Was denn um Himmels willen?

Wie in jedem Jahr kam – so auch in diesem wieder – Weihnachten und kurz danach mein Geburtstag völlig überraschend. Und zack: plötzlich wird klar, ich bin jetzt Ü60. Oder 60+ wie das so schön heißt.

Meinen 60. Geburtstag habe ich noch voller Freude gefeiert, den 61. irgendwie gar nicht, und 62 ist jetzt auch keine Jahreszahl, die unbedingt Anlass zur Freude gibt. Obwohl….. man kann es auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Nämlich voller Dankbarkeit! Es geht mir gut, ich bin gesund, habe ein Zuhause, in dem ich mich wohlfühle, einen kreativen Minijob, der Spass macht,  und genügend Freizeit um mir endlich einmal Gedanken um mein weiteres Fortschreiten auf diesem Lebensweg zu machen.

Ich habe keine Angst vor Falten, die sind mir Wurscht. Dennoch sehe ich sie mir oft voller Erstaunen im Spiegel an – irgendwie waren sie doch vor kurzem noch gar nicht da. Es macht mir auch nichts aus, dass man als Frau so ab 60 vom anderen Geschlecht gar nicht mehr wahrgenommen wird. Da kann ich super prima mit leben. Im Gegenteil – das Leben ist dadurch völlig stressfrei geworden.

Ich glaube, den meisten Menschen in meinem Alter fehlt die Vision. Mit 20 hat man noch Pläne, ich wollte immer vier Kinder haben, einen Mann und ein Haus, in dem alle voller Harmonie leben – zwei Kinder sind es geworden, den Mann habe ich schon lange nicht mehr, das Haus hatte ich nie!

Mit 30 oder Anfang 30 habe ich mich voll auf mein berufliches Weiterkommen konzentriert – das war mir total wichtig – hier konnte ich die Anerkennung bekommen, die mir in meinem Privatleben fehlte. Hach, was habe ich mich da ins Zeug gelegt. Das ging auch für viele Jahre völlig in Ordnung.

Mit 50 habe ich angefangen zu bloggen und herausgefunden, dass ich sehr gerne schreibe. Ich würde mir jedoch niemals zutrauen, ein Buch zu schreiben, aber mein Blog habe ich immer sehr geliebt, das war mir immer sehr wichtig.

Auch das hat sich wieder verändert – jetzt mit Anfang 60 überlege ich, wo könnte ich noch hin? Was könnte ich noch tun? Möchte ich überhaupt noch etwas tun? Wenn ja, was denn um Himmels willen? Ich meine, ich habe immerhin über 40 Arbeitsjahre auf dem Buckel, reicht das denn immer noch nicht? Auf der anderen Seite fühle ich mich zu jung, zu fit und zu tatkräftig, um jetzt schon mit allem abzuschließen. Ich glaube, das ist dann auch der Grund, warum mir meine gleichaltrigen Mitstreiter oft so alt vorkommen.

Ich kenne diese Phasen….. schließlich bin ich ja nicht erst seit gestern auf dieser Erde – man könnte das Umstrukturierungsphase nennen. Aber zuerst muss man ja wissen, wohin die Reise gehen soll – so in etwa zumindest. Das ist aber aktuell (noch) nicht der Fall bei mir.

Ach ja, zufällig habe ich heute den folgenden schönen Spruch gefunden:

Niemand kann dir die Brücke bauen, auf der gerade du über den Fluss des Lebens schreiten musst, niemand außer Dir allein…
Es gibt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann außer dir…
– Friedrich Nietzsche –

 

 

4 Gedanken zu „Was denn um Himmels willen?

  1. Liebste Dori,

    ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen… immer wieder denke ich daran, an meine Träume und was daraus geworden ist… heute erst habe ich mit meiner Schwester darüber gesprochen und mir wurde klar, dass Jammern nichts hilft 😉 und dass es nie zu spät ist für die Umsetzung mancher Träume (wenn auch für einige sehr wohl…).

    Es liegt noch so viel vor dir und ich bin mir sicher, du machst etwas ganz Feines draus! Sei bereit für verrückte Ideen, dann kommen sie zu dir!
    Umbruchphasen durchleben wir alle immer wieder…

    Ich wünsche dir von Herzen, dass sich dir dein weiterer Weg zeigt!
    Umarmung, Elisabeth

    • Liebste Elisabeth,
      so manch eine Vision ist im Überlebensalltag einfach untergegangen. Der jahrelange Kampf um meine Rente, um meine Existenz hat sie verschwinden lassen. Nun ist alles diesbezüglich geschafft und in Ordnung, und plötzlich kommt da der Gedanke: da war doch noch etwas….. Nur was?
      Ich lass mich überraschen. Es hat überhaupt keinen Zweck, jetzt einen Plan zu machen oder einen Entschluss zu fassen, denn dann kommt es mit Sicherheit anders.
      Es war schön von Dir zu hören – fühl Dich herzlichst umarmt, Dori

  2. 62 Jahre, was für ein schönes Alter. Es kommt halt auf den Standpunkt an. Wenn man wie ich 13 Jahre älter ist, dann schaut man gerne zurück auf diese Zeit – eine Zeit, in der man zwar nicht mehr „jung“ ist, aber auch noch lange nicht „alt“. Man hat schon ein wenig die Erfahrung älterer Menschen und trotzdem noch genügend Jugend, sein Leben interessant zu gestalten. Die Reise wird weitergehen mit Glücksmomenten und Enttäuschungen, mit Freude und Trauer. Wichtig ist, dass du dir dein Leben mit den dir gegebenen Möglichkeiten so schön wie möglich einrichtest.
    Vielen Dank für deinen Besuch auf meinem blog.

    • Liebe Ute danke für Deinen netten Kommentar. Ja es ist immer eine Frage der Perspektive. Dass ich für andere mit 62 jung sein könnte, darauf bin ich noch gar nicht gekommen 🙂
      Liebe Grüße, Dori

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