Ein Mensch 2. Klasse…

…bist Du, wenn Du krank in einem deutschen Krankenhaus in der ganz „normalen“ 3. Klasse liegst. Eine Steigerung ist: wenn Du krank UND alt bist und musst im Krankenhaus sein!

Ich habe so oft schon diesen Unterschied bemerkt, in den letzten Jahren war ich mehrfach im Krankenhaus, und ich finde es ganz einfach schrecklich. Sicherlich bezahlt ein Mensch in der 1. oder 2. Klasse mehr an das Krankenhaus als ein Mensch, der „nur“ eine gesetzliche Krankenversicherung hat. Aber die Krankenschwestern, Ärzte und das Pflegepersonal bekommen ein Fixgehalt, und dennoch werden die Menschen von ihnen in Klassen eingestuft und unterschiedlich freundlich oder auch unfreundlich behandelt.

Ich sehe es jetzt wieder am Beispiel meiner Mutter ganz deutlich. Die alte Dame, die sich in der Geriatrie im Krankenhaus Grevenbroich das Zimmer mit ihr teilt, ist Privatpatientin. Sie wird umsorgt, hofiert, sie bekommt das Essen gereicht, das Fleisch klein geschnitten, kurz, sie bekommt eine andere Behandlung als meine Mutter, die ein „3. Klasse Patient“ ist. Sie bekommt sogar ein anderes Essen. Meine Mutter bekommt das Essen hingestellt, und wenn sie innerhalb einer halben Stunde nichts gegessen hat, dann wird das wieder abgeräumt. Dann hat sie halt Pech gehabt. Meine Mutter kann aber alleine kaum noch essen, und den Unterschied zwischen einer Gabel, einem Löffel und einem Messer kennt sie auch nicht mehr. Das hat sie vergessen, wie so vieles andere, eigentlich wie das meiste.

Ich versuche, so oft wie möglich mittags zu meiner Mutter zu fahren, um zu schauen, dass sie Essen zu sich nimmt und ihr zu helfen. Aber immer ist mir das auch nicht möglich. Genauso ist es mit dem Trinken. Sie soll so viel wie möglich trinken, aber sie kann weder die Wasserflasche aufdrehen noch sich Wasser ins Glas einschenken, also befindet sie sich in einem desolaten Zustand. Die „Nachbarin“ bekommt aber halbstündlich ihr Wasser oder ihren Tee gereicht. Das sind nur kleine Beispiele. Wenn Du eine gute ärztliche und pflegerische Versorgung haben willst, dann musst Du dafür extra zahlen. So ist das hier in unserem Wohlstandsland.

„Meine Leute“ meinen, ich soll das nicht zu nah an mich herankommen lassen, aber mich machen solche Diskrimminierungen aggressiv und wütend. Auch wenn es oft sinnvoll ist, nicht immer Widerstand zu leisten, so haben mich solche Unterschiede schon als Jugendliche auf die Barrikaden gehen lassen.

In der nächsten Woche wird meine Mutter in eine neurologische Reha-Klinik weiter weg verlegt, und dann kehrt hoffentlich wieder ein bisschen Ruhe in mein Leben ein. Die letzten Wochen kam ich mir vor wie „auf der Überholspur“.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, der 1. Advent naht 🙂

25 Gedanken zu „Ein Mensch 2. Klasse…

  1. Liebe Dori,
    mal abgesehen davon, wie schrecklich solch eine Ungleichbehandlung generell in diesem Bereich ist, wie soll man sich über so etwas nicht aufregen, wenn ein Mensch, den man liebt davon betroffen ist? Außerdem könnte es uns selbst ebenso ergehen. Kein guter Gedanke. Im Krankenhaus sollte man gesund werden und nicht noch kränker.

    Seit der Odyssee mit meinem Vater, der nach seinem schweren Schlaganfall bis zu seinem Tod sehr häufig aus den verschiedensten Gründen in die verschiedensten Krankenhäuser musste, habe ich einen absoluten Horror vor Krankenhäusern.

    Die Krönung war, als mein Vater auf eine falsche Station kam und unnötig auf etwas völlig anderes behandelt wurde, als das, weshalb er eigentlich ins Krankenhaus kam. Das Schreiben, das das Pflegeheim fürs KH mitgegeben hatte, hat vorsorglich KEINER im KH gelesen, mein Vater konnte sich nicht mehr verständlich artikulieren und ich konnte erst drei Tage später hinfahren. (Ich wohne halt 100 km weit weg, bin aber davon ausgegangen, dass doch wenigstens das Grundsätzliche, weshalb er ins KH musste, richtig läuft.)

    Da mein Vater eine Magensonde hatte, weil er nach dem Schlaganfall anfangs nicht mal mehr schlucken konnte, bekam er auch nichts zu essen, sondern wurde durch die Sonde ernährt. (Immerhin wurde er ernährt 🙂 ) Hätten sie das Schreiben gelesen, hätten sie gewusst, dass mein Vater inzwischen ganz normal essen konnte und auch wollte. Er verstand natürlich nicht warum er nichts bekam und er konnte sich nicht verständlich machen.
    Ich habe ihn zu dem Zeitpunkt noch verstehen können. Mit viel Geduld und Zeit fand ich meistens heraus, was er wollte. Aber die hätten ja nur das Schreiben lesen müssen.
    Bei einem Patienten 1. Klasse hätte man sich sicher die Zeit genommen, sich über den Zustand des Patienten zu informieren, bevor man da herumdoktert.

    Außerdem haben wir vom Pflegeheim erfahren, wie vernachlässigt, was die Pflege betrifft, mein Vater jedes Mal aus den Krankenhäusern kam. Wundgelegen und nicht sauber. Dann brachte er auch noch diese MRSA Bakterien aus Krankenhäusern mit und all so ein Zeugs. Sogar Krätze hatte mein Vater schon, auch aus irgendeinem Krankenhaus mitgebracht. Da musste man erst mal drauf kommen, warum er sich alles kaputtkratzt. 😯
    Es ist echt unglaublich. Da geht es einem Menschen sowieso nicht gut und dann muss er auch noch zusätzlich leiden.

    Wenn diese Ungleichbehandlung sich wenigstens auf irgendwelche Luxusdinge beziehen würde, aber hier geht es ja, aus meiner Sicht jedenfalls, um grundlegende Versorgung, die jeder bekommen sollte in solch einem „Wohlstandsland“.

    Ach, liebe Dori, ich könnte mich mit dir aufregen.

    Alles Liebe,
    Martina

    • Liebste Martina,
      das hört sich sehr nach der „Odyssee“ an, die wir mit meinem Vater vor einigen Jahren hatten. Meine Eltern haben es nie für nötig gehalten, eine private Zusatzversicherung abzuschließen. Nicht, dass sie das Geld nicht gehabt hätten – sie fanden es einfach nicht NÖTIG! Mein Vater war topfit bis zu dem Tag, wo er im Alter von 76 Jahren einen Schlaganfall hatte, und meine Mutter ebenso bis vor wenigen Wochen. Noch heute sind ihre Werte absolut grandios, und jeder 50-jährige Mensch wäre froh, wenn er solch einen gesunden Körper hätte. Mit 80 Jahren hat sie auch noch alle ihre eigenen Zähne, unglaublich.
      Die Schwestern sagen, sie soll mehr trinken. Heute kam ich hin, der Tisch war zusammen geklappt, kein Trinkbecher, keine Wasserflasche weit und breit. Und dann wundern sie sich noch, dass sie so neben „der Spur“ ist, ohne Worte.
      Ich bin froh, wenn sie endlich wieder zu Hause ist. Wir sind im Kontakt mit verschiedenen Organisationen, meine Mutter bekommt eine Osteuropäerin als Rundumpflegekraft, die Tag und Nacht und für längere Zeit bei ihr ist.
      Auch so ein Thema. Warum sind diese Frauen so hilfsbereit, menschlich, voller Liebe und Nächstenliebe und wir HIER nicht?
      Ich habe bereits einige Erfahrungen, im Bekanntenkreis und auch hier im Haus, wo eine alte 87-jährige Dame von einer Polin gepflegt wird, einer Frau in meinem Alter, mit der ich mich immer gerne in der Waschküche „austausche“ 🙂 .
      Also ich lerne sehr sehr viel, über Nächstenliebe, Hilfe, Mitgefühl, von diesen Frauen. Ich hätte nie gedacht, dass mir da etwas fehlt. Ich habe viel nachgedacht. Liebe und Mitgefühl fehlen mir nicht, aber das Selbstverständnis, mit einem alten und kranken Menschen umzugehen, das hat mir bisher gefehlt.
      Hab ein schönes Wochenende, und Grüße an Herrn Pepper 🙂
      von Dori

  2. Liebste Dori,
    danke für Deinen Beitrag, der mich auch berührt. So viele Erinnerungen kommen hoch von meiner eigenen Mutter. Sie war ja dement und die letzten zwei Jahre im Altenheim. Aber wir sind immer zu den Essenszeiten hingegangen , um sie zu füttern , ich habe sie anfangs auch fürs Bett fertig gemacht. Die haben sich immer bedankt. Ich musste es nicht, aber ich wollte es. Auch beim Essen habe ich den anderen geholfen ….. Manche Demente hatten nie Besuch und die Pflegekräfte waren auf dieser Station eigentlich alles sehr nett zu den Alten Menschen. Aber sie haben nicht die Zeit, die sie sich wünschten…. Gerade die ungelernten, die billigsten Kräfte waren besonders lieb , auch zu meiner Mutter. Unser Glück war es wirklich, dass wir uns täglich unter den Geschwistern abwechseln konnten. Im Krankenhaus war es auch nicht so dolle. Da bin ich dann auch zur Essenszeit extra hingefahren. Sie ist sogar dort auch einmal aus dem Bett gefallen. Aber irgendwann kommt auch ein Zeitpunkt, wo man nicht denÄrger im Vordergrund sieht. Ich habe in der Zeit eine Herzensverbindung aufgebaut, Sorgen einfach abgegeben und losgelassen. Ich hatte zum Glück die Zeit , für meine Mutter zu besuchen. Ich hätte sie aber nicht alleine zu Hause pflegen können . Eine Lungenembolie hatte sie zum Pflegefall gemacht. Wir wollten sie auch nicht mehr ins KH tun, sie durfte s o in Frieden in ihrem Zimmer im Altenheim sterben….. Das war ein schöneres Umfeld als im Krankenhaus. Wir waren uns einig, dass wir sie nicht mit einer Sonde ernähren würden. … Es war keine leichte Zeit,aber diese Woche, am zweiten Todestag war ich froh für diese Zwei Jahre. Es war eine andere Welt und die Dementen waren mir irgendwie wie eine Familie ans Herz gewachsen.
    Ich habe mich auch darüber gefreut, dass viele meine Mama so gut leiden mochten im Geriatrium . Ich bin mit dem Rollstuhl mit ihr spazierengefahren in den Gärten im Naturschutzgebiet um das Haus. Natürlich war dort auch nicht alles bestens, aber zum Schluß habe ich immer nur das Wohl meiner Mutter gesehen und die Erlösung nach dem Sauerstoffgerät die letzten Tage.
    Puh, das kam jetzt auch so raus.
    Ich wünsche Deiner Mutter, dass sie liebe Menschen um sich hat, die sie so pflegen und in Würde mit ihr umgehen. Und Dir die KRaft, auch einiges abgeben zu können. Wir können die Probleme nicht alle lösen, wenn der Abschnitt des Alters eintritt, aber es gibt einen Weg , den man gar nicht kannte vorher. So finde ich es schön, was Du über die polnischen Pflegekräfte schreibst. Sie gehen anders mit den Menschen um als in den Krankenhäusern.
    Alles Gute auch für Dich und für Deine Mutter
    es ist kein leichter Weg
    aber es ist ein Weg
    der letzte, den man noch zusammen hat
    liebe Grüße
    Erika

    • Liebste Erika,
      lieben herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, den Du aus dem Herzen geschrieben hast!
      Ich kann das gar nicht in Worte fassen, was im Augenblick mit mir passiert. Es ist unbeschreiblich schwierig zu akzeptieren, dass meine Mutter von jetzt auf gleich nicht mehr meine Mutter ist, sondern ein anderer Mensch. Die Demenz-Erkrankung – von der ich schon so viel von anderen gehört habe – ist eine Krankheit, die man nicht in Worte fassen kann, wie ich finde. Und jeder Tag ist anders. Vor zwei Tagen war sie richtig bös und hat nur mit Schimpfworten um sich gehauen, den nächsten Tag hat sie nur geschlafen und war gar nicht ansprechbar, und dann wieder ist sie hellwach und guckt meinen Bruder und mich gestern an und sagt: ich möchte nicht, dass ihr über meinen Kopf hinweg Entscheidungen trefft! Unglaublich.
      Aber es ist noch etwas ganz Anderes geschehen. Die unglaublich schwierige Mutter-Tochter-Beziehung exisitiert auf einmal gar nicht mehr, die ist verschwunden. All die unerfüllten Erwartungen, die Sehnsucht nach der Mutterliebe in jungen Jahren, all der Frust über die Kindheit und Jugendzeit, sind weg! Es bleibt nichts Negatives zurück, das war auch schon bei meinem Vater so. Ist das nicht verwunderlich? Ich kann jetzt erst verstehen was Du damit meinst, wenn Du sagst, Du konntest die letzten zwei Jahre Frieden schließen mit allem. Das passiert gerade mit mir.
      Von Herzen, Dori

      • Danke, liebste Dori, für Deine lieben Worte.
        Ich wünsche Dir diesen Frieden. Der kann nur in einem selbst stattfinden…. Schön, dass Du es auch so spüren kannst.
        Sehr bewegend , dieser Beitrag und die vielen Kommentare. Mir gehen die Bilder von dem Geriatrium nicht aus dem Kopf, Ich will bald mal wieder hin einige besuchen. Viele leben schon nicht mehr…. Und einige Nichtdement haben sich immer sooo sehr gefreut, wenn ich bei ihnen vorbeigeschaut und mit ihnen erzählt habe…. Das waren so bewegende Momente, die haben mir das alles auch erleichtert. Auch nette Angehörige, mit denen ich ins Gespräch kam , auch mit dem Pflegepersonal manchmal. Alles hat auch seine guten Seiten in tieferem Sinn… Es spielt sich auf einmal auf einer ganz anderen Ebene ab alles.
        liebe Grüße und
        alles Gute für Euch alle
        herzliche Grüße
        Erika

        • Liebste Erika,
          ja – es spielt sich alles auf einer ganz tiefen Ebene ab – und es ist für jemand Außenstehenden – glaube ich – auch schwer nachvollziehbar.
          Morgen kommt meine Mutter in die Reha, und wie es ausschaut haben wir auch schon eine polnische Pflegerin „an der Hand“, wenn sie dann nach Hause kommt. Irgendwie ist es auch schön, dass die Familie wieder beisammen ist.
          Allerliebste Herzensgrüße von Dori

  3. Das tut mir so Leid für deine Mutter, liebe Dori.
    Aber unser Gesundheitswesen bringt nicht nur dich auf die Palme. Meine Mutter war für 10 Tage in einer Rheuma-Klinik, wie Patienten da „behandelt“ werden, ist ein Kapitel für sich, über das ich demnächst schreiben werde, sobald es meine Zeit erlaubt.

    Alles Liebe für deine Mutti und für dich bald ein wenig Entlastung.

    Liebe Grüße zum Wochenende,
    Anna-Lena 🙂

    • Liebe Anna-Lena,
      man darf nicht glauben, die alten und kranken Menschen merken nichts mehr, sie merken sehr wohl alles, und wenn sie es nicht verstehen, dann bekommen sie auf jeden Fall die Schwingungen mit. Und das tut mir Lied für meine Mutter, aber auch für die anderen Patienten dort.
      Dass ich gerade jetzt arbeitslos bin, ist so glaube ich auch vom Schicksal so gewollt.
      Ich bin gespannt auf Deinen Bericht und werde wahrscheinlich viele Punkte finden, die identisch sind mit meinen Erfahrungen.
      Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir,
      Dori 🙂

  4. liebste dori
    auch wenn ich selber diese erfahrung mit einem geliebten menschen noch nie machen mußte, ich hab es aus einer anderen-dir ähnlichen-sicht gesehen. ob privatpatient oder nicht, wichtig ist doch, wo welche bedürfnisse des menschen liegen. das mit deiner mutter macht mich doch schon sehr traurig. gerade damm braucht sie viel unterstützung.
    ich hab es mal am eigenen leib erlebt, als ich vor ca 6 jahren eine psychotherapie machen wollte, auf kassa. meine therapeutin sagte mir gleich beim reinkommen, dass ich, sobald ich arbeiten gehe, schon etwas zahlen sollte, denn andere bräuchten noch dringender als ich einen platz. die therapie war dann auch sehr unregelmäßig und es war eher ein lehrer-schüler-gespräch. als ich nach mehr regelmäßigkeit fragte da hieß es wieder, dass andere größere probleme, als ich habe.
    ob es das wert ist?kein geld für etwas bezahlen zu müßen, dass jedem zustehen sollte und dafür dann nicht mal gute betreuung zu bekommen?

    alles gute für deine mama, liebste dori!!
    und für dich!!!
    von herzen
    babsi

    • Liebste Babsi,
      ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir leben in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, ich finde heute mehr denn je!
      Und ob andere dringender einen Therapieplatz brauchen oder nicht, wer will das letztendlich objektiv entscheiden können?
      Beim Facharzt muss ich 3 Monate auf einen Termin warten, wenn ich Privatpatient bin, kann ich morgen kommen. Die Ärzte und vor allem die Krankenkassen streiten das jedoch rigoros ab!
      In jedem Fall ist gesund sein besser als krank sein, da sind wir uns ja wohl alle einig. Aber gerade in der Situation, wo ein Mensch pflege- und hilfsbedürftig ist, sollten keine Diskrimminierungen bestehen, das ist meine Meinung.
      Danke für Deine lieben Worte. Heute war ein guter Tag für meine Mutter, das tut gut und bringt ein wenig Entspannung.
      Allerliebste Sonnengrüße von Dori

  5. Liebe Dori,
    Dein heutiger Artikel und auch die Kommentare passen so gut zu dem, was ich derzeit erlebe. Und was das schönste an all den Mißständen ist, das man als Familie wieder zusammenwächst. Auch ich weiss gar nicht mehr, wieso ich mal so böse und wütend war, es ist weg. Trotzdem muss sich dringend etwas ändern in unserem Gesundheitswesen. Würdevoll alt zu sein und auch als kranker, alter Mensch gut versorgt zu sein, kann nicht allein Sache der Angehörigen sein. Dieses Unterschiede der Privat- und Gesetzl. Versicherten macht mich auch echt wütend.
    Ich wünsche Dir weiterhin Kraft und schicke Dir einen Herzensgruss

    Anita

    • Liebe Anita,
      ja – die ganze Wut ist weg 🙂 Vielleicht in Anbetracht der Tatsache, dass der gemeinsame Weg nun nicht mehr endlos ist, sondern begrenzt. Das merkt man an ganz vielen Kleinigkeiten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie friedlich ich mit ihm war, als mein Vater so krank war. Einfach nur noch Liebe spüren, und den Elternteil in Würde ein Stück weit begleiten und dann in Frieden gehen lassen. Ich habe mir diesen Frieden mein Leben lang gewünscht.
      Herzensgrüße von Dori

  6. Liebe Dori,
    es tut mir so leid für deine Mutter und ich wünsche euch allen beiden alles Gute.
    Das was da passiert muss einen aufregen, weil sich sonst nichts ändert. Die Mehrklassenmedizin erlebe ich immer wieder am eigenen Leibe. Manchmal bin ich einfach nur müde. Es ist gut, dass du darüber geschrieben hast, denn manchmal denkt man, man sieht alles zu grau.

    Liebe Güße an dich, und viel Kraft

    • Liebe Gudrun,
      manchmal muss man einfach mal wieder wütend sein. Aber ich verstehe auch, wenn jemand zu müde ist, um sich gegen Ungerechtigkeiten noch aufzuregen und vor allem zu wehren. Meine Mutter hat das Gefühl, sie darf sich nicht wehren, sonst verscherzt sie es mit den Schwestern, und die lassen es dann an ihr aus. Welch schrecklicher Gedanke. Das hat niemand verdient, sich so abhängig zu fühlen, und schon gar nicht, wenn er alt ist und bedürftig.
      Liebe Sonnengrüße für Dich von Dori

  7. Liebe Dori, ich lese schon sehr lange bei Dir und es berührt mich sehr, was Du schreibst. Ich kann das bis zu einem gewissen Grad verstehen, dass solche Erlebnisse vielleicht so rüberkommen und diese Gedanken freisetzen.
    Gleichwohl möchte – und muss – ich Dir und den meisten KommentatorInnen widersprechen, bzw. eine andere Perspektive aufzeigen: Denn wir haben im weltweiten Vergleich ein absolut hohes, fast unschlagbares (gleichwohl nicht perfektes) Niveau in unserem Gesundheitswesen zu einem ebenso unschlagbaren Preis…
    Meine Großmutter haben wir bis zu ihrem Tode zu Hause gepflegt, sie hatte Pflegestufe 2; wir hatten in sofern Hilfe und „natürlich“, wenn wir als Familie nicht da gewesen wären, wäre die Fürsorge eine andere und nicht so umfassend geduldig gewesen. Aber dafür ist Familie auch da!
    Was ist ausreichend, was geht darüber hinaus, wer kann es wirklich beurteilen?
    Ich bin seit langem für Krankenhausverbände beruflich tätig und ich muss und kann sagen: Ich bin stolz darauf, was sich in den letzten Jahr/zehten in den Klinken getan hat: Im Akutbereich wie im Rehabereich, in Kinderklinien wie in der Geriatrie!!! Keiner muss Sorge um seine Behandlung und Versogrung haben…
    Meine Mutter lag vier Wochen vor ihrem Tod auf der Intensivstation: Ich konnte kommen und gehen wie ich wollte (nur wenn sie gewaschen oder Kathether gewechselt wurde/n, baten sie mich, hinaus zu gehen).
    Ich weiß nicht, ob der Rat, es nicht zu nah an Dich herankommen zu lassen richtig ist. Ich kenne Dich als eine starke, soziale und empathische Persönlichkeit – aber auch hier gilt: Es gibt zwei Seiten der Medaille. Wir haben ein solidarisches Sozial/Gesundheitswesen… wir zahlen alle für eine sehr hohe (!!!) Grundversorgung, aber das heißt keineswegs, dass das absolut perfekt und für alle Situationen rundumsorglos ist. Es bleibt jedoch gleichwohl weiterhin familäres Engagement wichtig und nötig.
    Ich hoffe sehr, dass Du durch die neue Klinik wieder eine positive Einstellung zu unserem – weltweit hoch angesehenem – Gesundheitssystem finden wirst. Liebe Grüße und herzliche gesundheitliche Genesungs/Besserungswünsche für Deine Mutter!

    • Liebe Gesa,
      danke für Deinen ausführlichen Kommentar 😉
      Ich wollte gar nichts gegen das Gesundheitssystem sagen. Ich weiß, dass wir hier in Deutschland absolut rundum und gut versorgt sind. Ich bin in den letzten Jahren mehrfach operiert worden und ich glaube, ich weiß wirklich, wovon ich rede. Ich habe seit ich 23 bin – damals wurde meine Tochter geboren – eine private Zusatzversicherung. Sofort nach der Geburt habe ich diese abgeschlossen, weil ich auf so etwas „keinen Bock“ hatte, wie man hier im Rheinland sagt. Wenn ich ins Krankenhaus gehe, dann wird mir der „rote Teppich“ ausgerollt, das ist so, wirklich. Und ich rede auch nicht von nur einem Krankenhaus, es waren verschiedene. Das tut mir natürlich gut, wenn ich „frisch“ operiert bin, betüddelt zu werden und umsorgt zu werden. Alleine der Tonfall ist schon ein ganz anderer. Das ist so, und da gibt es auch nichts schlecht zu machen, als Privatpatient hast Du es einfach besser. Auch in den Arztpraxen.
      Das stört mich, das finde ich nicht gut. Ich finde, jeder Mensch sollte gleich behandelt werden, aber das ist weder im Gesundheitssystem noch anderswo so. Die Menschen werden nicht gleich behandelt.
      Hab Dank, dass Du den Blickwinkel auf eine wirklich wichtige Sache gelenkt hast: unser Sozial- und Gesundheitswesen. Da sind wir hier in Deutschland absolut privilegiert, ich ich kann nur sagen, meine Krankenkasse ist super und hat mir schon viele Leistungen gezahlt, die andere nicht übernehmen.
      Ich wünsche Dir einen guten Wochenstart,
      alles Liebe von Dori 🙂

      • Sorry, wenn ich vielleicht zu ausführlich war :red: – aber manche Themen brauchen einfach ein paar mehr Worte 😉
        P.S. Ich selbst bin nicht privat versichert – habe aber ebenfalls eine Krankenhauszusatzversicherung (die ich Gott sei Dank aber noch nie gebraucht habe – nicht weil ich den Kliniken und Ärzten nicht traue, aber sehr froh bin, gesund zu sein!)
        Liebe Grüße und einen schönen Dienstag!

        • Ich fand das war ein sehr guter Blickwinkel, liebe Gesa 🙂 Ich habe meine Zusatzversicherung leider jetzt öfter brauchen müssen, und ich war immer froh, dass ich sie dann hatte!
          Liebe Grüße von Dori

  8. Liebste Dori,

    ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich so etwas lese oder höre…

    Als Schülerin habe ich über den Sommer zwei Mal freiwillig im benachbarten Pflegeheim der Stadt Wien ausgeholfen, da bin ich auch selbst immer gelaufen, wenn eine Glocke geläutet wurde. Die Schwestern saßen in ihrem Raucherzimmer und haben den Glockenton absichtlich „überhört“. Nun, jetzt, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, denk ich, vielleicht waren sie einfach überfordert…

    Aber ein anderer Blickwinkel täte ihnen gut, nämlich wie viel es in der Arbeit mit älteren Menschen zu lernen gibt. Das würde einiges verändern und auch vor Burn-out bewahren ~ darüber habe ich einmal ein Buch zweier Hospizschwestern gelesen.

    Ich kann mir vorstellen, wie weh das tut, was auch du gerade erlebst. Denn wenn zwei „Klassen“ in einem Zimmer liegen, wird der Unterschied, der gemacht wird, ganz besonders schmerzhaft deutlich… So habe ich es zwar noch nie erlebt, kann es aber nachvollziehen…

    Auch durch meine Arbeit bei den Clowndoctors kenne ich leider nur Pflegeheime, wo bloß das Nötigste gemacht wird und Menschlichkeit verschwindend gering ist…

    Ich hoffe, dass sich für euch alles zum Besseren verändert, wenn deine Mutter in der Reha-Klinik ist!

    Alles, alles Liebe, Elisabeth

    • Danke liebste Elisabeth,
      ich habe mich heute noch mit einer Cousine 2. Grades unterhalten, die schon seit vielen Jahren Dienst auf dieser Station macht.
      Wir sind halt betroffen, wir Kinder von den alten und pflegebedürftigen Menschen, uns tut das weh und wir sorgen uns um unsere Eltern und haben Angst, sie zu verlieren. Krankenschwestern und Altenpfleger sind ein Dienstpersonal, welches nicht diese enge und emotionale Bindung an die zu pflegenden Personen haben, sie gehen mit diesen ganzen Sachen viel anders um, es ist ihr Beruf, manchmal auch ihre Berufung 🙂
      Übermorgen wird sie in die Reha-Klinik gebracht, und dann schaun wir mal, wie es ihr dann geht. Jetzt habe ich platte Füße, ich bin den ganzen Tag gerannt, ihr Schuhe zu kaufen, ich könnte ein Buch schreiben 😉
      Allerliebste Sonnengrüße von Dori

  9. Liebe Dori,
    was Du mit deiner Mutter beschreibst ist längst gang und gäbe. In der Bevölkerung ist dies noch nicht wirklich angekommen. Es ist doch alles bestens. Die Menschen lassen sich gerne schnell beruhigen, weil sie beruhigt sein wollen. Nur, wer wirklich mit unserem längst maroden Gesundheitswesen zu tun bekommt, begreift langsam.
    Ich habe in den Heimen soviel Hilflosigkeit erlebt. Wie Sanitäter schwerkranke Menschen wieder ins Pflegeheim zurückbrachten, weil im KH kein Platz dafür war. (Es handelte sich um Pflegefälle und die müssen eine Pflegekraft mitliefern) Es geht nur noch ums Geld, nicht mehr um den Menschen. Die wenigen Helfer, die ihre Arbeit noch mit Herz und Gefühl tun – leiden. Es ist sehr belastend was da abgeht. Dies ist übrigens mit ein Grund warum ich meinen Beruf nicht mehr machen möchte. Die Helfer brennen aus mit ihrem Angagement und die Politik schaut mit ihrer Arroganz zu und gibt sich unbeteiligt. Es wäre an der Zeit aufzustehen und auf die Strasse zu gehen.

  10. Liebe Mia,
    Dein Kommentar kommt mir gerade Recht! Grad vor eine Stunde gabs in meinem Lieblingssender einen Beitrag dazu, und ich habe gedacht: danke, ich bin doch nicht blöd. In meiner Wahrnehmung. Ist doch noch alles in Ordnung, denn ich sehe, was ich sehe.
    Meine Mum hat heute zu mir gesagt -sie hatte einen klaren Tag (was nicht selbstverständlich ist): ich verstehe das nicht, hat sie gesagt. Wieso kann ich nicht alleine essen, wieso kann ich nicht aufstehen und laufen, wieso wieso wieso? Das ist eigentlich viel schlimmer als die Momente, wo sie gar nichts mitbekommt.
    Meine Mutter konnte ihr ganzes Leben lang keine Umarmung von mir ertragen. Und jetzt geniesst sie jede Streicheleinheit. Ich bin im Frieden.
    Liebe Sonnengrüße von Dori

  11. Liebe Dori,
    der heutige Umgang mit Menschen ist das produkt unserer Gesellschaft.
    Leider sehr traurig. Meine eltern und auch Schwiegereltern sind noch unter den Lebenden. Wenn ärzltiche Versorgung notwendig ist stehe wir immer parat. das erleben dabei ist erschütternd und untertreicht das von Dir geschilderte.

    Was sagt das uns, denen, die noch handeln können???????????????
    Was tun wir selbst für uns und an uns, damit wir das nicht wiederholen?
    Wieviel sagt Dein leztzer Satz im letzen Kommentar von Dir aus?????
    Da steckt eine ganze Lebensgeschichte drin.

    Das Leben ist! Es will gelebt werden.

    Bewusstsein ist das Mittel, Bewusstsein ist der Schlüssel, Bewusstsein ist das Ziel.
    Jeder Mensch, dem wir begegnen, der uns berührt, ist eine Lehrer für uns.

    So auch hier! Dafür DANKE!

    Liebe Grüsse
    Norbert

    • Lieber Norbert,
      danke für Deinen Kommentar! Ich habe sehr viel gelernt in den letzten Wochen, vor allem über mich! Zum Beispiel GEDULD! Und AKZEPTANZ. Vieles kann man nicht ändern, aber doch so einiges, vor allem sich selbst.
      Geduld hat man mit den Kleinsten, sie lernen noch, aber wenn die Eltern wieder zum Kind werden, hilfebedürftig sind, die alltäglichsten Dinge vergessen haben, wie zum Beispiel was ist Essen, was ist Trinken, was ist eine Gabel, ein Messer, ein Löffel, nicht mehr selbst essen können oder gar aufstehen und einfach losgehen, dabei ungeduldig sind, oder gar bös, weil sie es nicht verstehen können, was da mit ihnen passiert, das war für mich nicht leicht.
      Was ich ändern kann ist zum Beispiel, dass ich meinen Kindern vorlebe, wie so etwas geht. Ohne Widerstand zu leisten, sondern die Situation bewusst so anzunehmen und dann das aus eigenem Ermessen das Beste draus zu machen.
      Die Wertschätzung aufrecht erhalten, auch wenn der Mensch nicht mehr der Mensch ist, der er einmal gewesen ist.
      Und dann einen Seinszustand erreichen, den ich nur mit den Worten: ich bin im Frieden umschreiben kann.
      Und dafür danke ICH!
      Noch etwas habe ich gelernt: dass der Spruch „Blut ist dicker als Wasser“ tatsächlich Wahrheit beinhaltet.
      Liebe Sonnengrüße von Dori

  12. @ gzi sorry meine Liebe, aber nur weil Du mit dem Gesundheitswesen beruflich befasst bist, heisst das nicht, das was weltweit als besonders toll gewertet wird, auch wirklich besonders toll ist. Für mich heisst es, das weltweit ein besorgniserregender Zustand herrscht im Gesundheitswesen. Ich traue meinen eigenen Wahrnehmungen und wünsche keinem, diesem tollen Gesundheitssystem mit dem Zauberwort „Grundversorgung“ hilflos ausgesetzt zu sein.
    Liebe Grüsse
    Anita

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