Meine Weihnachtsgeschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Vater liebte Musik über alles. Er hörte gerne klassische Musik, aber aufgewachsenen als Kinder sind mein Bruder und ich mit den Klängen von Glenn Miller und anderen amerikanischen Bigbands. Wahrscheinlich verband mein Vater mit dieser Musik auch  seine Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegsjahre.

Er hatte eine große Plattensammlung, alles Schellack-Platten, und natürlich einen Plattenspieler, und an Weihnachten wurde pausenlos White Christmas von Bing Crosby gespielt. Ich hatte schon als kleiner Kröbel im Alter von 5 oder 6 Jahren bei diesem Lied Gänsehaut, und ich wollte es wieder und wieder hören, ich konnte nie genug davon bekommen.

Als ich etwas älter war, durften wir einmal vor Weihnachten unsere Lieblingsschallplatten mit in die Schule bringen, so ganz klar sind meine Erinnerungen hier nicht mehr. Ich weiß noch, dass ich die White Christmas Platte wie ein rohes Ei in die Schule trug, mein Vater hatte mir aufgetragen, ganz ganz vorsichtig zu sein, damit sie heil bliebt. Ich war so stolz, ich hatte mit diesem Lied einen ganz besonderen Schatz, wie ich meinte.

Irgendwann waren dann ich und mein Lieblingslied an der Reihe, ganz behutsam wollte ich die Platte zur Lehrerin an das Pult tragen, und dann passierte ES! Ich ließ sie fallen und sie zerbrach in tausend Stücke. Und für mich zerbrach eine Welt. Mein Lieblingslied, ich konnte es kaum glauben, für immer dahin, sollte ich es nie mehr hören können? Ich schluchzte dermaßen, die Lehrerin konnte mich nicht beruhigen und schickte mich nach Hause.

Völlig verzweifelt ging ich nach Hause, um meinem Vater die „Tragödie“ zu beichten, und hatte Angst vor den Konsequenzen, die sich normalerweise ergaben, wenn ich nicht „hörte“. Aber mein Vater nahm mich nur ganz feste in die Arme und tröstete mich, strich mir über den Kopf und sagte: das ist doch nicht so schlimm. Offenbar war meine Traurigkeit über den Verlust so groß, dass er gar nicht mit mir schimpfen konnte, sondern mich stattdessen nur beruhigte.

Das ist meine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte mit einem Weihnachtslied. Immer, wenn ich White Christmas höre, muss ich an diese Begebenheit denken, die inzwischen ca. 50 Jahre zurückliegt.

Ich wünsche allen da draußen ein schönes, friedliches und liebevolles Weihnachtsfest. Ich bin froh, dass alle bei mir sind, die ich liebe, und wünsche allen, die in diesem Jahr einen geliebten Menschen verloren haben, viel Kraft und viel Stärke. Das erste Weihnachten danach ist immer das schlimmste.

FROHE WEIHNACHTEN!

12 Gedanken zu „Meine Weihnachtsgeschichte

  1. Liebe Dori,
    ich kann die deine Empfindungen in deiner ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte gut verstehen. Mit der Musik von Bing Crosby, Duke Ellington, Nat „King“ Cole und anderen bin ich aufgewachsen. Mein Vater war Musiker.
    Ich wünsche dir noch schöne Weihnachtstage mit vielen guten Erinnerungen.
    Liebe Grüße von der Gudrun

    • Liebe Gudrun,
      ich glaube – diese Generation ist wirklich mit dieser Musik groß geworden – unsere Eltern haben sie im Krieg und nach dem Krieg gehört, und ich kann das so gut verstehen. Noch heute höre ich die Musik sehr gerne, es sind soo viele Erinnerungen damit verbunden!
      Ich wünsche Dir einen schönen Weihnachtsabend,
      alles Liebe von Dori

  2. Glenn Miller! Was hab ich diese Musik bei meinen Großeltern gehört und geliebt!! Ich hab mir übrigens vor längerer zeit eine seiner Cd’s „geliehen“. Die werd ich gleich mal suchen und auflegen.
    Hdl süssi

    • Uuups Du warst ja hier – beinahe hätte ich heute nicht mehr geschaut 😉
      Ja – Glenn Miller war das „Ding“ von Deinem Opa und Deiner Oma, aber dass Du Dir die Musik auch beschafft hast, das hätte ich nun nicht gedacht – lach.
      Bis morgen, habe eine gute N8 – HDAL

  3. liebste dori
    das ist eine schöne geschichte.ich verstehe deine liebe auch zu diesem lied.ich muß zu weihnachten und überhaupt die ganze weihnachtszeit immer „meine“ lieder hören, mit denen ich groß geworden bin.dazu gehört u.a last chrismas,wonderful christmastime, natürlich die traditionellen lieder auch wie stille nacht. aber auch white christmas. ich verbinde damit immer sehr schöne bilder.
    hab einen wunderschönen stefanietag 🙂
    liebste grüße zu dir von babsi

    • Liebste Babsi,
      Last Christmas ist auch so ein Klassiker – dabei ist er ja noch nicht so alt wie White Christmas 😉 Mir reichts jetzt schon mit Weihnachtsliedern, bin wieder auf die „normale Musik“ umgestiegen, schon gestern Abend. Favorit zur Zeit ist James Morrison 🙂
      Ich wünsche Dir einen schönen 2. Weihnachtstag, dass das ein Stefanietag ist, das wusste ich auch noch nicht!
      Herzensgrüße zu Dir von Dori

  4. Ooh, ich liebe dieses Lied auch sehr, aber eine so schöne Gänsehautgeschichte habe ich dazu nicht. 🙂
    Die Geschichten, die das Leben schreibt sind oftmals die schönsten, liebe Dori. Ich kann mir deine damalige Verzweiflung vorstellen. Umso schöner die Reaktion deines Vaters, die zeigt, dass du ihm viel wichtiger warst, als die Platte.
    Danke.

    Herzliche Weihnachtsgrüße an dich,
    Martina

    • Liebe Martina,
      diese Reaktion von meinem sonst so strengen Vater war wirklich außergewöhnlich. Aber wahrscheinlich habe ich ihm so leid getan, dass er mir nur verzeihen konnte.
      Jetzt ist Weihnachten schon wieder vorbei. Den Film mit Bing Crosby gabs übrigens am 1. Weihnachtstag irgendwo, aber ich konnte ihn mir nicht in voller Länge ansehen, er ist für heutige Verhältnisse einfach zu kitisch. Aber wenn man bedenkt, unter welchen Voraussetzungen und zu welcher Zeit er gedreht wurde, dann kann man es wiederum verstehen.
      Ich wünsche Dir eine entspannte Woche zwischen den Tagen,
      herzlichste Grüße von Dori

  5. Liebste Dori, da hab ich ja gleich Tränen in den Augen bei Deiner Geschichte… Was war ich froh, als ich las, dass Dein Vater so lieb Verständnis hatte… !!! Was ich nicht ganz verstanden habe jetzt, ist es für Dich jetzt eine schöne oder eine traurige Erinnerung, wenn Du das Lied hörst? Der Film ist wirklich unglaublich kitschig, wie vieles aus der Zeit, aber stückweise kann man den Kitsch schon ganz gut „aushalten“:-) Sei lieb umarmt von Andrea

    • Du Liebe,
      es ist für mich eine unglaublich schöne Erinnerung 🙂 Sie zeigt mir immer wieder dass, wenn es darauf ankommt, das Richtige geschieht!
      Fühl Dich herzlich umarmt von Dori

  6. Oh, das finde ich schön, Du Liebe… ich finde nämlich die Geschichte auch so schön und wollte sicher sein, dass Du Dich nicht in erster Linie an Dein „Missgeschick“, sondern an das Verständnis Deines Vaters und all die anderen positiven Aspekte erinnerst:-). Ein bisschen schmunzeln muss ich jetzt grad, ein Lied über den Schnee ist eines „Deiner“ Lieder:-). Ich bin froh, dass wir bis jetzt keinen Schnee hatten, der darf dann im Skiurlaub da sein:-). Allerliebste Abendgrüsse Andrea

    • Liebste Andrea, ich bin mehr als glücklich, dass bisher kein Schnee gefallen ist. Ab nächsten Mittwoch, dann kommt meine Mutter nach Hause, kann von mir aus so viel Schnee fallen wie will – dann brauche ich nicht mehr fahren!
      Ich wünsch Euch einen tollen Skiurlaub, liebste Grüße von Dori

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