Ratz Fatz wie die Zeit vergeht

 

 

 

 

 

 

 

Ratz Fatz – 3 Monate sind vorbei, Du hast Dich kaum umgedreht!
Wie sich alles verändern kann in 3 Monaten – in einem Tag, einer Stunde, einem Monat, einer Sekunde! Das zeigt uns das Leben immer wieder!

Vor 3 Monaten kam meine Mutter ins Krankenhaus, anschließend in die Reha-Klinik, und jetzt ist es endlich so weit: am 4.1.2012 kommt sie nach Hause, heim! Sie hat wunderbare Fortschritte gemacht. Das Kurzzeitgedächtnis funktioniert überhaupt nicht mehr, was gestern war, ist „Schnee von gestern„. Das Langzeitgedächtnis ist tipptopp in Ordnung. Die Zeiten wirft sie durcheinander. Ich werde an Silvester nicht 57, sondern 38 (seufz – das wäre schön – nein, nicht wirklich, dann müsste ich all die letzten Jahre noch einmal erleben), meine Tochter und mein Sohn sind an manchen Tagen Kleinkinder, an anderen erwachsene Leute.

„Ich verstehe nicht, dass Papa nicht kommt“, sagt sie. „Der war doch immer für mich da, hat immer alles geregelt.“ Ich sage: „Papa kommt nicht mehr, hast Du das vergessen?“ Dann hält sie einen kurzen Moment inne, und sagt: „Ach ja, stimmt ja.“ Und dann denkt sie nach, sie hat vergessen, dass er im vorigen Jahr gestorben ist. „Und wo ist denn Dein Bruder? Den habe ich ja schon seit Wochen nicht gesehen!“ „Aber Mama, der war doch noch gestern da!“

So geht das die ganze Zeit. Summasummarum hat sich aber der körperliche und geistig/seelische Zustand meiner Mutter sehr gebessert. Die Ärzte und Therapeuten sind sehr zufrieden mit ihr, sie ist inzwischen auch wieder in der Lage, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Nur für die anderen Mitpatienten – die teilweise noch viel schlimmer dran sind als meine Ma, ist das schwer oder gar nicht zu verstehen, was sie so von sich gibt. Wir – die Familie – verstehen es indes sehr gut. Wir kennen uns ja auch unser Leben lang.

Gerade eben – in einem langen Telefonat – haben mein Bruder und ich festgestellt, dass wir uns ab der nächsten Woche – quasi ein neues „Hobby und Freizeitbeschäftigung“ suchen müssen 🙂 Quatsch, nein, jetzt kommt wirklich Ruhe und Frieden in die ganze „Angelegenheit“, und Anfang der nächsten Woche „landet“ auch gleich die polnische Pflegekraft, die rund um die Uhr für meine Mutter sorgen wird.

Es dauert manchmal eine Weile, bis alles wieder gut ist. Das durfte ich in meinem Leben immer wieder lernen. Und mal ganz klar: so ein paar Wochen in einer neurologischen Fachklinik tut jedem Ego gut. Das rückt mal wieder alles gerade, aufgrund der vielen Schicksale, die man dort so kennenlernt.

Ein ganz großes Lob möchte ich der Neurologischen Klinik St. Mauritius in Meerbusch-Osterath aussprechen: niemals zuvor habe ich so supertolle, engagierte, kompetente und empathische Menschen gesehen und kennengelernt wie dort, die die Patienten rund um die Uhr und mit viel viel Liebe betreuen. Hut ab, das ist wirklich einzigartig in meiner Erfahrung mit Krankenhäusern und Rehakliniken, und davon kenne ich aus eigener Erfahrung eine ganze Menge.

Bewegung und Wandel – das Jahr 2012 mit all seinen Herausforderungen steht bevor – ich hatte ein unglaublich tolles Jahr 2011! Es ist Frieden auf allen Ebenen.

14 Gedanken zu „Ratz Fatz wie die Zeit vergeht

  1. Liebe Dori,

    ein ereignisreiches Jahr geht für dich zu Ende. Und du schreibst mit so viel positiver Energie darüber, dass es mich wirklich freut. Deine Mutter scheint wirklich erstaunliche Fortschritte gemacht zu haben und wenn sie bald wieder unter der richtigen Pflege zu Huase in ihrer gewohnten Umgebung sein kann, hast du auch ein wenig Entlastung für dich.

    Ich wünsche dir, dass du das Jahr positiv gestimmt beenden und mit dieser Haltung das neue Jahr begrüßen wirst.

    Mit herzlichen Grüßen
    Anna-Lena

    • Liebe Anna-Lena,
      das war wirklich ein Hammerjahr für mich. Andere würden es als schwer bezeichnen, ich fand es gar nicht schwer. Ich hatte zum Beispiel einen der schönsten Sommer meines Lebens – war freigestellt von der Firma – und durfte bei vollem Gehalt meine Freiheit – und meine Enkelkinder – geniessen.
      Die Familie ist wieder zusammengerückt, auch wenn meine Mutter mit ihren 80 Jahren jetzt pflegebedürftig ist, so ist das doch relativ gut ausgegangen. Sie wird nie wieder aufstehen und loslaufen können, kann sich nicht alleine versorgen, aber dafür haben wir letztendlich die perfekte Lösung gefunden.
      Für alle Beteiligten.
      Die Familie ist versöhnt, nach all den langen Jahren der Sprachlosigkeit, und
      das war mein allergrößter Wunsch. Der ist jetzt in Erfüllung gegangen.
      Und was mit mir wird? Das werden WIR sehen 🙂
      Liebe Herzensgrüße von Dori

  2. Liebste Dori,
    danke für Deinen Beitrag. Das sind sehr bewegende Worte. Ich kenne das angesprochene ja von meiner Mutter. Ich habe daraus gelernt , dass man nicht immer mehr Erklärungen abgeben muss, sondern genauso antworten kann ,wenn die Vergessenheit vom Kurzzeitgedächtnis in den Vordergrund rückt. Antworten geben schon, aber keine Diskussionen führen oder Erklärungen. Das lernt man mit der Zeit. Die Menschen waren wir kleine Kinder, aber sie freuten sich über Zuwendung. Gestern haben wir meinen Schwiegervater (bald 92) besucht, er ist geistig noch voll auf der Höhe. Das ist so überwältigend. Aber der Körper wird schwach. Meine Mutter , die damals viel weggelaufen ist, wollte viele Menschen aus Ihrer Vergangenheit besuchen, die lange nicht mehr lebten. Am Anfang ist das erschreckend, aber man wächst auch da hinein. Sie werden wieder wie die Kinder….. es ist ein Lauf, zuerst sind sie Kinder, bevor sie Erwachsene werden.
    Ich wünsche Deiner Mutter, dass sie gut umpflegt wird von der Dame und Euch alles alles Gute, dass ihr auch zur Ruhe findet. Schön, dass Du auch Frieden gefunden hast. Das ist ein Geschenk. Das letzte Jahr war für mich angereichert von vielen schönen Begegnungen und viel Zeit für mich, Stille und auch Dinge, die mich erfüllt haben.
    Alles Liebe
    für Euch ALLE
    Erika

    • Liebste Erika,
      danke für Deine herzlichen Worte. Du sagst es: man wächst langsam hinein. Vom Schockzustand und Ohnmacht und Hilflosigkeit bis hin zur Akzeptanz der Situation, alles war drin und musste bewältigt werden. Zeitweise ging es mir wirklich nicht gut, vor allem am Anfang, aber jetzt sehe ich, dass wir das Beste aus der Situation gemacht haben und auch noch machen.
      Und all die negativen Aspekte, Mutter-Vater-Bruder-Verhältnisse, sind aufgelöst und Nonsens, genau so, wie Du es in Deinen früheren Kommentaren schon beschrieben hast.
      Es ist eine Zeit der DANKBARKEIT. Auch der FREUDE. Wir haben uns ja noch.
      Allerliebste Herzensgrüße von Dori

  3. Du hast vollkommen Recht liebe Dori, dieses Jahr war sehr ereignisreich und ich kann gar nicht glauben, das es schon zu Ende ist. Mein Vater auch ein viertel Jahr im Krankenhaus und Reha, mein Freund 8 Wochen im Krankenhaus und Reha. Meine Firma im totalen Umbruch. Hier bei Dir und auch anderswo auf den blogs war richtig Bewegung. Puuh. Ein bisschen verschnaufen und dann wieder mit neuer Kraft ins neue Jahr. Ich freu mich drauf.
    Herzensgrüsse
    Anita

    • Liebe Anita,
      ich sag jetzt auch mal: PUUH. Da outest Du Dich gerade mal. Ich denke, wir Menschen in diesem Alter, wo wir uns nun mal befinden, es nützt ja nichts, sich da etwas vorzumachen, haben halt Menschen und Eltern in unserem Umfeld, die alt oder krank sind. Oder uns auch verlassen. Ich habe wirklich lange gebraucht, um das zu verstehen, dass es nichts Besonderes ist, sondern dass es einfach der Lauf der Zeit ist. Wieder PUUH! Irgendwann trifft es uns ja alle, ich war ja auch schon mal DABEI. Im Moment ist da Ruhe.
      Ich freue mich auf 2012, es wird genauso bekloppt werden für mich wie 2011, aber das ist ok für mich, ich mag die Bewegung und den Wandel. Was ich nicht mag, ist Stagnation.
      Liebe Herzensgrüße von Dori

  4. Liebe Dori,
    oh ja, es war ein sehr bewegendes Jahr für dich. Es ist so angenehm zu lesen, wie du Rückblick hältst und es ist angenehm, eine unglaublich positive Einstellung zu spüren. Mit Spannung erwartest du 2012. Du bist so ein lebensfroher Mensch.

    Liiebe Grüße aus dem Spinnstübchen

    • Liebe Gudrun,
      den Optimismus habe ich von meinem Vater. Ehrlich. Sein Sprichwort war immer: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Er war mit einer Frau verheiratet, die schon im frühen Alter schwere Depressionen hatte, und das hat unsere ganze Familie geprägt. Meinen Vater natürlich, mich, meinen Bruder auch. Gerade heute haben wir uns wieder gefragt – mein Bruder und ich – wieso wir so optimistisch und so positiv sind – vielleicht gerade wegen unserer Mutter, weil wir „anders“ sein wollten- ich weiss es nicht wirklich.
      Liebe Herzensgrüße an das Spinnstübchen von Dori

  5. Liebste Dori, ich wünsche Euch viel Erfolg mit Eurem neuen „Familien“-Mitglied und ich werde aufmerksam verfolgen, wie sich alles weiterentwickelt. Ich freu mich, dass Ihr Euch Hilfe genommen habt und bin sicher, das wird sich richtig gut einspielen. Alles Liebe, von Herzen Andrea

    • Liebste Andrea,
      ich hab ein bombiggutes Gefühl. Wir haben heute das Zimmer für SIE hergerichtet – meine Mutter hat ein riesengroßes Haus wo 10 Polinnen einziehen könnten – und wir sind total voller Vorfreude. Wenn das alles
      eintrifft, was wir uns vorstellen, die Dame ist seit 1990 selbstständig tätig in der Altenpflege – es kann einfach nur gut werden – etwas Anderes kommt mir gerade überhaupt nicht in den Sinn.
      Ich drück Dich und wünsche Dir/Euch einen schönen Skiurlaub,
      Herzensgrüße von Dori

    • Lieber Ulf,
      es tut immer sooo gut, wenn Du mal bei mir vorbeischaust 🙂
      Danke für Deine Worte, wir machen das schon!
      Dir und den Deinen einen guten Rutsch ins Neue Jahr und viiiiieeeel Gesundheit.
      Herzensgrüße von Dori

  6. Liebste Dori,

    deine Zeilen berühren mich sehr… weil ich vieles von meiner Mama kenne… Anfangs habe ich ich auch immer wieder gesagt, „das ist so, weil…“ und „weißt du nicht mehr?“. Doch sie lebt in einer vollkommen anderen Welt und versteht das nicht (mehr). Heute hole ich sie dort ab, wo sie ist und steige darauf ein und rede mit ihr über Dinge, die sie bewegen und über die sie reden kann und möchte.
    Ich weiß, das ist nicht immer leicht… Manchmal muss ich mich sehr bemühen, dass es mir gelingt,aber ich merke, dass eseine ganz andere Art der Kommunikation ist, weil sie sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlt.

    Ich freue mich zu lesen, dass es mit deiner Mama so schnell bergauf geht und dass sie bald wieder zu Hause ist, auch wenn es nun ganz ohne Unterstützung nicht mehr geht.

    Es kommt viel auf uns zu… viel zu tun, viel zu lernen, viel Veränderung… und doch ist alles gut.

    Ich drück dich ganz fest und lieb!
    Alles, alles Liebe für dich, Elisabeth

    • Liebste Elisabeth,
      ich musste auch erst lernen, mit meiner Mutter auf einer anderen Ebene zu kommunizieren. Das ist mir schwer gefallen, sie ist ja meine Mutter, und in der Hierarchie (das hört sich jetzt blöd an) ja weit über mir, schließlich hat sie mich geboren und groß gezogen und erzogen. Auch wenn vieles nicht so war, wie ich es gerne gehabt hätte in meiner Wunschvorstellung, so hat sie mich doch geprägt. Und heute rede ich mit ihr wie mit dem Mäxchen oder dem Mo, mit ganz ruhiger Stimme, erkläre zum 1 Millionsten Mal, dass sie sich in einer Reha-Klinik befindet und bald nach Hause kommt, und dann von einer netten Frau betreut wird, usw.
      Aber die Blockaden sind auch aufgelöst und es ist wieder Nähe möglich. Und von ihrer Putzfrau sagt sie: mein Engel, und ich bin nicht eifersüchtig, denn diese Frau ist wirklich ein Engel in Menschengestalt, und das bin ich nun mal nicht 😀
      Ich umarme Dich und wünsche Dir viel Kraft und Stärke
      für die vor Dir liegende Zeit.
      Allerliebste Herzensgrüße von Dori

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