Es interessiert mich nicht

Im August 2009 habe ich schon einmal diese Zeilen gepostet – auf meinem „alten“ Chakrablog. Seit ich das Buch von Oriah Mountain Dreamer 2006 gelesen habe, bin ich von diesen Worten tief berührt – es stellte sogar Parallelen zwischen ihrem und meinem Schicksal damals fest. Seither versuche ich, Menschen nicht mehr zu beWERTEN, wie ich das früher oft getan habe. Aber es gelingt mir nicht immer, das weiß ich.

Es wird immer bedeutsamer für mich, gerade im Hier und im Jetzt und Heute. Nicht beWERTET zu werden, und nicht zu beWERTEN.

Meine Freundin fragt mich: wie alt ist er? Weiß ich nicht.
Welches Auto fährt er? Ist mir doch egal.
Wie heißt die Firma, in der er arbeitet? Keine Ahnung.

Ist das alles wirklich so wichtig? Oder ist es vielmehr die Art und Weise, wie ich mich bei anderen Menschen fühle, die für mich ausschlaggebend ist?

Daher hier noch einmal:

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wovon Du Deinen Lebensunterhalt bestreitest.
Ich möchte wissen, wonach Du Dich sehnst und ob Du es wagst,
davon zu träumen, Deine Herzenswünsche zu erfüllen.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.
Ich möchte wissen, ob Du es riskieren wirst,
verrückt vor Liebe zu sein, vernarrt in Deine Träume,
in das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten in welcher Konstellation zu Deinem Mond stehen.
Ich möchte wissen, ob Du die Mitte Deines Leids berührt hast,
ob Du durch Verrat, den Du im Leben erfahren hast,
aufgebrochen und offen geworden
oder geschrumpft bist und Dich verschlossen hast vor Angst und weiterem Schmerz.

Ich möchte wissen, ob Du dasitzen kannst mit Schmerz
– meinem oder Deinem eigenen –
ohne irgendeine Bewegung der Ausflucht,
ohne den Schmerz zu verbergen, ohne ihn verschwinden zu lassen, ohne ihn festzuhalten.

Ich möchte wissen, ob Du mit Freude dasein kannst
– meiner oder Deiner eigenen –
ob Du mit Wildheit tanzen und zulassen kannst,
daß Ekstase Dich erfüllt bis in die Fingerspitzen und Zehen hinein,
ohne jene Vorsicht, in der du dich in acht nimmst,
realistisch bist und dich an die Begrenzung des Menschendaseins erinnerst.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist.
Ich möchte wissen, ob Du jemanden enttäuschen kannst, um zu Dir selbst ehrlich zu sein,
ob Du es erträgst, daß Dir deshalb jemand Vorwürfe macht
und Du trotzdem Deine eigene Seele nicht verrätst.
Ich möchte wissen, ob Du treu sein kannst und zuverlässig.

Ich möchte wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch dann, wenn es nicht jeden Tag schön ist
und ob Du in Deinem Leben einen göttlichen Funken spürst.
Ich möchte wissen, ob Du mit Mißerfolg leben kannst
– mit Deinem und meinem –
und immer noch am Ufer eines Sees stehen und “Ja“ zum Vollmond rufen kannst.

Es interessiert mich nicht, wo Du lebst oder wieviel Geld Du hast.
Ich möchte wissen, ob Du nach einer kummervollen Nacht voller Verzweiflung aufstehen kannst
–ausgelaugt und mit Schmerzen –
und trotzdem tust, was getan werden muß für Deine Kinder oder andere Menschen.

Es interessiert mich nicht, welche Schulausbildung Du hast oder wo und bei wem Du studiert hast.
Ich möchte wissen, ob Du mit mir in der Mitte des Feuers stehen und nicht zurückschrecken wirst.
Ich möchte wissen, was Dich von innen aufrecht erhält, wenn alles andere wegfällt.

Ich möchte wissen, ob Du mit Dir selbst alleine sein kannst
und ob Du wirklich die Leute magst, mit denen Du Dich in Zeiten der Leere umgibst.

Oriah Mountain Dreamer (im Mai 1994, http://www.oriahmountaindreamer.com)

15 Gedanken zu „Es interessiert mich nicht

  1. Liebe Dori, ich mag den Text auch wirklich sehr gerne…und wenn ich gerade damit beginne, ihn zu vergessen, läuft er mir wie zufällig wieder über den Weg! Äußerlichkeiten sind eben nur Äußerlichkeiten. Danke fürs Teilen!

  2. Liebe Dori,
    wer mag schon gerne von anderen beWertet werden, also ich distanziere mich davon mehr und mehr. Ich merke, dass mir „Wie-denken-Andere-über-mich“ an Bedeutung weniger wird. Das fühlt sich gut und freier an. Ich mag auch andere nicht beWerten. Wer weiss schon, was für den Anderen „Gut“ ist?? Und wer meint es zu wissen?? Was habe ich persönlich davon, wenn ich andere beWerte? Es ist doch nur Ablenkung von mir selbst. Manchesmal hat es auch so einen schalen Geschmack von: nur-so-wie-ich-es-mache-ist-es-richtig. Von solchen Denkweisen nehme ich mehr und mehr Abstand. Frei bin ich auch nicht, das wäre wohl vermessen. Vielleicht ist ein gewisses Maß sogar ganz normal. Denn man kann sich nun mal nur von der eigenen Identifikation aus behaupten, Stellung beziehen. Positionieren statt Bewerten – das ist mein Ziel.
    Ich finde es toll, wie Du die Gesprächsituation mit deiner Freundin beschreibst. 😉
    Die Vielfalt an Persönlichkeiten macht doch gerade die Würze aus. Und so manches erweitert den Horizont, wenn man gewisse Dinge herein lässt und nicht mit Abwehrhaltung: nur-so-geht´s, zu sehen.
    In diesem Punkt hast Du meine Bewunderung, im Umgang mit Situationen seinen Lauf zu lassen.
    Ich lasse Dir einen ganz lieben Gruß da.
    Mia

    • Liebe Mia, wir sind doch alle nicht wirklich frei. Aber mit den Jahren schon immer freier in der Denkweise. Heute ist es mir oft egal, was andere über mich denken, wenn es mir gut geht. Wenn es mir nicht gut geht, dann kann es schon einmal pieksen, wenn ich nicht in meiner Mitte bin. Aber ich denke dann nach und frage mich, was es mit mir zu tun hat. Meistens hat es mit mir gar nichts zu tun, diese Erkenntnis war anfangs paradox für mich. Oft sind es nur Projektionen, und ich kann mich inzwischen davon sehr gut distanzieren.
      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag Abend, liebe Grüße von Dori

  3. Ein wunderschöner Text, liebste Dori, zu einem wunderschönen „Anlass“:-)… Ich wünsche Dir, dass Du nach und nach all die Antworten bekommst, die Du Dir wünschst… Alles Liebe und herzlichste Herbstgrüsse Andrea

  4. Liebste Dori,

    immer wieder wundervoll, diese Zeilen… ich nehme sie tief in mir auf und freue mich, von dir wieder daran erinnert worden zu sein!

    Ja, genau, es interessiert mich nicht… was die anderen über mich denken…
    Da liegt so viel Kraft und Stärke darin…

    Alles, alles Liebe für dich, du Liebe! ♥
    Elisabeth

    • Das wußte ich, ja liebe Larissa, das ist auch ein sehr schönes Lied. Habe es kürzlich auf FB veröffentlicht. Bist Du eigentlich auch auf Facebook zu finden?
      Liebste Grüße von Dori

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