Zuhause

5.6.2013 016

„Mensch, mach doch endlich mal was aus Deinem Leben“, sagt er zu mir am Telefon. „Du hast doch nur ein paar Möbel, was soll das denn. Geh doch endlich weg aus diesem blöden Deutschland und mach was aus Deinem Leben“.

Ich verstehe ihn nicht. Was will er bloß von mir? Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden. Ich will aus Deutschland nicht weg. Ich liebe mein Heimatland, ich bin hier gerne zu Hause. Damit meine ich nicht die Politik und viele äußerlichen, materiellen Aspekte. Ich meine dieses LAND. Meine Wurzeln sind hier, hier ist mein Zuhause, meine Menschen sind hier, mein Rudel. Warum sollte ich von hier fortgehen wollen?

Ich frage ihn: „Was meinst Du denn damit?“ Er ist gerade wieder über den Sommer hier in Deutschland und findet alles doof. Das Wetter (na ja, damit hat er nicht ganz Unrecht), die Menschen, die Regierung, das ganze System, einfach alles. Ich frage ihn, ob da, wo er sonst lebt, denn alles viel besser sei. Ja viel viel besser, antwortet er. Da scheint immer die Sonne, alle Menschen sind fröhlich und gut drauf, und dort ginge es ihm immer super gut. Nur wenn er nach Deutschland komme, dann ginge es ihm sofort schlecht. Auf meinen Einwand, er sei doch nur ein Gast in diesem Land, lebe in einer Kolonie aus Deutschen, Engländern und Schweizern, geht er gar nicht ein. So festgefahren ist er in seinen Äußerungen, dass ich diesen Menschen, der einmal mein bester Freund war, gar nicht mehr wiedererkenne.

Was sind denn schon Kinder und Enkelkinder, fragt er. Auf die kannst Du doch keine Rücksicht nehmen, die gehen doch ihre eigenen Wege, und am Ende des Tages bist Du ganz alleine. Und außerdem reicht es doch, wenn Du sie einmal im Jahr siehst.

Ähhhhm – mir nicht. Ich brauche mein „Rudel“, um mich wohl zu fühlen, möchte mit erleben, wie meine Enkelkinder groß werden, ohne dass sie der Mittelpunkt meines Lebens sind, aber immerhin ein sehr wichtiger Bestandteil. All dies kann er überhaupt nicht nachvollziehen und beendet das Gespräch dann ziemlich abrupt, und ich höre durch das Telefon, wie er den Kopf schüttelt über diese eigensinnige Frau, die unbedingt in diesem Deutschland bleiben will. Auf seine Aussage, wir können uns ja demnächst mal treffen, gehe ich gar nicht ein, denn ich weiß, er wird sich nicht mehr melden. Zu viel Missstimmung lag zwischen uns am Ende des Gespräches, und so fällt die Verabschiedung auch sehr kurz aus.

Schade. Leben und leben lassen, das ist meine Devise. Jeder soll aus seinem Leben das machen, was er meint, und sich selbst glücklich machen. Jeder soll seinen eigenen Weg gehen, etwas Anderes führt zu nichts, allenfalls in Krankheiten und andere Katastrophen. Wenn ich etwas gelernt habe, dann dies.

Menschen kommen und gehen in meinem Leben, da habe ich mich inzwischen dran gewöhnt. Ich vergleiche ja immer noch das Leben mit einer Bahnreise. Ich sitze mit vielen Menschen in einem Abteil. An jedem Bahnhof, wo der Zug hält, steigen Menschen zu, und es steigen Menschen aus. Irgendwann, am Ende der Reise, stehe ich dann selbst mit dem Koffer auf dem Bahnsteig, und sehe dem Zug hinterher, der mich bis an mein Ziel gebracht hat……

27 Gedanken zu „Zuhause

  1. Liebe Dori,
    mir scheint, derzeit ist auch nicht die richtige Zeit um über andere Lebensstandorte nachzudenken. Zuhause fühlen wir uns derzeit am wohlsten. Ich hab es auch während meines Urlaubs und auch schon anfang des Jahres bei mir bemerkt, ich möchte nicht woanders leben, als dort, wo ich derzeit bin. Auch wenn das Wetter zu wünschen übrig lässt und von anderen Dingen wollen wir gar nicht erst sprechen.Vielleicht geht es Deinem Bekannten gerade auch so, und er sehnt sich nach seinem Zuhause. So wie es ist, ist es genau richtig, sonst wäre es anders 🙂
    Ich wünsche Dir eine schöne Woche, ich muß heute wieder ins Büro.
    Liebe Grüsse
    Anita

    • Liebe Anita,
      ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche.
      Nein, ich möchte nirgendwo anders sein. Wobei ich gerne im Urlaub in andere Länder reise (n würde). Aber leben möchte ich nur hier,
      hier sind meine Wurzeln, hier fühle ich mich Zuhause.
      Liebe grüße von Dori

  2. liebe dori

    ich versteh nicht so ganz, warum wegen dieser meinungsverschiedenheit ein einstiger intensiver kontakt abbrechen muß. aber ich kenne es ja selber.auch ich machte schon diese erfahrung und dann sehe ich: man „lebt“ und „sieht“ sich wirklich auseinander. es werden wieder anddere menschen kommen um uns ein stück der bahnstrecke zu begleiten.

    ich versteh dich, dass du in deinem ort bleiben möchtest. war ja schon in norf, wenn auch nur mit dem zug vorbeigefahren und es ist ein ort zum wohlfühlen.deine family ist da, freunde, deine hobbies usw…all das ist teil der wurzeln und deines zuhauses. und diese können und sollen nicht einfach so verpflanzt werden :)) ich fühl mich auch zuhause wohl.

    glg babsi

    • Liebste Babsi, ja stimmt – Du warst ja schon hier in der Region 😉 Ja, es ist wirklich schön hier, und natürlich woanders auch. Ich könnte durchaus hier fortgehen, wenn ich denn einen Grund hätte. Ich habe aber keinen. Ich fühle mich hier wohl und genieße jeden Tag aufs Neue das schöne Umfeld.
      Liebe Grüße von Dori

  3. Wenn man seinem Herzen folgt, weiß man auch, wo das wahre Zuhause ist.
    Ich sage mir immer, fremde Länder kann ich mir ansehen, aber um woanders zu leben, muss ich mich zu hundert Prozent einlassen. Das fängt mit der Landessprache an, geht über Kultur und Tradition und das will ich nicht.
    Auch ich habe meine Wurzeln hier. Nicht alles ist das non plus ultra, aber im Vergleich geht es uns noch gut. Das vergessen viele.

    Bleiben wir bei unseren Wurzeln, da sind wir wohl genährt.
    Einen lieben Gruß,
    Anna-Lena

    • Liebe Anna-Lena, genau so sehe ich das auch. Ich finde es schon schrecklich, im Urlaub nicht die Hotelanlage verlassen zu können. Solche Urlaube kommen inzwischen gar nicht mehr in Frage für mich. Ich möchte nicht in einem fremden Land als Fremder in einer deutschen Kolonie leben, nur weil dort eventuell öfter die Sonne scheint und ich für meinen Euro mehr kaufen kann. Ich könnte auch nicht mit dem Gedanken leben, eine Haushälterin für 10 Euro die Woche zu haben, auch wenn das für sie vielleicht noch so viel Geld wäre. Irgendwie würde für mich das Gleichgewicht nicht vorhanden sein, und mir wäre immer unwohl. Aber das sind ja sowieso nur Spekulationen, denn ich bleibe hier!
      Liebe Grüße von Dori

  4. Liebste Dori, auch wenn es schade ist, dass Eure Freundschaft jetzt so verläuft: ich lese daraus bei Dir eine grosse Authenzität, ein Wissen, wo Du hingehörst und die Sicherheit, dass Du (bis aufs Wetter:-) ) am richtigen Ort bist. Und wenn DAS so klar aus dem Gespräch herauskam, dann war es für Dich vielleicht doch ein „gutes Gespräch“… (ja, ich kann es nicht lassen, immer das Positive herauszusuchen:-) )… Das Bild vom Leben als Bahnreise ist sehr schön – und manche Menschen haben eben manchmal andere Fahrpläne und Zugverbindungen… Alles Liebe für Dich, herzlichst Andrea

    • Liebste Andrea,
      genau – die Zugverbindungen und Fahrpläne sind oftmals unterschiedlich – daher bin ich der Meinung, man sollte den Zug eines anderen Menschen auch nicht auf eine andere Strecke umleiten wollen. Er möchte ja schließlich an sein Ziel kommen. Ich brauche zum Glücklichsein mein Rudel, und das ist hier, und aus diesem Grunde bin ich auch hier 🙂
      Liebe Abendgrüße (das Wetter ist es nun wirklich nicht, aber was solls – wenigstens ist es bis 22 Uhr mindestens hell 😀 )
      von Dori

  5. Liebe Dori!
    was Dein Freund vermutlich noch nicht bedacht hat ist, dass man sich selbst überall hin mit nimmt.
    Ich finde es gut, dass Du Dich wohl fühlst, da wo Du bist. Für mich fühlt sich das sehr gesund und gut an, denn viele Menschen fühlen sich nirgendwo zugehörig und haben das Gefühl nirgendwo hin zu passen.
    Und das ist sicher kein angenehmer Gemütszustand!
    Wie gut, dass Du für Dich selbst entscheiden darfst.
    Andere dürfen das ja auch für sich selber!
    …und ich denke, er wird sich ganz bestimmt wieder melden. Eine über viele Jahre gewachsene Freundschaft wird er vermutlich nicht so einfach vom Tisch wischen. Und wenn doch, könntest Du mal drüber nachdenken, ob in dieser Freundschaft tatsächlich ein Geben und Nehmen möglich ist…
    Alles Liebe und Gute für Dich, wo immer Du auch bist!
    Besser und besser!

    • Liebste Gaba,
      natüüüüüüüüüürlich könnte ich woanders hingehen, aber es besteht überhaupt keine Veranlassung dazu. Ich bin nicht der Mensch, der für einen Langzeiturlaub geeignet ist, dazu bin ich viel zu aktiv und wissbegierig und will immer noch mehr über das Leben und mich herausfinden. Denn darum ging es in diesem Telefonat. Ich könnte ja, wenn ich wollte. Aber ich will nicht. Ich will hier in meinem Umfeld mein Bestes geben. Und sollte es morgen zu einer Veränderung meiner derzeitigen Lebenssituation kommen, so werde ich auch daraus das Beste machen, so gut ich kann.
      Liebe Grüße aus dem sehr kalten und nassen Neuss von
      Dori

  6. Liebe Dori,
    wir alle stammen aus der gleichen Quelle. Die Quelle spielt. Du, Ich, und alle anderen sind Spielbälle.
    Die Quelle fließt. Es ist ihre Aufgabe. Dieser Überfluss kennt keine Moral, keine Ethik und Ästhetik. Wir glauben viele Dinge. Doch nur das Herz bestimmt was ist. Höre auf Dein Herz und wisse: „Es ist so, wie es gerade sein will“!
    Wenn Du Dir etwas gutes tun möchtest, dann suche den Sucher in DIR. Ist er entdeckt, hast Du innere Stabilität und inneren Frieden. Dies wiederum gewährt Dir ein Leben in Freiheit. Du bist dann nur der Wahrheit verpflichtet. Egal wo sich Dein Körper-Geist-Organismus befindet.

    Alles LIEBE wünscht Dir Norbert 🙂

    • Lieber Norbert,
      den Sucher in mir finden – ja, das ist eine Herausforderung, der ich mich noch stellen möchte, nun stellen werde.
      Danke für Deinen Kommentar,
      von Herzen, Dori

  7. Deinen „Lebenszug“ finde ich richtig gut, liebe Dori. Schade, dass sich eine Freundschaft abkühlen muss wegen einiger weniger Worte. Vielleicht kommt wieder die Zeit, dass dein einstiger bester Freund dich besser versteht als er es jetzt gerade bereit ist zu tun.
    liebe Grüße von der Gudrun

    • Liebe Gudrun, ja der Lebenszug bringt ständige Veränderungen. Abschied und Neubeginn sind dicht beieinander, aber wem erzähl ich das, das weißt Du ja selbst am besten. Irgendwie kommen doch immer wieder neue Menschen in unser Leben, und das ist auch gut so, diese ständigen Veränderungen halten uns lebendig und wach.
      Liebe Grüße von Dori

  8. Da gibt es nicht viel zu diskutieren! Keine Missionarsarbeit bei solchen Themen! Jeder wie er mag, wie er sich fühlt, wo es ihn hinzieht!
    Dein Freund erscheint irgendwie latent aggressiv, so wie du es schilderst und ich frage mich, warum ist er das denn? Das Verhalten eines Menschen mir gegenüber sagt immer etwas über ihn aus, nie über mich … davon hatten wir es schon öfter….

    Hoffentlich entspannt er sich – wenn er Deutschland wirklich so mies findet, und er sich gleich schlecht fühlt, dann lohnt sich ja nicht einmal ein einziger Besuch im Jahr für ihn!

    liebe Grüße von Ellen, die sich freut, dass du selbst in dir ruhst und das Gefühl hast, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein!

    • Liebe Ellen,
      danke für Deinen Kommentar! Inzwischen denke ich, dass er mit seiner Lebenssituation unzufrieden ist. Er wird jetzt im Sommer auf Gran Canaria sein und im Winter in Chilé. Mal sehen, ob es ihm dann „besser“ geht.
      Auch wenn es schon wieder regnet 🙁 ich bleib trotzdem „hier“.
      Liebe Grüße von Dori

  9. Liebe Dori,
    auch ich mag nicht weg. Ich kann dich da sehr gut verstehen.
    Für mich ist ein Platz wichtig zu dem ich immer wieder zurückkehren kann. Ich liebe die Umgebung in der ich wohne. Ich lebe gerne hier. Auch sind mir die Begegnungen wichtig mit gewachsenen Freundschaftsbeziehungen und guten Bekannten. Wir erleben dies mit Freunden, die aus beruflichen Gründen für ein paar Jahre im Ausland lebten. Eine Zeit lang trägt die Freundschaft, d.h. über ein paar Jahre. Doch irgendwann entfernt man sich dann doch auch innerlich voneinander. Bekannte und doch so fremd. So kam es mir bei unserer letzten Begegnung mit diesen Freunden vor. Und irgendwie kommen sie mir entwurzelt vor. Sie lieben das reisen und tun dies, doch irgendwie – vielleicht ist es für sie nicht so wichtig, eine feste Bleibe zu haben.
    Jemand sagte einmal zu mir. „Ich fühle mich überall Zuhause, egal wo ich bin“. An diesen Satz muss ich eben denken. Was die Person wohl damit meinte? Dieses Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit in sich zu erleben und egal wo sie hinkommt? Wir verreisen ja auch ganz gerne dann und wann – Und doch erlebe ich es so, dass ich gerne wieder zurückkehre. Manche fernen Orte erscheinen mir als viieeeel kleinere Welten in der großen Welt. Missen möchte ich diese Erfahrungen nicht und auch gerne ab und an verreisen. Doch wohnen und bleiben möchte ich hier, genau da wo ich jetzt lebe.
    Ja, Freunde kommen und gehen. Genauso verändern wir uns ja ständig auch und manchesmal passt es einfach nicht mehr.
    Liebe Grüße von Martina

    • Liebe Mia, danke für diesen schönen Kommentar. Ich kann all Deine Worte nur bestätigen und dem gar nichts hinzufügen.

      Liebste Grüße, Dori

    • Danke Dir, liebste Erika. Ich fühle mich (inzwischen) sehr wohl in meinem Leben. Und die Reise ist ja noch lange nicht zu Ende…..

      Liebste Grüße und ein schönes Wochenende,

      Dori

  10. Liebe Dori
    Niemand kann einen Mensch ändern – jeder muss sich selber ändern und as hast Du richtig erkannt – er will sich nicht ändern.
    Dein Bild vom Lebenszug gefällt und das ist schon so.
    Die Frauen brauchen, wie Du schreibst, ihr Rudel um sich. Meine Frau will auch nie, all zu lange weg, es könnte ja in der Zwischenzeit etwas geschehen.
    Liebe Grüsse zentao

  11. Liebste Dori,

    wo wir hingehören, wo unser Platz, unser Zuhause ist und wo wir uns wohlfühlen, dass weiß nur jeder für sich selbst. Da kann uns niemand „über-reden“. Vielleicht hat dich dein Freund eben daran wieder erinnert, und das tut gut zu wissen, zu spüren, wo dein Herz zu Hause ist. Geh, wohin dein Herz dich trägt… Manchmal ist das einfach zu Hause ♥

    Ich lese leider viel zu selten bei dir, trotzdem fühle ich mich dir verbunden und wünsche dir auch da, wo du JETZT bist, eine gute, schöne Zeit!

    Von Herzen alles Liebe,
    Elisabeth

  12. Liebe Dori,
    ist hier jemand Zuhause???
    Man liest gar nichts mehr von Dir 🙂
    Und dabei gehen hier wundervolle Dinge vor. Ja – ich mache jetzt mal sooooo ein wenig auf mich Aufmerksam 😉 Guck doch mal rüber. Vielleicht poste ich ja demnächst in Foto von meiner Hundedame, die übrigens auch aus Spanien stammt.
    Schöne Grüße an Dich, liebe Sommerfreudengeniesserin.

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