Für meine Mutter

Immer schön, immer elegant, immer auf Stöckeln! Immer im Mittelpunkt, ganz egal, wo sie hinging! Und sehr beliebt! Noch heute erzählen mir die Menschen oft, was für eine liebe und liebenswerte Frau meine Mutter ist und war!

Als Kind und später als Teenager habe ich ihr oft zugeschaut, wie sie sich zurecht gemacht hat, für irgendeine Party, auf die meine Eltern ständig eingeladen waren. Ich habe neben ihr gestanden und gesagt: Mama, eines Tages möchte ich so schön sein wie Du.

Und nun sitzt sie in ihrem Sessel, 80 Jahre ist sie in diesem Jahr geworden, isst nicht mehr, trinkt nicht mehr, steht nicht mehr auf.

Hilflosigkeit, Ohnmacht machen sich breit. ErSCHWEREN mein Leben. Was kann ich tun, zermartere ich mir meinen Kopf, wie kann ich ihr HELFEN?

Sie WILL nicht weiter leben. Ich will zu Papa, sagt sie, und meint damit meinen Vater, der vor eineinhalb Jahren gestorben ist.

Alle Worte, in der Vergangenheit gesprochen, dass wir alle VERBUNDEN sind, dass sie niemals ALLEIN sein wird, nutzen nichts. Sie stammt aus einer Generation, nein, vielmehr aus einer EPOCHE, wo Menschen sich so etwas im Ansatz nicht vorstellen können.

AUFGEGEBEN hat sie, wartet, dass alles VORBEI ist. Wo dieses VORBEI sein wird, das weiß sie nicht. Dass es nur eine andere DIMENSION ist, wo sie hingeht, das versteht sie nicht. Das alles tut mir so weh, wie IMMER möchte ich helfen, und wie so OFT kann ich es nicht.

Die SEELE meiner Mutter hat sich diesen Weg gewählt. Und trotzdem fällt es mir schwer, das zu AKZEPTIEREN. Ich würd sie gerne noch ein wenig BEHALTEN, meine Mutter. Ich hätte ihr noch so vieles zu sagen. Auch wenn sie es nicht versteht, im HIER UND IM JETZT, so bin ich sicher, dass ihre SEELE sehr wohl weiß, wovon ich rede.

Und so fahre ich morgen wieder hin, koche für sie, wasche sie, hülle sie in warme Kleidung, denn sie friert ständig, ist eiskalt, selbst bei sehr warmen Temperaturen.

Wenn die SEELE friert, an ENDE EINES LEBENS, was kann ich da noch tun?

Ich wünschte dieser Seele einfach, dort ANZUKOMMEN, wo sie sich ZUHAUSE fühlt, eingebettet in WÄRME, LICHT und LIEBE!

14 Gedanken zu „Für meine Mutter

  1. Liebe Dori,
    genau das, was du jetzt erlebst, habe ich mit meinem Vater erlebt. Genau so war es. Und ich bin dagegen angerannt, habe den Arzt angeschrien: „Macht was! Er verhungert!“ Die Antwort: „Er verhungert nicht“; habe ich erst viel später verstanden.
    Was kann man machen? Da sein, die Hand halten, gemeinsam schweigen, zur Ruhe kommen.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft, ganz viel.Irgendwann werden wir auch jemand mit Kraft brauchen.

  2. Liebe Gudrun,
    danke für Deine lieben Worte. Das mit dem Anschreien – das war vorige Woche. Diese Ohnmacht und Hilflosigkeit, man denkt, es kann doch nicht sein! Ich will helfen, da muss man doch etwas tun, aber ich kann es nicht.
    Jetzt bin ich ganz rubig, wieder, habe gekocht, gewaschen, getüddelt, versorgt, umsorgt. Ist gut, hat sie zu mir gesagt. Das habe ich ganz genau verstanden.
    Viele liebe Grüße von Dori

  3. Liebe Dori,
    ich schicke dir ganz viel Kraft und ganz viel Energie.
    Ich denke an dich und wünsche dir, dass du noch viele schöne Momente mit deiner Mutter erlebst. Man kann nicht mehr tun, als für die Menschen die man liebt da zu sein und das bist du.
    Alles, alles Liebe von mir!

    • Liebste Martina,
      danke für Deine lieben Worte. Das bin ich, für meine Mutter. Mit dem Akzeptieren habe ich noch so meine Probleme.
      Ich drück Dich, schön, dass Du hier warst.
      Dori

  4. Liebe Dori,
    …dir dazu etwas zu schreiben, merke ich selbst eine gewisse Hilflosigkeit in mir. Ich glaube Du darfst Dir diese Hilflosigkeit zugestehen. Du musst nicht helfen in deinem Sinne. Denn die Wünsche deiner Mama sind andere. Dass deiner Mama die männliche Schulter an ihrer Seite fehlt ist sehr nachvollziehbar. Versuche es von der Sicht deiner Mama zu betrachten. Zeige ihr (wenn Du es schaffst), dass du sehr gut weisst was ihr fehlt. Und lasse sie spüren wie gerne du sie noch hättest.
    Ich wünsche Dir dass du trotz der Schwere auch das Leichte im Leben sehen kannst.
    Entlaste Dich ein wenig. Erzähle ihr ein wenig von den gemeinsamen schönen Stunden, an die Du Dich mit ihr erinnerst.
    Ganz liebe Grüße

    • Liebe Mia,
      Danke! Du hast Recht. Die Wünsche meiner Mutter sind nicht die meinen. Auch nicht die Wünsche meiner Kinder, oder die anderer Menschen. Loooooooslassen. Akzeptieren, annehmen, das ist meine Aufgabe zur Zeit, schon seit einiger Zeit. Und nicht immer nur VERANTWORTUNG übernehmen zu wollen, denn die Menschen können alle alleine ihren Weg gehen – auch wenn ich ihn oft nicht verstehe, oder besser ausgedrückt, ich wünsche mir mehr Leichtigkeit für alle! Dieses Blog zu schreiben und die Resonanz auf meine Themen tut mir sehr gut.
      Allerliebste Sonnengrüße von Dori

  5. Oft ist es bei älteren Menschen so, dass sie dem Partner folgen wollen und aller Lebenswille plötzlich weg ist.
    Einen Rat kann ich dir nicht geben, liebe Dori, beim Lesen schnürt sich mir das Herz zu, denn so etwas kommt vielleicht auch mal auf mich zu. Du tust das Richtige, du umsorgst sie, du lässt ihr ihre Würde. Mehr kannst du nicht machen.

    Mein Vater starb vor elf Jahren und war fast zehn Jahre älter als meine Mutter. Zum Glück hat sie sich damals netten Senioren angeschlossen und die schwere Zeit überbrücken können. Aber, obwohl sie sich noch mit knapp 77 selbst versorgt, Auto fährt, machen ihre Wirbelsäulenbeschwerden so zu schaffen, dass ihr Lebenswille auch darunter leidet.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft!
    Anna-Lena

    • Liebste Anna-Lena,
      meine Mutter war immer völlig auf meinen Vater fokussiert, das ganze Leben lang. Und meine Hoffnung, sie würde sich nach seinem Tod fangen, obwohl ich das Schlimmste befürchtet hatte, hat sich ja auch bewahrheitet. Eine Zeit lang war sie sehr gut „drauf“, wie man so schön sagt. Aber seit ihrem 80. Geburtstag im August geht es nur noch bergab.
      Sie will gar keine Hilfe, sie möchte einfach nur noch RUHE.
      Danke für Deine lieben Worte,
      herzlichst, Dori

  6. Liebe Dori,
    wie Du Dich fühlst kann ich mir so gut vorstellen. Ich kann aber auch den Wunsch Deiner Mutter verstehen, irgendwie. Darf man dagegen angehen frag ich mich. Klar möchtest Du sie nicht allein lassen und das tust Du auch nicht. Aber wenn ich irgendwann nicht mehr auf Mutter Erde in meinem Körper bleiben möchte, aus welchen Gründen auch immer, könnte mich wahrscheinlich auch keiner mehr vom Gegenteil überzeugen.

    Loslassen, so gut es geht, einem anderen die Möglichkeit geben, seine Wahl zu treffen. Ich weiss, es ist nicht leicht. Und meine Eltern leben auch noch beide, vielleicht denke ich irgendwann auch anders.

    Ich wünsche Dir Kraft, für diese Zeit.

    Liebe Grüsse
    Anita

    • Liebste Anita,
      von voriger Woche – Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut, sogar Aggression – hat sich ganz viel in meinem Innen getan.
      Jetzt ist nur noch Fürsorge angesagt. Ob sie noch einmal aufsteht? Das weiß man bei meiner Mutter nicht. Bei jedem anderen Menschen würde ich sagen, das war es jetzt. Aber meine Mutter war immer schon für Überraschungen gut – und während ich das jetzt schreibe, grinse ich ein wenig. Ob ich das wohl von ihr habe?
      Herzensgrüße von Dori

  7. Liebe Dori

    Deine Zeilen rühren mich…..sie beinhalten alles…….Liebe, Fürsorge, Menschlichkeit, Verständnis …..auch Hilflosigkeit, Trauer, Wut…….Deine Mutter spürt, dass Du da bist und sie auch verstehst, davon bin ich überzeugt Dori!

    Drück Dich mal ganz fest!

    Alles Liebe
    *Karin*

    • Hi Du Liebe – ich denke an Dich!
      Freue mich schon darauf, was Du alles zu berichten hast. Eben habe ich noch einmal ganz besonders an Dich gedacht, denn Du hast mir einmal von einem Buch erzählt, wo es ums Stricken ging! Aber mir fiel der Buchtitel nicht mehr ein.
      Freue mich auf unser Gespräch –
      und drück Dich zurück,
      schön, dass Du hier warst,
      Dori

  8. Das ist schwer, liebe Dori.
    Diese Hilflosigkeit und Ohnmacht kenne ich sehr gut und wie sie das Leben erSCHWEREN können.
    Und wie schwer es ist zu akzeptieren, dass ein geliebter Mensch nicht mehr leben will.
    Man möchte schreien, tut es auch, man möchte weinen, tut es auch, man will dagegen ankämpfen, tut es auch… doch nichts hilft so richtig. Es ist, als würde man gegen eine Wand rennen. Das tut weh und kostet Kraft. Erst wenn man akzeptieren und loslassen kann, dann geht es besser. Für mich war das ein wahnsinnig schwerer Weg, der mich viel Kraft gekostet hat, mehr als ich zu dem Zeitpunkt hatte.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Liebe. Ich drück dich mal.

    Alles Liebe,
    Martina

    • Liebste Martina,
      es ist wirklich so, als würde man gegen eine Wand rennen – hilflos und ohnmächtig ist man. Inzwischen ist „es“ passiert, meine Mutter ist im Krankenhaus gelandet, und dort wird sie erst einmal wieder hochgepäppelt, allerdings ohne verlängernde Maßnahmen. Und siehe da, nach einem Tag schon sitzt sie rosig im Bett, hat einen riesengroßen Teller zum Mittagessen verputzt, obwohl sie vorher behauptet hat, das schafft sie nie. Da stimmt doch was nicht 😉
      Ich fahre gleich wieder hin, aber ich habe ein gutes Gefühl.
      Liebe Wochenendgrüße von Dori

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