmel – ein Traumteil – und ich habe mich verstrickt. Von dem Moment an hatte ich keine Lust mehr. Jedes Mal, wenn ich daran dachte, dass ich ihn zuerst fertig stellen MUSS, bevor ich etwas Anderes stricke, bekam ich gleich Grummeln. Jetzt habe ich neue Wolle, das Teil schreitet voran, und ich freue mich schon jetzt darauf, das „Projekt“ im Anschluß zum Ende zu bringen. Er wird nämlich traumhaft schön.
      Aber so geht es mir nicht nur beim Stricken, wie Du Dir sicherlich denken kannst.
      Ich hatte die Entscheidung getroffen, etwas zu verändern, und damit geht es mir nun supergut.
      Allerliebste Abendgrüße von Dori

  4. Liebste Dori,

    ich stimme dir voll und ganz zu – meine Zeit ist kostbar, und ich schaffe es schon, gewisse Dinge „durchzuziehen“, aber nur, wenn es mir trotzdem Spaß macht. Wenn ich merke, da fehlt es nun an nötiger Freude oder Lust, dann lasse ich es einfach. Ja, auch ohne schlechtes Gewissen, weil ich die Zeit nun für etwas nutze, was mir am Herzen liegt 🙂

    Allerliebste Abendwünsche für dich, Elisabeth

    • Liebste Elisabeth,
      ich weiß, wie es sich ANFÜHLT, wenn ich an einer Sache DRAN bleibe, aber auch, wie es ist, wenn ich etwas ohne große Lust und Willen mache.
      Manchmal möchte ich mir etwas beweisen, dass ich Durchhaltevermögen und Disziplin habe, aber das ist Quatsch, wenn ich dabei keine schönen Gefühle habe.
      Ich wünsche Dir GUTE GEFÜHLE bei allem, was Du tust.
      Von Herzen, Dori

  5. Liebe Dori,

    dieser Beitrag könnte glatt von mir sein. 🙂 Was haben unsere Eltern doch an uns herum erzogen. Ob wir jemals erfahren werden, welch‘ bleibende Schäden wir bei unseren Kindern mit unserem Erziehungsstil hinterlassen haben. 😉

    Ich weiß nicht an was es liegt. Ist es das Alter waren es die Grenzerfahrungen, die mich gelehrt haben abschiedlich zu leben und den Augenblick zu genießen. Was du schreibst kann ich nur bestätigen. Ich war auch ein „Zwängler“. Rieman ordnet Menschen wie uns dieser Gruppe zu. Ganz abgelegt habe ich dieses Verhalten nicht, dennoch bin ich mit den Jahren viel gelassener geworden und ordne die Anforderungen, die an mich gestellt werden anders ein. So kann ich heute viel leichter auch einmal etwas liegenlassen oder abbrechen.

    Lieben Gruß
    Christa

    • Liebe Christa,
      erst einmal vorweg: an einer Sache dran zu bleiben, am Ball zu bleiben, ein Ziel zu verfolgen, das ist grundsätzlich eine positive Sache. Das möchte ich ganz einfach noch mal klar stellen, aber das wissen meine Leser, glaube ich, dass dies nicht gemeint war.
      Ich wurde preußisch erzogen, darauf war mein Vater unheimlich stolz! Er war schließlich auch noch so erzogen worden. Da mein Großvater starb, als mein Vater 5 Jahre alt war, haben das diverse Onkel – Brüder seiner Mutter – übernommen.
      Ich kann mich noch an die Familienfeste meiner frühen Kindheit erinnern: wir Kinder mussten die ganze Zeit still sitzen, durften uns nicht bewegen und vor allem nicht sprechen. Das war die Energie der damaligen Zeit.
      So kam es, dass ich später als junge Frau diszipliniert und mit zusammengebissenen Zähnen versuchte, es allen Recht zu machen. Mit 30 wurde ich dann zum ersten Mal richtig krank, hatte zwei Magengeschwüre und magerte bis auf die Knochen ab.
      Wer mich heute erlebt, kann sich das nicht vorstellen. Ich lebe weitestgehend so, wie ich das möchte. Im letzten Jahr habe ich es geschafft, mich von der Meinung anderer Menschen abzukapseln, ich akzeptiere sie, aber ich lasse mich nicht mehr beeinflussen. Und gehe gerade aller Unkenrufe zum Trotz mal wieder meinen eigenen Weg, still und leise und etwas unauffällig, aber ich gehe ihn alleine, und beende gerade etwas, was nicht eher zu beenden ging.
      Danke für Deinen Kommentar, liebe Christa,
      Dori

  6. Dem stimme ich ohne Umschweife zu.
    Es tut so manchmal gut, sich aus den gut gemeinten Zwängen der Erziehung zu befreien und zu erspüren, was einem gut tut.

    Ich grüße dich herzlich,
    Anna-Lena

    • Liebe Anna-Lena,
      ich bin immer ehrfürchtig und irgendwie ein wenig neidisch 😉 wenn ich andere Menschen sehe, die das viel eher geschafft haben als ich.
      So schlimm sich das vielleicht anhört, aber richtig frei fühle ich mich erst seit dem Tod meines Vaters im vergangenen Jahr, der sehr dominant war und mein Leben maßgeblich beeinflusst hat mit seiner Erziehung und seinen Ansichten.
      Ich freue mich zu sehen, dass meine Kinder sich anders entwickelt haben, obwohl sie mir noch ein bisschen „aufmüpfiger“ sein könnten 🙂
      Liebe Grüße für einen schönen Tag von Dori

  7. Liebste Dori,
    das kann ich auch gut verstehen, ich bin auch manchmal fast neidisch auf die Menschen, die bestimmte Dinge schon viel früher verstanden und gelebt haben. Und dann denke ich, ich bin einfach glücklich darüber, dass ich es letztlich und aus eigener Kraft auch geschafft habe und freu mich über meinen „Erfolg“… Ich bin sicher, dass Du das auch so siehst:-)

    Und zum Dranbleiben: wenn ich nicht drangeblieben wäre, wäre ich heute nicht hier… ich hatte die richtige Motivation, die richtigen „Bilder“, die mich -trotz aller Schwieirigkeiten und Ängste- dran blieben liessen…und es war die richtige Entscheidung!

    Herzliche Grüsse Andrea

    • Liebste Andrea,
      Du kannst stolz auf Dich sein – dass Du „dran“ geblieben bist und Dich nun über Deinen ganz persönlichen „Erfolg“ freuen kannst 🙂
      Du hattest nicht nur die richtigen Bilder, sondern auch die richtige Motivation, und das sind Dinge, die man braucht, wenn man solch einen Weg gehen will.
      Es wird halt immer besser und besser und besser….
      Ich freue mich auf Donnerstag, alles Liebe von Dori

  8. „erst einmal vorweg: an einer Sache dran zu bleiben, am Ball zu bleiben, ein Ziel zu verfolgen, das ist grundsätzlich eine positive Sache.“ D’accord! Viel zu schnell heißt es heute „Weg damit!“ 😉

    Aber manchmal leben wir halt leichter, wenn wir uns von unseren selbst auferlegten Zwängen befreien und mit tut das richtig gut. Ich bin auch erst spät d’raufgekommen. Wie bereits erwähnt durch die Berührung mit der „Endlichkeit“. Aber besser spät als nie, nicht wahr 😉

    Für deinen eigenen Weg, liebe Dori, wünsche ich dir alles erdenklich Gute und viel Erfolg! Aber ich glaube, dazu brauchst du gar keine guten Wünsche von mir. Steinböcke sind zwar keine Stürmer und es fällt ihnen auch nichts in den Schoß. Eher sind sie „Langstreckenläufer“ und gehen Schritt für Schritt ihren eigenen Weg, bis sie letztendlich ihr Ziel erreicht haben. Aber das muss ich dir ja nicht erzählen.

    Ob unser Verhalten wirklich „nur“ anerzogen ist? Inwieweit spielen die Sterne mit? Vielleicht doch einmal ein „Steinbock-Blog“. Lieben Gruß Christa

  9. Liebe Christa,
    jetzt muss ich lächeln. Der STEINBOCK!
    Der steht oben auf einer einsamen, dürren Anhöhe, einen Grashalm im Maul, der letzte, den es gibt, er schaut runter aufs Tal und:
    er ist zufrieden. Der Steinbock kennt es nicht anders – lächel.
    Und er denkt: ja, das ist es, und so ist es gut.
    Viele liebe Steinbockgrüsse von Dori

  10. Pingback: ver-rueckt » Blog Archiv » So vergeht Jahr um Jahr …

  11. Liebe Dori,

    früher war ich lieb, brav, angepaßt… Wie ein Vögelchen im goldenen Käfig.

    Heute werde ich oft gefragt, wie ich mich soooowas nur trauen kann… Eine Ausbildung zur Schamanischen Heilerin zu machen, mir fröhliche Rastas in die Haare flechten zu lassen, bunte Sommerkleider über Hosen zu tragen und so weiter und so fort.

    Ja – eben, weil ich nicht mehr angepaßt lebe, sondern das tue, was ich in jedem einzelnen Moment für das beste halte, weil ich das tue, was mir gut tut, was ich liebe…

    Manchmal muß ich allerdings schon aufpassen, daß ich an einer Sache dran bleibe, wenns mal kniffelig wird, das ist wohl gerade meine Lernaufgabe, die ich mehr und mehr annehmen kann 😉

    Ich grüß Dich ganz lieb!

    Larissa

    • Liebste Larissa,
      zum Dranbleiben muss ich manchmal gezwungen werden – vom Universum – so wie jetzt.
      Lieb und brav und angepasst, tja, das sind wohl viele Frauen, egal welchen Alters. Wenn wir unseren Weg gefunden haben,
      können wir dies loslassen, und wenn „unsere“ Menschen das dann noch begrüßen und unterstützen, dann ist das Glück pur.
      Von Herzen, Dori

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