Du musst loslassen….

Du musst loslassen. Loslassen ist das Allheilmittel, sagen die Experten. Die Experten dafür, wie man „richtig lebt“.

Wie oft schon habe ich losgelassen. Immer wieder. Freiwillig. Unfreiwillig.

Mit 5 zum ersten Mal. Das war sehr schmerzhaft. Da musste ich meine Mutter loslassen. Von da an war nichts mehr so, wie es einmal war. Ich habe gebetet: lieber Gott (als Kind habe ich immer zu Gott gebetet. Ich dachte, er sei ein alter Mann mit langem weißem Bart auf einem Thron im Himmel) bitte gib mir die Liebe meiner Eltern zurück. Aber er hat sie mir nicht zurückgegeben.

Mit 11 musste ich wieder loslassen. Ich verlor meine Großmutter, sie wurde 75 und hat nicht nur mir, sondern auch meiner Cousine und meinem Cousin so viel Liebe geschenkt, die reicht bis ins heutige Leben. Du musst loslassen, sagte mein Vater – ihr Sohn – damals zu mir. Und brach selbst am Grabe seiner Mutter zusammen. Diesen Anblick trage ich noch heute in mir. Ich habe wieder gebetet: lieber Gott, bitte gib mir meine Oma zurück, sie ist die einzige, die mich so liebt, wie ich wirklich bin. Aber er gab sie mir nicht zurück, ihre Lebenszeit war abgelaufen. Und ich musste loslassen.

Im Laufe der Jahre bin ich zum „Weltmeister in Sachen LOSLASSEN“ geworden. Ich habe mich daran gewöhnt, dass viele Menschen meinen Weg kreuzen, ein Stück mit mir gemeinsam gehen und dann wieder „wie von Geisterhand“ verschwinden, von jetzt auf gleich, so kommt es mir oft vor. Aus heiterem Himmel, wie ich oft denke. Aber das ist ja nur meine Wahrnehmung.

Ich habe Lebenspartner, meine Kinder, Freunde, Arbeitsstellen, meine Gesundheit, Sicherheit und Geld loslassen müssen. Ich bin immer wieder hindurchgegangen, durch die Trauer und durch die Traurigkeit. Ich sagte zu mir selbst: Du schaffst das, Du musst da jetzt irgendwie durch. Ich machte weiter, und tue es ja immer noch, oft mit zusammengebissenen Zähnen.

Als aber meine Hündin Mila am 6. Oktober verschwand, da habe ich zum ersten Mal „aufgemuckt“. Da habe ich am vierten Tag „zu denen da oben“ gesagt: jetzt ist Schluß! Ich verlange augenblicklich – im Hier und im Jetzt – und auf der Stelle – meinen Hund zurück. Ich bestehe darauf und ich befehle es! Und ich akzeptiere nur noch positive Lernerfahrungen voller Liebe, Freude und Wärme in meinem Leben.

Das ist alles, was ich noch akzeptiere!

 

19 Gedanken zu „Du musst loslassen….

  1. Bravo Dori, Du sprichst mir mal wieder aus tiefster Seele. Auch mir geht es im Augenblick so. Ich will nicht länger die sein, die immer wieder mit leeren Händen und wundem Herzen dasteht. Es reicht. Gestern hab ich noch zu mir gesagt, ich bin es leid den perfekten Märtyrer zu geben. Aus diesem Grund hab ich heute auch einen Spruch von Albert Schweitzer gepostet, der die jetztige Gefühlsenergie sehr gut rüberbringt.
    Scheint in der Luft zu liegen.
    Besonders liebe Grüsse
    Anita

    • Liebe Anita, wie heißt es so schön: enough is enough oder genug ist genug. Ich will nicht immer die andere Wange auch noch hinhalten, wenn mir das Schicksal mal wieder eine knallt! Auch wenn jetzt ein Aufschrei durch die Esoterik-Szene geht, das ist mir wurscht! So! Ich geh jetzt mal bei Dir schauen, heute morgen habe ich den Spruch noch nicht gesehen.
      Liebste Grüße von Dori

  2. Liebste Dori, da hab ich Gänsehaut bekommen beim Lesen… Und am Ende hab ich laut gesagt: „Bravo!“ Genau, jetzt reichts! und schwupps ist die Mila wieder da… einfach nur schön… Allerliebste Herzensgrüsse zu Dir, Andrea

    • Genau liebste Andrea, jetzt ist mal gut! Ich will nicht mehr durch Leiden lernen. Ich wünsche mir, dass die Mila noch ganz lange bei mir bleibt. Und alle(s) andere(n), das (die) ich liebe. Und wie Anita es so schön sagt: ich habe die Nase voll davon, am Ende immer als Einzige und alleine übrig zu bleiben. Basta!
      Ich wünsche Dir schöne Urlaubstage und hoffe, Du hast besseres Wetter als wir hier 😉
      Liebste Grüße von Dori

  3. Liebe Dori,

    du sprichst bzw. schreibst mir aus der Seele. Auch ich habe genug davon loslassen zu müssen. Ich war nie ein Meister darin, es ist mir immer schwer gefallen, aber danach fragt ja keiner, wenn man wieder etwas loslassen muss. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich genau so „gebockt“ wie du. Ich glaube, es hatte mit Pepper zu tun. Ich habe gesagt, nein geschrieen, es reiche jetzt. Ich mag nicht mehr gequält werden. Genug ist genug. Ich will nicht mehr. Nun sind schöne Zeiten an der Reihe! Das habe ich jetzt verdient! Punkt. 🙂
    Ist doch wahr, irgendwann reicht es einfach.

    Liebe Grüße,
    Martina

    • Genau liebe Martina, war das als Herr Pepper die OP hatte? Da ging es ihm nicht so gut? Ich erinnere mich daran.
      Ja, angeblich hat sich meine Seele ja genau dieses Leben ausgesucht, um hier ihre Lernerfahrungen zu machen. Ich möchte aber viel lieber in Liebe Harmonie und Fülle leben. Ob das wirklich nur mein Ego ist, was da spricht? Glaube ich nicht.
      Ich wünsche Dir einen schönen Tag mit ganz viel Freude,
      alles Liebe von Dori

      • Ja, ich glaube, der Ausbruch war nach der OP. Mir ging es ja schon Wochen davor nicht gut, weil Pepper dauernd was hatte und ich große Angst um ihn hatte, da stand ja auch das Wort Blutvergiftung im Raum und es wurde und wurde nicht besser mit dem Bein. Und nach der OP, ich glaube eine Woche danach, da gab es einen Tag, an dem ich dachte, das wird nie mehr gut und da konnte ich nicht mehr, es war zu viel, den Kleine so zu sehen. Es reichte einfach. Es erinnerte mich alles auch an meine Eltern, die ja beide länger krank waren, bevor sie gestorben sind, da ging es mir oft so. Ich dachte nur, nicht auch noch meinen Pepper. Nun ist genug.

        Danke dir, das wünsche ich dir auch. ♥
        Martina

  4. Ein wunderschönes Lied liebe Dori. Wir Blogger haben wohl all die gleichen Themen. Loslassen war auch schon mehrmals Thema auf meinem Blog – gerade weil es mir manchmal einfach nicht gelingen will und das, obwohl das ziemlich untypisch für mich ist. Als ich mir dann das Video meines Blogkollegen ansah, wurde mir so manches klar. Loslassen ohne vorher angenommen zu haben, geht nicht. Was wie eine Parodie auf das Gerede vom LOSLASSEN beginnt endet in einer Lebensweisheit. Dir und deinen Lesern wünsche ich ein paar nachdenkliche Minuten mit meinem Sandhofer Blogkollegen. Hier der Link zu Youtube:

    http://www.youtube.com/watch?v=zjpVT0Fh06w&feature=player_embedded

    Herzliche Grüße
    Christa

    • Danke liebe Christa, für Deinen Kommentar – und für den Link. Man kann nur loslassen, was man zuvor angenommen hat. Das ist richtig. Dazu muss ich aber erst einmal bereit sein. Das dauert von „Fall zu Fall“ verschieden lange. Nur als Allheilmittel mag ich das Loslassen nicht betrachten. Und manchmal verstehe ich auch nicht, was an einer Situation gut sein soll – auch nicht im Nachhinein. Ich war ganz einfach nicht bereit, meine Hündin nach nur drei Monaten des Zusammenlebens loszulassen. Schließlich hatte ich ihr ein Versprechen gemacht, und das denke ich zu halten 🙂
      Liebe Grüße von Dori

  5. Liebe Dori,

    na, Du bist aber auch Weltmeisterin im Weitermachen. Die Sonne ist numal verdammt dazu alleine zu scheinen und Ihre ‚Planeten‘ zu haben. Darum klappt das bei Dir immer wieder….

    Liebe Grüße Rainer

  6. Das ist stark, liebste Dori!!!!
    Gut so, auch dass deine Süße wieder da ist! Gut gemacht, sehr gut sogar! *lächel*
    Ich freue mich sehr für dich… für euch!

    Allerliebste Herzensgrüße,
    Elisabeth

    • Danke liebste Elisabeth – das waren wirklich sehr schmerzhafte Tage für mich – ob dem Hund das genau so ergangen ist, bezweifle ich gerade – lächel. Sie ist doch sehr freiheitsliebend und sehr eigenständig 😀
      Liebste Grüße von Dori

  7. Es ist schon erstaunlich, was für einen positiven Einfluss Tiere auf uns haben. Dass, was du gerade mit deiner Hündin erlebst, passierte mir mit einer Schafherde, zwei Hütehunden und viel freier Fläche in der Natur. Eigentlich war es die pure Einsamkeit, aber ich war eben nicht alleine, habe eine tiefe Zuneigung erfahren. Das gibt mir heute noch Kraft, wenn ich mal wieder loslassen muss. Da bin ich nämlich auch Weltmeister.
    Herzliche Grüße von der Gudrun

    • Liebe Gudrun,
      wir Loslassweltmeister wir! Ja, einen Hund zu haben habe ich mir immer schon gewünscht. Aber dass es sooo schön ist, das habe ich mir dann doch nicht vorstellen können. Meine Hündin ist ein ganz liebes sanftes Wesen, was mir unglaublich viel Kraft und Zuneigung schenkt. Ich konnte sie (noch) nicht loslassen!
      Liebste Grüsse von Dori

  8. Liebe Dori,
    deine Worte haben mich sehr berührt. Ja – manchesmal ist es genug. Dann tut ein rebellisches Aufmucken erstaunliche Wirkung. Mir geht es im Moment mit dem „Jetzt ist aber mal genug“ im Umgang mit Nachbarschaft und Freundschaft so. Das sich ewige anpassen und unterordnen, das geht mir so was von auf den Wecker. Da braucht es auch mal ein „So-Nicht-länger“ und klare Ansagen. Und dabei passiert erstaunliches. Loslassen mag ich im Moment nur Gewicht. Und ich bin mir sicher – dieses loslassen ist mir auf einer ganz anderen Ebene ein Zugewinn.
    Ich freue mich für Dich sehr, dass Mila wieder zu Dir gefunden hat.
    Liebe Grüsse von Mia

    • Liebe Mia,
      das Loslassen des Gewichtes bringt so manches Andere mit sich. Zum einen gibt es da eine neue Art von SelbstBEWUSSTSEIN, Du nimmst Dich selbst ganz anders wahr. Zum anderen ist es auch viele Jahre mein Schutzpanzer gewesen. Und auch jetzt fange ich sofort an zu essen, wenn es mir nicht gut geht. Dann weiß ich, da gibt es jetzt eine Sache, der muss ich auf den Grund gehen, irgend etwas stimmt gerade nicht. Meine Schwägerin sagte vor ein paar Tagen zu mir: wenn mir jemand nicht gut tut, beende ich sofort die Beziehung. Das habe ich nie gemacht, ich wollte einfach nicht alleine sein. Inzwischen bin ich aber lieber alleine als mit Menschen zusammen, für die das Wort „Freundschaft“ eine ganz andere Bedeutung hat als für mich. Und ob Du es glaubst oder nicht: diese kleine Hündin gibt mir unendlich viel Liebe und Dankbarkeit, und für mich grenzt es immer noch an ein Wunder, dass sie wieder da ist.
      Liebe Grüße von Dori

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