Frieden

Ich habe dieses Video schon einmal gepostet. In meinem alten Blog. Am 1. August 2010. An diesem Tage wurde der Mo geboren.

Heute poste ich es noch einmal.

10 Jahre FUNKSTILLE. Zwischen meinem Bruder und mir. Niemand von uns beiden könnte klar artikulieren, WARUM.

Ehrlich – ich weiß es nicht. Sicherlich er auch nicht. Alles UNAUSGESPROCHEN, in dieser Familie, immer schön UNTER DEN TEPPICH GEKEHRT. Da waren sie WELTMEISTER DRIN, meine Eltern, und wir Kinder allemal. Wir kannten es ja nicht anders. Und: wir BEIDE haben irgendwie immer gestört. Die LEBENSGEMEINSCHAFT. Unserer Eltern. Gehörten nie wirklich dazu, ich nicht, und er auch nicht.

ABER:
Vorige Woche ist ES PASSIERT. Immer muss etwas PASSIEREN, damit etwas PASSIERT. Das ist bei uns so, das ist bei den meisten Menschen so.

VERÄNDERUNGEN PASSIEREN IMMER NUR IM ANGESICHT VON KRANKHEIT, ARBEITSLOSIGKEIT, TRENNUNG, VERLUST DES PARTNERS, der FINANZIELLEN PLEITE. Schade. Warum können die Menschen nicht schon im VORFELD agieren, können die ZEICHEN sehen und das SCHLIMMSTE ABWENDEN? Na ja, ich selbst konnte es ja auch nie.

In den letzten Wochen, der gesundheitliche Zustand meiner Mutter wurde immer bedenklicher, habe ich eins getan:
ich habe mit ihrer SEELE gesprochen. Immer wenn ich bei ihr war. Wenn ich Essen gebracht habe, wenn ich sie gepflegt habe. Ich habe nie verbal gesagt: Liebe Mama, bitte sorge dafür, dass bevor Du gehst, mein Bruder und ich ausgesöhnt sind. Aber ich habe ihre SEELE darum gebeten.

In der vorigen Woche ist meine Mutter gestürzt – in der Nacht – und liegengeblieben. Erst am nächsten Tag hat ihre Putzfrau sie gefunden, nach endlosen Stunden. Es fehlte ihr die Kraft, wieder aufzustehen. Vielleicht wollte sie auch nicht mehr aufstehen, aber das ist jetzt nur mein Gedanke. Ich wollte ihr mittags Essen bringen, und wie verabredet rufe ich vorher kurz durch, bevor ich losfahre. Immerhin sind es 30 Kilometer. Aber sie ging nicht ans Telefon. Stundenlang nicht. Und da wusste ich, dass ES passiert ist. Irgendwann, aus dem Auto heraus und auf dem Weg zu ihr anrufend, nahm dann mein Bruder ab. Sehr erleichtert, dass ich jetzt DA war.

Gleichzeitig mit dem Arzt und dem Notarztwagen kam ich bei meiner Mutter an, ER steht schon vor dem Haus, ich reiche ihm die Hand und frage: bekomme ich Deine Hand? Er sagt: die hast Du doch schon. Und gibt mir einen Kuss auf die Wange.

Meine Mutter liegt jetzt im Krankenhaus, was aus ihr werden wird, ist derzeit noch ungewiss. Wir WISSEN es nicht. Sie ist organisch KERNGESUND, aber der LEBENSWILLE fehlt. Ob der noch mal zurückkehrt? Auch das wissen wir nicht, und das liegt auch in ihrem eigenen Ermessen.

Aber sie hat durch ihr AGIEREN meinen Bruder und mich wieder zusammengeführt.

DANKE MAMA, jetzt kehrt ja nun wirklich langsam FRIEDEN in diese Familie ein!

Und das wurde auch langsam mal ZEIT!

Dies ist für die Traurigen,
die zu Tausenden da draußen sind
Irgendwo alleine sitzen,
und einfach nicht mehr weiter wissen
Für die die Sonne nie mehr scheint,
weil die graue Wolkendecke ewig bleibt
Verlassen und verloren, ausgepowert und am Boden
Doch wenn du denkst es geht nicht mehr,
dann kommt von irgendwo diese Mukke her
Und sagt dir dass alles besser wird
Und dass die Hoffnung als aller Letztes stirbt
Ein Tunnel ohne Licht am Ende
Dunkelheit für immer
Du kannst die Sorgen nicht ertränken
Sie sind verdammt gute Schwimmer
Doch zum Glück kann ich vermelden,
wie schlimm’s auch immer kommen mag
Da sind noch welche die dir helfen
und das sind Prince und Stevie Wonder
Denn wenn du denkst es geht nicht mehr,
dann kommt von irgendwo diese Mukke her
Und sagt dir, sagt dir dass alles besser wird
Und dass die Hoffnung als aller Letztes stirbt

16 Gedanken zu „Frieden

  1. Liebste Dori,
    danke für deinen Beitrag. Ich kann das nachvollziehen. All das war bei uns auch Thema. Seit der Krankheit und dem Tod meiner Mutter haben wir FRIEDEN geschlossen untereinander. Gestern wäre meine Mama 85 geworden. Meine Schwester hat uns drei Geschwister zum Kaffee eingeladen. Wir waren auch alle dabei , als meine Mutter starb. Das war ein Erlebnis, weil wir uns vorher auch nicht wirklich gut verstanden haben. Wir lagen uns in den Armen vor der Mutter, die die Augen schloss. Ein Kreis hat sich geschlossen. Deswegen können manchen alte Menschen auch nicht sterben, weil irgendwas noch zu bereinigen ist.
    Danke… Ich bin so dankbar, dass meine Geschwister mir mit Respekt begegnen. und Friede herrscht, ja Friede , vielleicht ist das unsere Aufgabe in der Generationslinie…
    Liebe Grüße und alles Gute
    Erika

  2. Weißt du, liebe Dori, jetzt habe ich Tränen in den Augen. Du hast Recht: Warum können wir manchmal nicht rechtzeitig und ohne vorherige schlimme Vorkommnisse reagieren. Ich werde auch mal eine Bestandsaufnahme machen und schauen, was ich ändern kann, wo ich auf einen Menschen zugehen kann, mit dem mich irgendetwas entzweit hat. Eigentlich ist das Leben viel zu kurz, um solche Dinge auf die lange Bank zu schieben. Manches bleibt schnell ungesagt.

    Liebe Grüße von der Gudrun

    • Liebe Gudrun,
      ich weiß nicht, wie oft ich Stift und Papier in die Hand genommen habe, um meinem Bruder einen Brief zu schreiben. Und habe es dann doch wieder nicht getan. Wie schade, dass man (ich) dann doch nicht über seinen Schatten springt. Was hätte ich zu verlieren gehabt? Eigentlich nichts, wenn man es richtig bedenkt.
      Vielleicht ist das auch eine Aufgabe für mich, nicht nur immer zu schweigen um des „lieben Friedens willen“, der ja eigentlich gar kein Frieden ist. Ich werde mich diesbezüglich ändern, ich will es ganz fest versuchen.
      Liebe Sonnengrüße für Dich von Dori

  3. Liebste Dori, ich sitze jetzt hier und weine… nein ich bin nicht traurig, ich bin berührt. Es tut mir sehr leid für Deine Mutter, auch wenn es allein ihre Entscheidung ist, ob sie noch leben will oder nicht… und die Vorstellung, stundenlang allein auf dem Boden zu liegen, ist purer Horror. Und ich FREU mich über den Frieden in Deiner Familie und dass so nach und nach alles in ORDNUNG kommt… Vielleicht braucht es viel Zeit, vielleicht braucht es etwas, das PASSIERT, aber wenigstens passiert es jetzt und das zählt… Allerliebste Herzensgrüsse für Dich, ich schicke Dir energievolle Gedanken und wünsche Deiner Mutter die Besserung, die sie sich selber wünscht. Von Herzen, Andrea

    • Liebste Andrea,
      Du weißt, wie sehr ich mir den Frieden in meiner Familie gewünscht habe. Am vorigen Mittwoch war ich zu einer „freien Aufstellung“ angemeldet, ich wollte meinen Bruder und mich aufstellen. Schon im Laufe des Nachmittags machte sich so ein Gefühl breit, immer weiter wurde es in meinem Herzen, und ich dachte: wozu brauchst Du eigentlich eine Aufstellung mit Deinem Bruder? Die brauchst Du nicht, das wird wieder. Und in der folgenden Nacht hat meine Mutter das dann „geregelt“, auf Ihre Art und Weise. Ich bin schon sehr erleichtert, dass sie sich keine Brüche zugezogen hat, sie hat keinerlei Schäden im Gehirn, auch das finde ich wichtig, aber sie ist so was von „durch den Wind“, heute war es ganz schlimm, das muss alles erst einmal verarbeitet werden. So, wie es ausschaut, wird sie in die Geriatrie verlegt, und es gibt einen leisen Hoffnungsschimmer, dass die „dort“ es schaffen, sie noch einmal auf ihre Beine zu stellen, wenn sie es denn möchte. Wenn nicht, haben wir ein Problem, wie mein Bruder gestern schon meinte, das sehe ich genauso.
      Aber jetzt denke ich erst einmal positiv, und die Hilflosigkeit, in der sie sich befindet, gefällt ihr jetzt auch nicht.
      Hihi, und noch etwas zum Schmunzeln: die Schwester kommt heute rein und sagt: ihre Mutter ist ja eine ganz Liebe. Sie grinst mich an, und als die Schwester wieder raus ist sagt sie: die hätte mich mal „früher“ kennen sollen 🙂
      Allerliebste Herzensgrüße von Dori

  4. Liebste Dori,

    ich bin ergriffen und total berührt… sehr oft ist das so, dass etwas Trauriges oder Schlimmes passiert, passieren MUSS, damit wieder Friede einkehrt, damit sichtbar, was wirklich wichtig ist, damit Familien zusammenfinden…
    Manchmal geht es auch einfach, so wie bei mir im Sommer, als ich die schöne Nachricht überbrachte… das hat in meiner Familie plötzlich einiges geheilt… wie ein Wunder…

    Ich freue mich für dich, dass es so ist, wie es ist, denn es soll so sein…
    Von Herzen, Elisabeth

    • Liebste Elisabeth,
      lächel – also ich kann DIESE schöne Nachricht nun wirklich nicht mehr überbringen.
      Dafür läuft der Mo jetzt die ersten Schritte alleine, sooo süß. Freud und Leid sind ja immer ganz nah beieinander.
      Herzensgrüße für Dich von Dori 🙂

  5. Liebe Dori,

    ich finde die Szene mit deinem Bruder sehr berührend und schön und habe gerade Tränen in den Augen.
    Es tut mir leid, dass der Anlass, der Sturz deiner Mutter dazu geführt hat, aber gleichzeitig freue ich mich für dich, dass du und dein Bruder so zueinander gefunden habt.
    Ich habe immer Kontakt mit meinen Geschwistern gehabt, aber die Situation mit meinen Eltern, besonders die mit meinem Vater, hat uns näher zusammengebracht. Man ist einfach froh, dass man damit nicht alleine ist und man hat etwas gemeinsam, die Sorge um einen lieben Menschen.

    Alles Liebe für dich,
    Martina

    • Ja, liebe Martina,
      oftmals oder sogar meistens ist es so. Auch wenn der Anlass ein trauriger ist, kommt nun Bewegung und Frieden in die Familie, darüber freue ich mich auf der einen Seite sehr sehr sehr, auf der anderen wird meine Mutter wohl nie wieder die „Alte“ sein, auch damit müssen wir uns abfinden und umgehen lernen.
      Viele liebe Sonnengrüße von Dori 🙂

  6. Liebe Dori,

    ich bin ein wenig hinterher im Lesen, möchte dies hier aber nicht unkommentiert stehen lassen.

    Ich finde es schön, daß Du nun wieder Kontakt hast zu Deinem Bruder und daß er so wunderbar reagiert hat. Ich bekam wirklich eine leichte Gänsehaut beim Lesen!

    Und wer weiß, vielleicht gabs ja schon vor langer, langer Zeit eine Art „Absprache“, daß Eure Mama für Euch genau so handeln würde…

    Deiner Mama alles Gute!!!

    Ganz liebe Grüße von Larissa

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