Loslassen

Loslassen erfordert Mut, aber wir sollten dies nicht als Ende, sondern als Anfang betrachten.

gelesen bei Gedankenwelt

2016 war mein Loslassjahr. Ich musste vieles loslassen – Freunde bzw. Freundinnen, Familienmitglieder, und letztendlich vor einigen Wochen einen geliebten Hund. Das meiste geschah ungewollt, einiges aber auch bewußt gewollt.

Freiwillig lässt man sicherlich nicht gerne andere Menschen aus seinem Leben gehen – es sei denn, man wurde verletzt und trifft die Entscheidung, den anderen gehen zu lassen, der einem nicht gut tut.

Beziehungen gehen aber auch ganz oft einfach zu Ende. Sie sind dann vorbei, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben. Es war eine Weile gut und vorteilhaft und bereichernd , diese Beziehung mit und zu dem anderen Menschen. Und dann plötzlich meldet er sich nicht mehr, hat keine Zeit dich zu treffen oder dich anzurufen, geht andere Wege als du, trifft Menschen, von denen du nie gehört hast, und du bist total verunsichert. Schließlich trennen sich die Wege wieder, der Kontakt wird immer weniger, man geht man wieder auseinander. Beide haben sich im Laufe der Zeit in eine andere Richtung entwickelt, ie Interessen haben sich verlagert, oft einfach deshalb, weil das Leben andere Herausforderungen schickt, als man selbst eingeplant hat.

Vielleicht hast du aber auch in deine Beziehungen mehr hinein interpretiert, als dir von der anderen Seite entgegengebracht wurde. Das Wort „Freundschaft“ hat ja für die meisten Menschen die unterschiedlichsten Bedeutungen. Ich selbst versuche dieses Wort sehr sehr ernst zu nehmen und für meine Freunde immer da zu sein, jederzeit. Aber wie sieht es denn umgekehrt aus?

Das Wort „Loslassen“ hat mir früher große Angst eingejagt. Ich habe mir dann vorgestellt, dass ich am Ende meines Lebens mutterseelenallein mit meinem Hund auf meinem Sofa sitze, weil ich alle und alles loslassen musste. Dem ist aber nicht so, denn es treten ja immer wieder neue Menschen in unser Leben. Und wenn wir offen genug sind und neugierig, können sich auch wieder neue Freundschaften entwickeln. Sofern man das zulassen möchte und kann.

Loslassen bedeutet aber immer auch, dass Veränderungen anstehen. Vor jeder Veränderung kommt zuerst einmal dieses komplette Loslass-Programm, das sehr schmerzen und verunsichern kann. Schließlich weiß man ja nicht, wo man am Ende landet – wie es sein wird, wer noch da ist, ob überhaupt noch jemand da ist, an unserer Seite.

Aber krampfhaft Festhalten bedeutet ja auch Stagnation, Unbeweglichkeit. Nichts verändern wollen heißt auf der Stelle treten. Keine Weiterentwicklung ist mehr möglich. Das wollen ja viele, alles klammen, krampfhaft festhalten, selbst wenn die Situation noch so verfahren ist, immerhin weiß man aber was man hat.

Zum Schluss kommt dann das Leben daher und zwingt dich, loszulassen. Und das Leben hat viele Möglichkeiten, dir das aufzuzeigen, ganz viele. Man kann dann zwar immer noch so tun, als sei nichts gewesen, und macht das Loslassen damit noch schwieriger, als es ohnehin schon ist.

Ich selbst habe mich zum Beispiel entschieden, diesen Winter zu lieben anstatt zu hassen. Die Dunkelheit anzunehmen und als Rückzugsmöglichkeit zu sehen. Meine Aktivitäten im Außen etwas herunterzufahren und dafür mehr nach Innen schauen. Mich zu fragen: wo will ich noch hin? Was will ich noch tun? Will ich noch etwas erreichen? Falls ja, was?

Der richtige Zeitpunkt hierfür ist jetzt.  Nach diesem ganzen Loslassprozess der vergangenen Monate und in der jetzigen Stille. Und in dieser Vorweihnachtszeit, die ja in Wirklichkeit nur draußen dunkel ist.

Und wieder müssen wir ein weiteres Jahr gehen lassen – dieses 2016 – was für viele Menschen und Nationen ein schwieriges Jahr war.

Ich wünsche allen meinen Lesern eine besinnliche Vorweihnachtszeit und ein friedliches Weihnachtsfest.

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4 Gedanken zu „Loslassen

  1. LIebe Dori, vielen Dank für Deine Worte. Dieses Jahr muss ich auch loslassen um im neuen Jahr Veränderungen vorzunehmen…Es tut alles so unendlich weh und doch weiß ich, dass es ein Neubeginn wird und dass es eine tolle Chance mit sich bringt….So wie Du die Dunkelheit angenommen hast, sage ich nun JA zu den anstehenden Veränderungen…..und ich denke auch im kommenden Jahr muss ich noch das ein oder andere loslassen oder verändern…..nein ich muss nicht, ich möchte!! Dir wünsche ich auch eine tolle Vorweihnachtszeit – Danke, dass Du zu meinen Freunden gehörst!!

    • Liebe Anja, Veränderungen und damit auch Abschiede tun weh, und das möchten wir nicht, wir wollen keine schmerzhaften Trennungen haben, das ist aber normal. Und wenn die Ängste hochsteigen, weil ich nicht weiß wohin dieser Weg mich am Ende des Tages führen wird, dann ist das NORMAL. Alleine die Erkenntnis, dass diese Gefühle normal sind, dass jeder Mensch sie hat und dass ich sie auch haben darf, erleichtert mir das Loslassen in vielen Dingen. Du bist schon so weit gekommen auf Deinem Weg, und das hier schaffst Du auch.
      Ich drück Dich, Dori

  2. Liebe , liebe Dori , was für ein wunderbarer und stimmiger Beitrag in Deinem Blog . Wie schön , hier wieder was lesen zu dürfen von Dir . Ich konnte nur bei jedem Satz nicken ( innerlich ) , weil es in vielem genau beschreibt , wie ich es auch erleben durfte / musste . Kein leichtes Jahr , bleibt die Frage , gibt es “ leichte “ Jahre ? Gefühlt nein 😉 , aber es gibt wunderbare leichte Momente, Verbindungen und Begegnungen , die einen immer wieder stärken “ auf dem Weg “ , der einem bestimmt ist .
    Danke für diese Zeilen .
    Herzlichst
    Sylvia

    • Liebe Sylvia, das war ein schwieriges Jahr – so empfinde ich es zumindest – aber nicht nur für mich. Es gibt so viele Veränderungen, auch in der Welt, und eins ist sicher: das bleibt so. Denn nichts ist so sicher und beständig wie Veränderungen. Aber wir haben das geschafft bis hierhin, und das werden wir auch weiterhin. Ich hatte den Beitrag im Juni angefangen zu schreiben, ich konnte ihn erst jetzt fertigstellen.
      Herzlichste Grüße, Dori

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